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Wildkatzen-Monitoring

Bild: Markus Bosch

Auf leisen Pfoten schleicht sie bereits seit mindestens 300.000 Jahren durch Bayerns Wälder, die europäische Wildkatze (felis sylvestris s. sylvestris). Sie war hier heimisch, schon lange bevor die Hauskatze, die von der nubischen Falbkatze abstammt, mit den Römern nach Deutschland kam. Von dieser unterscheidet sich die Wildkatze deutlich durch ihren dicken, buschigen Schwanz und den schwarzen Sohlenfleck an den Hinterbeinen. Durch Lebensraumverlust und intensive Bejagung galt die Wildkatze in Bayern bis in die 1980er Jahre hinein als ausgestorben. Nun streift sie auch wieder durch die Waldgebiete des Forstbetriebs Nordhalben und genießt als streng geschützte Art unsere besondere Aufmerksamkeit. Zur großen Freude aller Mitarbeiter konnte der Forstbetrieb in den Jahren 2014 und 2016 eine stabile, flächendeckende Wildkatzenpopulation genetisch nachweisen.

Seit mehreren Jahren hatte der Forstbetrieb immer wieder Meldungen von aufmerksamen Waldbesuchern, Forstwirten und Förstern über Beobachtungen von Wildkatzen erhalten. Im Jahr 2014 war es dann schließlich, dass sich der Forstbetrieb Nordhalben zusammen mit Kreisgruppen vom Bund Naturschutz (BN) an dem vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Projekt „Wildkatzensprung“ beteiligte, welches im Bundesprogramm „Biologische Vielfalt“ eingebettet ist. Seither bildet das langfristig angelegte Wildkatzenmonitoring einen festen Bestandteil der betrieblichen Naturschutzarbeit. Zunächst wurden, über den gesamten Forstbetrieb verteilt, 100 rauhe Holzstäbe aufgestellt und mit Baldrian besprüht. Katzen reiben sich gerne an diesen Stellen und lassen dabei Haare zurück. Diese Haare wurden von unseren Mitarbeitern eingesammelt und vom Projektpartner, dem Amt für Saat- und Pflanzenzucht in Teisendorf, in ihren Labors genetisch untersucht. Das Ergebnis der 45 eingeschickten Haarproben war verblüffend. An 35 Proben wurde die Wildkatze nachgewiesen. Die Nachweise verteilen sich über das ganze Forstbetriebsgebiet. Wir konnten erfreulicherweise in allen vier Landkreisen (Kronach, Kulmbach, Hof und Bayreuth) insgesamt 19 Wildkatzenindividuen sicher nachweisen. Der Schwerpunkt der Verbreitung lag jedoch deutlich im Frankenwald mit 14 von 19 Individuen. Das tolle Ergebnis zeigt, dass der naturnah bewirtschaftete Staatswald eine sichere Heimat für die scheue Wildkatze ist. Die Anreicherung des Staatswaldes mit liegendem und stehendem Totholz, das Belassen von Biotopbäumen auf ganzer Fläche, der kleinflächige Wechsel unterschiedlicher Waldstrukturen und das Vorkommen kleiner Naturschutz-Trittsteinflächen und Biotop-Verbundlinien waren zentrale Erfolgsfaktoren bei der Rückkehr der scheuen Wildkatze in die heimischen Wälder.

Im Jahr 2016 wurde eine zweite Wildkatzenerhebung durchgeführt. Der Forstbetrieb wollte zwei zentrale Fragen ergründen:

a) Gibt es überall auf den Staatswaldflächen in den vier Landkreisen Wildkatzen?

b) Existieren „weiße Flecken“ oder Verbreitungsschwerpunkte?

Mit 68 Lockstäben wurde gezielt in diejenigen Waldgebiete gegangen, welche im Jahr 2014 nicht untersucht wurden. An 52 der 55 gefundenen Haarproben konnten eindeutige Ergebnisse hinsichtlich Haus- oder Wildkatze gewonnen werden. In 20 Haarproben wurden Wildkatzen nachgewiesen und neun verschiedene Wildkatzenindividuen bestätigt. Zwei davon waren bereits bekannt. Alle sieben neuen Wildkatzen – zwei Katzen und fünf Kudern –  befanden sich im Landkreis Kronach. Als Schwerpunkte des Vorkommens haben sich die Wälder im Bereich der Täler der Flüsse „Rodach“, „Wilde Rodach“ und „Lamitz“ erwiesen.

Der Forstbetriebsleiter Fritz Maier sieht „die Wildkatze als eine wichtige Art in unserem regionalen Naturschutzkonzept. Sie braucht keine Großschutzgebiete, sondern kommt mit der naturnahen Waldbewirtschaftung, wie wir sie durchführen, gut zu Recht. Für uns ist diese scheue Art ein wichtiger Indikator für Naturnähe im Wald. Ihre erfolgreiche Rückkehr bestärkt uns darin, dass wir mit dem Waldumbau auf dem richtigen Weg sind. Ich bin fest der Überzeugung, dass die Biotopkapazität des Frankenwaldes noch nicht erschöpft ist. Die Gegend kann noch einige Wildkatzen vertragen.“

Dieses Projekt hat über die naturschutzfachlichen Errungenschaften hinaus vor allem eines bewirkt: eine Stärkung der Zusammenarbeit von ehrenamtlichem Naturschutz und den BaySF. Gemeinsam Hand in Hand für diese faszinierende Tierart tätig zu werden, stärkt die Verbindungen. Das nächste flächendeckende Monitoring soll 2020 durchgeführt werden, hoffentlich wieder zusammen mit den verlässlichen Partnern!