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„Munteres Treiben“ oder der Hochzeits-Tanz der Rehe

„Wer fiept denn da…?“ mag der liebestolle, junge Rehbock neugierig fragen; In diesem Fall hat er Glück im Unglück: Es war keine Rehgeiß, sondern ein Jäger mit Foto statt Gewehr

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Sonthofen, 04. August 2017 - Spaziergänger, die gerade aufmerksam durch Wald und Feld bewegen, werden mit etwas Glück Zeuge eines sich jedes Jahr um dieselbe Zeit wiederholenden Schauspiels: Dem „Hochzeits-Tanz“ der Rehe, von den Jägern BLATTZEIT genannt.  

Diese sonst so scheue Wildart ignoriert gerade völlig ihre Angst vor dem Menschen und zeigt sich völlig in die Paarung vertieft an Plätzen, wo man sie sonst nur selten zu Gesicht bekommt.

Aber warum eigentlich Blattzeit? „Das ist leicht erklärt“ führt Jörg Finze, Berufsjäger am Forstbetrieb Sonthofen in der Kürnach aus: „die mangelnde Vorsicht des Wildes macht sich der Jäger zu Nutze und hat früher mit einem Buchenblatt die Lautäußerung der weiblichen Rehe nachgeahmt. So gab es für manchen Bock ein böses Erwachen: Statt von einer paarungsbereiten Rehgeiß kamen die betörenden Laute von einem Jäger …“  

Heute hat diese Jagd Art nicht mehr den Stellenwert wie früher. Auch den Lockruf mit dem Buchenblatt - es muss möglichst jung und frisch sein - beherrschen nur noch die wenigsten Jäger. Wie überall hat auch hier der Fortschritt Einzug gehalten und bietet REHBLATTERN aus vielen Materiealien an. Selbst eine App wurde von Jörg Finze mitentwickelt, die dem Jäger eine Hilfestellung beim Erlernen der Ruf-Laute sein soll.  

Da die Rehböcke auf der Suche nach paarungsbereiten Geißen große Entfernungen zurücklegen, ist gerade um diese Jahreszeit viel Bewegung bei Wild festzustellen. „Doch wo Licht ist, ist auch Schatten!“ sagt Jann Oetting, Betriebsleiter des Forstbetriebes Sonthofen nachdenklich. „Denn gerade der Autoverkehr ist in dieser Zeit mit Wild auf der Straße zu einer Tageszeit konfrontiert, wo es der Autofahrer nicht vermutet!“ Also in Waldgebieten mit markierten Wildwechsel-Schwerpunkten besonders aufmerksam fahren!

Da der Nachwuchs der Rehe, die Rehkitze, erst im Mai nächsten Jahrs auf die Welt kommen, würde es ja eine Trächtigkeit von mindestens 9 Monaten zur Folge haben, mag man sich jetzt fragen. „Stimmt, könnte man meinen…!“ bemerkt Jörg Finze „…aber die Natur hat da Gottlob ihre eigenen Gesetzte“. Die „Eiruhe“, also eine Entwicklungsverzögerung bewirkt, dass der Embryo sich erst entwickelt, wenn die nahrungsarme Zeit im Winter vorbei ist und das Frühjahr dem Wild mit frischer, nährstoffreicher Äsung die bestmöglichen Startbedingungen gibt!

„Schlau gemacht von Mutter Natur!“ …freut sich Berufsjäger Finze.