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Eine kleine Waldgeschichte

Es gibt sehr genaue forstwissenschaftliche Schilderungen, wie nach der Eiszeit die ersten Wälder wieder entstanden sind.

12000 bis 10000 v. Chr.

Das Eis ging, die Tundra blieb noch ein Weilchen. Die kurzen Vegetationsperioden, strengen Winter und trockenen Sommer des Eiszeitalters hatten nur schlechte Bedingungen für Bäume geboten. Sie waren entweder gen Süden gezogen oder wie Mammut- und Tulpenbaum ausgestorben. Nur einige hartgesottene Kiefern und Zwergbirken trotzten den Bedingungen. Aber sie waren Einzelkämpfer. Wälder, die diesen Namen verdienten, gab es keine.

Heute:

Die Tundren Kanadas, Alaskas, Russlands und Patagoniens vermitteln heute eine ungefähre Ahnung davon, wie die Landschaft damals gewirkt haben muss; auch hier kämpfen sich Pflanzen durch kurze Sommer und harte Winter. Allerdings darf man nicht vergessen, dass es hierzulande während der Eiszeit keine so langen Nächte und Tage gab wie in den weit im Norden und Süden gelegenen Gebieten.

10000 bis 7000 v. Chr.

Die Zeit der Pioniere: Birken und Kiefern besiedelten als erste die karge Landschaft und bereiteten den Boden für anspruchsvollere Baumarten. Diese Wälder waren hell und lichtdurchflutet. Zahlreiche Gräser und Sträucher konnten hier wachsen. Der Mensch war selten anzutreffen - ein einziger auf hundert Quadratkilometer (heute leben in Deutschland rund 230 Einwohner auf einen Quadratkilometer).

Heute:

Ausgedehnte, natürliche Birkenwälder finden sich heute im Norden Skandinaviens, Kanadas, Russlands und den USA. Einen Eindruck, wie die Kiefernwälder bei uns ausgesehen haben, vermitteln die Kiefernbestände der Taiga in Skandinavien und Russland. In Deutschland finden sich Relikte nur auf wenigen Sonderstandorten wie beispielsweise kleinflächige Weißmoos-Kiefernbestände auf trockenen, nährstoffarmen Sanden um Nürnberg. In den bayerischen Alpen wachsen noch vereinzelt Schneeheide-Kiefernbestände. Und an der Ostsee lässt sich auf dem Darß beobachten, wie Kiefern Dünen besiedeln.

7000 v. Chr. bis 500 n. Chr.

Die lichten Wälder aus Kiefer und Birke sind Geschichte. Nach einer Blütezeit der Hasel übernehmen die Eiche und Mischbaumarten wie Esche, Ahorn und Linde, in höheren Lagen die Fichte die Herrschaft. Ab etwa 3000 vor Christus dominiert die Rotbuche immer mehr das Bild - Deutschland ist bald fest in ihrer Hand. Während die Buche gut mit den meisten anderen Baumarten auskommt, haben diese es mit ihr schwerer: Sie spendet zu viel Schatten. Gleichzeitig mit der Buche kommt auch die Tanne und bildet zusammen mit ihr und der Fichte Mischwälder in höheren Regionen. In den weitgehend unbesiedelten Urwäldern führen Tiere wie Wölfe, Hirsche oder Wisente das Regiment - und es keimt der germanische Widerstand gegen die Römer.

Heute:

Diese Wälder entsprechen weitestgehend dem, was wir heute in Europa als natürliche Bewaldung vorfinden würden. Auf großer Fläche sind die meisten Waldflächen allerdings durch menschliche Nutzung beeinflusst und es gibt nur wenige wirkliche Urwaldflächen. Ein solches Urwald-Relikt stellt beispielsweise der Bialowiena-Nationalpark in Polen dar. Aber auch naturnahe, bewirtschaftete Wälder wie die Buchenmeere im Steigerwald und dem Spessart oder die ausgedehnten Bergmischwälder der Alpen können Eindrücke dieser Urwälder vermitteln.

500 bis 1500 n. Chr.

Nach dem Zerfall des Römischen Reiches und der Völkerwanderung schloss sich im 6. Jahrhundert eine ersten größere Rodungsperiode an - die "Landnahmezeit". In den folgenden drei Jahrhunderten führte die Bevölkerungszunahme nur zu einem Ausbau bestehender Siedlungsstrukturen. Ab dem 11. Jahrhundert hielt diese Erschließung mit dem Bevölkerungswachstum nicht mehr stand, eine zweite, großflächige Rodungsperiode folgte. Kriege und Seuchen führten ab etwa 1300 immer wieder zu zeitweiligen Wiederbewaldungen. zu Beginn des 15. Jahrhunderts kam die Wald-Feld-Verteilung in ein mehr oder weniger stabiles Gleichgewicht. Bereits aus dieser Zeit finden sich Ordnungen zur Reglementierung der Rodungstätigkeit.

