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Vaterschaftstests für Bäume?

Im Hintergrund eine hohe, typische Hochlagenfichte mit schmaler Krone im Eschacher Wald. Auf ihren Ästen bleibt nur wenig Schnee liegen. (Foto: Winfried Fischer, BaySF)

Kempten, 09. April 2018 – Derzeit werden viele Bäumchen im Wald gepflanzt. Braucht es für diese eigentlich einen Vaterschaftstest? „Ein spezieller Vaterschaftstest hätte wenig Aussagekraft. Die meisten unserer Waldbäume sind einhäusig. Das heißt, die männlichen und weiblichen Blüten sind auf ein und demselben Baum“, erklärt Förster Winfried Fischer. Er ist für einen Teil des Staatswaldes in der Kürnach verantwortlich und lässt diese Wochen ca. 10 Hektar in seinem Revier mit jungen Bäumchen auspflanzen.  

Sein Chef, Sonthofens Forstbetriebsleiter Jann Oetting ergänzt: „Für uns sind viele andere Fragen bei der Auswahl der jungen Pflanzen wichtiger: Werden sie die nächsten 100 Jahre im Allgäu überleben? Werden sie mit den Temperaturen, die hier herrschen oder in Zukunft herrschen werden, fertig? Und speziell im Allgäu, werden sie den vielen Schnee im wahrsten Sinne ertragen? Oder werden ihre Äste oder gar der ganze Stamm unter der Last zusammenbrechen?“  

Wahrlich ein ganzer Wald voll Fragen, die sich Waldbesitzer und Förster stellen müssen. Schließlich legen sie mit der Pflanzung den Grundstein für die nächsten 100 Jahre. „Damit nicht die falschen Pflanzen verwendet werden und die Risiken möglichst minimiert werden, gibt es für fast alle Baumarten sogenannte Herkunftsgebiete. Für die Tanne zum Beispiel ein Dutzend, die von der Nordseeküste bis zum Alpenraum über 900 m reichen“, so Oetting weiter.  

Wenn Förster Fischer im Kürnacher Staatswald pflanzen will, kann er beim Einkauf zwischen Pflanzen wählen, deren Eltern unter 900 Meter Höhe standen und solchen, deren Eltern über 900 Meter Höhe wuchsen. Den Vorteil, genau zu wissen, welche Pflanzen eingekauft werden, nützt der Forstbetrieb Sonthofen bei seinem umfangreichen Frühjahrspflanzprogramm. Und da Kontrolle mehr Sicherheit bringt, werden fast ausschließlich zertifizierte Pflanzen beschafft. Das heißt über eine Genuntersuchung lässt sich die Herkunft der Pflanze bis zum Ausgangsbestand zurückverfolgen. Hier macht der sogenannte „Vaterschaftstest“ Sinn. Nochmal Revierleiter Fischer: „Nach Möglichkeit kaufen wir bei den Staatsforsten ZüF-zertifizierte Pflanzen. Das sind Pflanzen von Baumschulen, die im Zertifizierungsring für überprüfbare forstliche Herkunft Süddeutschland e.V. Mitglied sind und entsprechenden, strengen Kontrollen unterliegen. Schließlich macht es einen erheblichen Unterschied, ob Zapfen für Zapfen von einem Pflücker aus der Krone eines im Allgäu stehenden Baumes gesammelt wurde, oder ob günstiges aber genetisch ungeeignetes Saatgut z.B. aus der Walachei bezogen wurde.“  

Noch besser und von der Natur geschenkt ist es, wenn die jungen Pflanzen von selbst wachsen. Bei der sogenannten „Naturverjüngung“ stammt das Saatgut vom Altbestand und keimt unter günstigen Bedingungen von alleine. In der Regel entsteht daraus ein gesunder, angepasster Mischbestand wie ihn sich Waldbesitzer und Förster wünschen.   Mehr Informationen zu forstlichem Saat- und Pflanzgut gibt es im Internet unter www.asp.bayern.de