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Bayerische Staatsforsten gewähren russischem Forstprofessor Einblick

(Burglengenfeld 19. Januar 2017) – Burglengenfeld. Es herrschte sibirische Kälte im traumhaft verschneiten Winterwald. Der klare blaue Himmel bildete dazu den richtigen farblichen Kontrast. Einzig Professor Vladimir Petrow brauchte keine Handschuhe. Die ziehe er erst ab Minus zwanzig Grad an. Die Minus zehn seien für ihn gefühltes Frühjahr. Er lehrt den Schwerpunkt Betriebswirtschaft, Organisation und Forstpolitik an der Universität von Sankt Petersburg, einige Breitengrade weiter nördlich liegend. Auf einem dreiwöchigen Deutschlandtrip möchte er verschieden Forstbetriebe und forstliche Institutionen besuchen. Er startete bei den Bayerischen Staatsforsten, machte sich zunächst in der Regensburger Unternehmenszentrale mit der Grundorganisation und den planerischen und aussteuernden Ablaufmechanismen bekannt. Sein Wissen verprobte er einen Tag in der Praxis am Forstbetrieb Burglengenfeld.

Forstbetriebsleiter Thomas Verron und sein Stellvertreter Erwin Graf stellten ihm die naturräumlichen Gegebenheiten und die betriebliche Organisation auf der Fläche vor. Dann ging es detailliert in Planungs-, Abstimmungs- und Ablaufprozesse. Petrow beeindruckte die totale Transparenz mit jederzeit möglichen Auswertungen über den laufenden Prozess durch das vorhandene EDV-System. Erstaunt registrierte er Plan- und Ausführungsgenauigkeit. Gezielt fragte er in bestem Deutsch nach Details. Er war überrascht über die Vielfalt der außerbetrieblichen Belange, die es zu berücksichtigen und einzubinden gilt. Für die großen und weiten Wälder Russlands undenkbar. Da bewirtschaften wir Bayern im Vergleich eher „wie Gärtner parkartig“. Im Wald interessierte die bei den Bayerischen Staatsforsten seit Jahren praktizierte naturnahe Waldbewirtschaftung mit pfleglicher Vorgehensweise zur Sicherung der Nachhaltigkeit in Holz- und Bodennutzung. Dazu besichtigte Petrow auch einen Harvestereinsatz der unternehmenseigenen Forsttechnik in modernster technischer Ausstattung, einen sogenannten Baumhalter.

Einen gesonderten Zeitraum nahm die Forsteinrichtung als mittelfristig zehnjähriges Planungsinstrument ein. Denn hierauf basieren alle jährlichen naturalen und betriebswirtschaftlichen Planungen der 41 Forstbetriebe der Bayerischen Staatsforsten. Im Wald wurde ein konkreter Inventurpunkt aufgenommen, dessen Daten beitragen, die tatsächlichen Holzvorräte und –zuwächse, die Vorausverjüngungen und eventuellen Schäden zu berechnen. Alle zehn Jahre kontrolliert das fest installierte Inventurnetz über Folgeaufnahmen die Nachhaltigkeit der Nutzungen. Für den russischen Wald offenbar ein Traum. Jede denkbar erleichternde Technik wie Luftbilder, Laser- und EDV-Technik kommt hier zum Einsatz. Forsteinrichtungsleiter Alexander Schnell und Inventurleiter Ludwig Arnold stießen da bei Petrow auf offene Ohren und Augen.

Nach einem interessanten internationalem Austausch konnten die Bayerischen Staatsforsten im Vergleich deutlich erleben, wie genau und nachvollziehbar in Bayerns Wäldern geplant und gearbeitet wird. Da muss einem nach 300 Jahren Nachhaltigkeit nun wirklich nicht bange werden.