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Felsprojekt Jura

Felsprojekt Jura

Beschreibung des Projekts

Das Felsprojekt „JURA“ befasst sich mit den warmen und trockenen Felsstandorten des Altmühltales und seiner Nebenflüsse im Bereich des Forstbetriebs Kipfenberg der Bayerischen Staatsforsten. Hier wachsen immer mehr ehemals trockene und felsige Bereiche zu. Seltene und auf diese Lebensräume spezialisierte Tier- und Pflanzenarten verlieren dadurch ihre Lebensräume. Eine Vernetzung der einzelnen Trockenstandorte ist dann nicht mehr gegeben. Ziel des Projekts ist es, diese wertvollen Biotope wiederherzustellen und dabei zahlreiche z.T. hochgradig gefährdete Pflanzen- und Tierarten zu fördern. 

Durchführung

In einem ersten Schritt wurden alle bedeutenden Felspartien im Bereich des Forstbetriebs Kipfenberg erfasst, federführend vom Landesbund für Vogelschutz (LBV), Kreisgruppe Eichstätt. Anschließend wurden davon vier hinsichtlich Exposition, Orographie und Wasserhaushalt unterschiedliche Felsbereiche ausgewählt. Dort wurden über eine Vegetationsperiode hinweg Mollusken (Schnecken) und Laufkäfer kartiert, um Einflüsse auf bestehende Populationen durch Freistellungen abwägen zu können. Ähnlich wie bei den Schnecken gibt es Laufkäferarten, die aufgrund ihrer Flugunfähigkeit in ihren Ausbreitungsmöglichkeiten eingeschränkt sind. Somit finden sich in beiden Artengruppen Vertreter, die entweder den Lebensraum „Wald“ oder den Lebensraum „Freifläche“ repräsentieren. Wir wollten auf jeden Fall vermeiden, sämtliche Felspartien freizustellen und somit alle Felsbereiche einheitlich zu behandeln, da es zahlreiche speziell angepasste Arten gibt, die eventuell unter Freistellungsmaßnahmen leiden. 

Ergebnisse

Im Rahmen der Kartierung konnten insgesamt 51 landlebende Molluskenarten kartiert werden. Neben vielen verbreiteten und ungefährdeten Arten wurden 13 Arten der aktuellen Roten Liste Bayern nachgewiesen. Dies entspricht einem Viertel aller kartierten Arten. In der Kategorie extrem seltener Arten fand sich auf drei Probeflächen die Haferkornschnecke (Chondrina avanacea), ein Bewohner xerothermer (trocken-warmer) Kalkfelsen.

Bei der Laufkäferkartierung wurden insgesamt 17 Arten festgestellt, davon 6 Arten der Roten Liste Bayern. Der Erstbeleg für Deutschland von Trichus cf. Nigrinus, ursprünglich eine südosteuropäische Laufkäferart, spiegelt die Wichtigkeit von professionell durchgeführten Kartierungen wider.

Insgesamt haben die Untersuchungen gezeigt, dass jede Felspartie aufgrund unterschiedlicher Einflussfaktoren ihre lebensraumtypische Eigenheit besitzt, oftmals mit einer individuellen Flora und Fauna. Von den 4 kartierten Felspartien weisen drei Standorte aufgrund des kartierten Arteninventars einen deutlichen „Freiflächencharakter“ auf. Eine in einem nordwestlich exponierten Hang gelegene Felspartie unterschied sich deutlich. Die Situation dort ist dauerhaft feucht und kühl. Die Artenzusammensetzung zeugt von einer alten und relativ stabilen „Waldtradition“. Hier hätte eine Felsfreistellung fatale Auswirkungen auf die Artenvielfalt. 

Umsetzung

Nach Abschluss und Auswertung der Kartierarbeiten wurden die Felspartien mit dem Status „Freilandcharakter“ freigestellt durch Zurücknahme der vorhandenen Baum- und Strauchvegetation. Lediglich einzelne landschaftsprägende Bäume wurden auf der Fläche belassen.

Weiteres Vorgehen

Im Rahmen des auf mehrere Jahre ausgelegten Projekts werden die größeren Felspartien im Bereich des Forstbetriebs Kipfenberg untersucht und dann notwendige Pflegemaßnahmen umgesetzt, dies auch in bewährter Weise als Gemeinschaftsprojekt von Bayerischen Staatsforsten und Landesbund für Vogelschutz. Um allen Arten weitgehend gerecht zu werden und sie nicht durch Pflegemaßnahmen zu gefährden, sind entsprechend den Lebensräumen individuelle Entwicklungsziele festzulegen. Mit der Erstellung von Managementplänen soll die langfristige Besiedlung xerothermer Arten sichergestellt werden. Damit wird im Jura ein bedeutender Beitrag für den Natur- und Artenschutz geleistet.