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Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum

Revierleiter Hubert Heinl beim Auszeichnen: Diese Fichte wird wertvolles Bauholz, gleichzeitig kommt mehr Licht der Tannenverjüngung zu Gute (Foto: Hubert Heinl, BaySF)

Sonthofen, 14. Dezember 2017 - Aus dem Jahre 1824 stammt das sehr beliebte Weihnachtslied „Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum“. Darin wird nicht die ursprünglich aus dem Kaukasus stammende Nordmannstanne besungen, die heute der meist verkaufte Weihnachtsbaum ist, sondern unsere heimische Weißtanne. Früher war die Weißtanne nicht nur als Weihnachtsbaum sehr beliebt, sondern ihre Zweige schmückten auch in der vorweihnachtlichen Zeit als Adventskränze und Weihnachtsgestecke die Stuben der Allgäuer.  

Die Zeit, in der Weißtannen als Christbaum genutzt wurden, ist leider vorbei. Denn es gibt im Wald praktisch kaum mehr Weißtannenverjüngung. Auch als Lieferant für das beliebte „Weißdas“ der zahlreichen Bastelgruppen kann der Baum bald nicht mehr dienen. So still und ruhig wie das Weihnachtsfest, so still und leise wurden es weniger Weißtannen in den Allgäuer Wäldern. Ist auch bald die Zeit vorbei, in der die Weißtanne als Lieferant des wertvollen Bauholzes für die Bauernhäuser diente?  

„Nein! In den Zeiten des Klimawandels wird gerade die Weißtanne dringender denn je in den Allgäuer Wäldern gebraucht! Als stabilisierender Nagel in den Bergmischwäldern bei Sturm, toleranter gegen erhöhte Temperaturen und Trockenphasen als die Fichte, unempfindlicher gegen den Borkenkäfer“, ist sich der Sonthofener Forstbetriebsleiter Jann Oetting sicher. Aus diesen Gründen haben die Bayerischen Staatsforste eine „Tannenoffensive“ gestartet, mit dem Ziel, den Tannenanteil im Gebirge auf deutlich über zehn Prozent zu steigern. „Die Tanne ist eine Zukunftsbaumart, die in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Rolle spielen wird“, so der Staatsforsten-Vorstandsvorsitzende Martin Neumeyer, der die Tannenoffensive für den Bayerischen Staatswald ausgerufen hat.  

Nur in den über 140 jährigen Allgäuer Wäldern ist die Weißtanne noch in zahlreichen, oft beeindruckend starken Exemplaren, vorhanden. Aufgewachsen in einer Zeit, in der aus großer Not heraus scharf gejagt wurde und deshalb waldangepasste Wildstände das Aufwachsen der jungen Tannen ermöglichte. In den jüngeren Wäldern ist die Weißtanne leider zur Seltenheit geworden.

„Für den Bereich des Forstbetriebs Sonthofen stellt die Anreicherung unserer Wälder mit Tanne eine große Herausforderung dar!“, so Forstbetriebsleiter Oetting. „Je mehr Tanne in unseren Bergwäldern, umso besser sind wir für die Zukunft gerüstet“. Aber nur dort, wo die jagdlichen Verhältnisse stimmen, kann die Weißtanne wachsen. „Dann können aus der schier unglaublich großen Zahl der kleiner Sternchen, also der einjährigen Sämlinge die den Waldboden bedecken, letztendlich Weißtannen heranwachsen“, erklärt Staatswaldrevierleiter Hubert Heinl.

Großräumige Gebiete, in denen die Tanne aufwachsen kann, sind im Allgäu noch selten. Der Große Wald bei Wertach und der Staatswald in Balderschwang und im Rohrmoos zeigen mittlerweile über zimmerhohe Tannenverjüngungen auf großer Fläche. „Durch die deutliche Reduktion der ehemals zu hohen Wildbestände ist es gelungen, der Weißtanne wieder eine Zukunft zu geben“, freut sich der für den Staatswald rund um Balderschwang zuständige Revierleiter Hubert Heinl.

Und deshalb ist der Weihnachtswunsch der Förster im Allgäu auch ganz logisch: Bergmischwälder mit einem hohen Tannenanteil. Auch damit in Zukunft die Weißtanne wieder in den Allgäuer Stuben als Christbaum steht und ihren aromatischen Duft verbreitet.