Heute:

Am ehesten lässt sich diese Epoche mit den derzeitigen Rodungen etwa im Amazonasgebiet vergleichen. Die dort zu beobachtenden Umwandlungen von unbesiedelten Waldflächen in Acker- und Weideland führen zu erheblichen Waldverlusten, die aufgrund der Artenvielfalt in den Tropenwäldern besonders schmerzlich sind. Den Zeigefinger zu erheben, können wir uns aufgrund der eigenen waldfrevlerischen Vergangenheit aber sparen.

1400 bis 1800 n. Chr.

Seit Anbeginn der menschlichen Existenz in Europa waren die Wälder Lebensraum und Lebensgrundlage der Menschheit - daran hat sich bis in die Neuzeit nichts geändert. Bis zur Entdeckung von Kohle und später Erdöl als Brennstoff war Holz (als Brennholz und Holzkohle) der Energieträger schlechthin. Gleichzeitig war Holz der wichtigste Baustoff - sei es für Gebäude, Kutschen oder Schiffe. Ein enormer Holzbedarf war die Folge. Zudem wurden Wälder über Beweidung, Eichelmast von Schweinen, Streunutzung oder Waldfeldbau für die Produktion landwirtschaftlicher Güter genutzt, was eine zusätzliche Degradierung der Wälder zur Folge hatte. Vor allem Großgewerbe wie Salinen, Eisen- und Glashütten oder Ziegelbrennereien führten zu enormen regionalen Holznöten. Aufgrund dieser Holzarmut wurde Sole von den Salinen zeitweilig mit Holzrohren über Hunderte von Kilometern in waldreiche Gebiete geleitet, um sie dort zu sieden.

Heute:

Dem Spruch "auf den Bäumen wachsen die besten Schinken" wird in Spanien heute noch gefolgt. Dort werden Schweine immer noch in Eichenwälder getrieben, um besonders lecker zu werden. Auch in den Savannen Afrikas gibt es Formen der Waldweide - genau wie im indischen Rajasthan; nur werden dort Kamele in den Dschungel getrieben.

1700 bis 1900 n. Chr.

Jahrhundertelang hatte jeder den Wald genutzt - und schließlich übernutzt. Devastierte Landschaften waren die Folge. Wälder mussten mühevoll wieder aufgebaut werden. Lüneburg etwa war von Wanderdünen bedroht. Tausende Hektar ehemaligen Brachlandes, Heiden und Wüstenei ergrünen wieder. Auf den degradierten Böden mögen oft nur anspruchslose Kiefern und Fichten gedeihen. Diese Baumarten wurden durch diese Pionierarbeit zum prägenden Element der deutschen Wälder. In diese Zeit fällt auch die Geburtsstunde der nachhaltigen Forstwirtschaft und des Nachhaltigkeitsgedankens (Carlowitz, 1713).

Heute:

Auch in China versucht man, der Entwaldung und dem Vormarsch der Wüsten Einhalt zu gebieten. Kiefern und Lärchen bilden neue Nadelholzbestände, Pappeln und Tamarisken schaffen eine grüne Mauer. 24 Millionen Hektar wurden bereits gepflanzt. Damit einher geht das Gebot, dass jeder Chinese pro Jahr drei bis fünf Bäume pflanzen muss. Das "Aufforstungsfest" findet am 12. März statt.

Heute

Nachhaltige Forstwirtschaft hat sich seit ihren Anfängen deutlich verändert. Die Waldböden haben sich von der Übernutzung erholt, längere Vegetationszeiten, Stickstoffeinträge und erhöhte CO2-Werte führen derzeit zu erhöhten Holzzuwächsen. Und auch das Verständnis von forstlicher Nachhaltigkeit hat sich weiterentwickelt: Von der reinen Beschränkung der Holznutzung hin zu einer umfassenden, nachhaltigen Bereitstellung von Waldfunktionen - angefangen von der Bereitstellung des erneuerbaren Rohstoffes Holz über die vielfältigen Schutzfunktionen bis hin zur Bereitstellung von Erholungsraum für die Gesellschaft. Basis dieser Multifunktionalität ist ein naturnaher Waldbau, der sich an der natürlichen Baumartenzusammensetzung orientiert und natürliche Entwicklungsprozesse als Vorbild nimmt.

Nachhaltige Forstwirtschaft kommt weltweit in Mode. Die Ausprägungen der Waldbewirtschaftung unterscheiden sich dabei jedoch genauso wie das Klima und die Wälder, die Kulturen und die Ansprüche der Gesellschaften es tun. Die forstwirtschaftlichen Wege, die in den einzelnen Ländern beschritten werden, können sich daher deutlich unterscheiden. Viele eint aber ein gemeinsames Ziel: Nachhaltigkeit. Dies beweisen die zunehmenden PEFC-zertifizierten Waldflächen.