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FFH-Gebiet Marzoller Au

FFH-Gebiet Marzoller Au

Die Marzoller Au ist Deutschlands südlichster, noch erhaltener Auwaldrest mit Tieflandcharakter. Sie liegt nördlich der Stadt Bad Reichenhall am Fluss Saalach. Als Refugium für bedrohte Auwaldarten stellt sie einen wichtigen ökologischen „Trittstein“ zwischen den Auen des Voralpenlandes und den Lebensräumen der Alpen dar. Aufgrund dieser Einzigartigkeit wurde dieses Kleinod als NATURA 2000 bzw. FFH Schutzgebiet erklärt. Weiterhin dient die Au den Bürgern der Stadt Bad Reichenhall als Naherholungsgebiet. Dafür wurde 2010 ein Naturerlebnispfad eröffnet, auf welchem sich der Besucher über die Bedeutung und die Besonderheiten des Auwaldes informieren kann.

Im 19. Jahrhundert wurde die Saalach, wie viele andere Flüsse, begradigt. Die damit einhergehende Erhöhung der Abflussgeschwindigkeit bewirkte einen vermehrten Abtransport von Gestein der Gewässersohle. Damit trat eine allmähliche Vertiefung des Flussbettes ein. Der Auenbereich wurde immer seltener überschwemmt und für den Auwald typische Lebensräume traten mehr und mehr zurück.

In den 1980er Jahren wurde das Problem erkannt und mit der Renaturierung begonnen. Da eine Rückführung der Saalach in eine natürliche Gewässerführung nicht mehr möglich war, wurden zufließende Bäche in dem Gebiet angestaut und in den Auwald geleitet. Dadurch gelang es zwar nicht, die natürliche Überflutungsdynamik durch jahreszeitliche Pegelschwankungen wieder herzustellen, jedoch wurde der Grundwasserspiegel angehoben und eine Vielzahl von ganzjährigen Feuchtbiotopen geschaffen. Durch die Maßnahme konnte sich ein naturnaher Auwald Lebensraum entwickeln. Zusätzlich wurden standortfremde Baumarten, wie Fichte und Hybrid-Pappel entnommen.

Die laufende Biotoppflege erfolgt durch den zuständigen Revierleiter in Form einer plenterwaldartigen Dauerwaldbewirtschaftung und dem Waldumbau von einem fichtendominierten Wald in einen Laubmischwald mit Bergahorn, Esche, Erle, Weide und Eiche. In Gewässernähe erfolgt mit Unterstützung durch Schulklassen ein Anlegen von Gehölzstreifen bzw. Hecken, die durch eine hohe Anzahl dornenbewehrter Sträucher ein wichtiger Lebensraum für bestimmte Vogelarten, z.B. Würger, sind. Erfolge des Naturschutzprojekts sind die Wiederansiedlung von Wasseramsel, Eisvogel, Biber und Fischotter. Eine Besonderheit ist der Eschenscheckenfalter, auch Kleiner Maivogel genannt, der auf junge Stadien der Eschen-Naturverjüngung spezialisiert ist.