Klimaangepasste Mischwälder mit hoher Baumartenvielfalt sind widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und können das Risiko großflächiger Waldbrände reduzieren. Foto: Bayerische Staatsforsten
10. August 2026, Regensburg – Die Zahl der Waldbrände in Deutschland und Europa sorgt in diesem Sommer vielerorts für Schlagzeilen. Für die Bayerischen Staatsforsten ist klar: Waldbrandschutz beginnt nicht erst, wenn Feuerwehren ausrücken. Er beginnt früher im Wald selbst – durch konsequenten Waldumbau und forstliches Management.
„Vielerorts in Europa brennen derzeit die Wälder. Auch auf Flächen der Bayerischen Staatsforsten gab es in den vergangenen Wochen mehrere Waldbrände. Im Vergleich zu den verheerenden Bränden in Teilen Südeuropas verliefen diese jedoch weitgehend glimpflich und konnten meist schnell unter Kontrolle gebracht werden“, sagt Olaf Hermes, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten.
Die Auswertung langfristiger Waldbrand- und Klimadaten der Bayerischen Staatsforsten zeigt: Nicht die Jahresmitteltemperatur allein bestimmt das Waldbrandgeschehen. Entscheidend sind vor allem längere Trockenphasen, die Anzahl der Hitzetage und menschliche Zündquellen.
So traten besonders viele Waldbrände in Jahren mit vergleichsweise geringen Niederschlagsmengen auf. Umgekehrt zeigen niederschlagsreiche Jahre, dass selbst hohe Durchschnittstemperaturen nicht automatisch zu vielen Waldbränden führen. Das Jahr 2024 war beispielsweise das wärmste Jahr der betrachteten Zeitreihe, gleichzeitig aber eines der niederschlagsreichsten und mit nur wenigen Waldbränden vergleichsweise unauffällig. Dagegen ist 2026 aufgrund der langen und intensiven Hitzeperioden ein sehr auffälliges Jahr. Immer wieder kam es zu kleineren Waldbränden und auch etwas größeren Ereignissen wie am Saurüsselkopf bei Ruhpolding.
Klimaanpassung ist zugleich Waldbrandschutz
Viele Maßnahmen des Waldumbaus dienen ursprünglich dazu, Wälder an den Klimawandel anzupassen. Gleichzeitig tragen sie damit aber auch dazu bei, die Gefahr großflächiger Waldbrände zu verringern.
Seit über vier Jahrzehnten werden in Bayerns Staatswälder anfällige Reinbestände schrittweise in strukturreiche Mischwälder umgebaut. Bei den BaySF wurden allein im vergangenen Jahr rund 7.500 Hektar Wald zu klimaangepassten Mischwäldern umgebaut.
„Laubbäume wie Buche, Ahorn oder Eiche speichern während der Vegetationszeit mehr Feuchtigkeit als viele Nadelbäume. Mischwälder sorgen dadurch häufig für ein kühleres und feuchteres Waldinnenklima. Gemischte und laubholzreiche Wälder sind weniger leicht entzündlich als reine Nadelwälder.“, erklärt Rudolf Plochmann, Vorstand der Bayerischen Staatsforsten und zuständig für Waldbau.
Aufgrund geeigneter waldbaulicher Maßnahmen und einer waldangepassten Jagd kann ein großer Teil des Umbaus durch Naturverjüngung realisiert werden. Einiges muss aber auch gepflanzt oder gesät werden. Rund 5,8 Millionen junge Bäume wurden im vergangenen Jahr gepflanzt, um die Wälder langfristig an veränderte Klimabedingungen anzupassen. Der Großteil davon waren heimische Laubbäume.
Auch die Waldstruktur hat neben ihrer stabilisierenden Wirkung einen Einfluss auf die geringere Waldbrandanfälligkeit der Wälder. Unterschiedliche Baumarten, Altersstufen und Bestandsschichten können die Ausbreitung von Feuer erschweren, indem sie die Windgeschwindigkeit herabsetzen und tragen zu einem ausgeglicheneren Waldklima bei. Ganz wichtig: in Wäldern, die bereits eine Vorausverjüngung oder eine Zwischenschicht haben, wächst kein Gras, welches bei hohen Temperaturen dürr werden und leicht entzündet werden kann. In den vergangenen 20 Jahren hat die Fläche mehrschichtiger Waldbestände im Staatswald um mehr als 100.000 Hektar zugenommen.
Ein weiteres Ziel der Staatsforsten auf dem Weg zum Klimawald ist der Wasserrückhalt im Wald. Mit einer kahlschlagfreien Bewirtschaftung wird auf den Humuserhalt bzw. eine Humusanreicherung hingearbeitet. Humusreiche Waldböden wirken wie natürliche Wasserspeicher. Zusätzlich legen die Försterinnen und Förster regelmäßig Feuchtbiotope und Waldtümpel an, die einerseits Wasser in der Landschaft halten und andererseits Lebensraum für viele Arten schaffen. Allein im vergangenen Jahr wurden rund 600 solcher Lebensräume neu geschaffen.
Wenn es dann doch brennt…
Wenn der Wald dann doch brennt, müssen alle zusammenhelfen und jeder tun, was er am besten kann. Die Feuerwehren und Einsatzkräfte tun alles dafür, um Waldbrände möglichst schnell unter Kontrolle zu bringen und zu löschen. Die Forstleute unterstützen hierbei durch ihre Ortskenntnis (Wo kann man fahren, wo nicht? Wo gibt es mögliche Wasserentnahmestellen?) und gelegentlich auch mit forstlichem Gerät. Dieses kommt zum Einsatz, wenn z.B. Brandschneisen geschlagen werden, um das Feuer an irgendeiner Linie aufzuhalten.
Der Mensch bleibt der wichtigste Einflussfaktor für Waldbrand
Trotz aller Vorsorgemaßnahmen gilt: Es gibt keinen Wald, der nicht brennen kann.
Die Auswertung der Brandursachen zeigt, dass die meisten Waldbrände auf menschliches Verhalten zurückzuführen sind. Dazu zählen unter anderem weggeworfene Zigaretten, unerlaubte Feuer, technische Defekte oder fahrlässiges Verhalten im Wald.
Der beste Waldbrandschutz ist eine Kombination aus widerstandsfähigen Wäldern und verantwortungsvollem Handeln.
Die Bayerischen Staatsforsten appellieren insbesondere in trockenen und heißen Phasen an Waldbesucherinnen und Waldbesucher:
• nicht im Wald zu rauchen,
• kein offenes Feuer zu entzünden,
• Fahrzeuge nicht auf trockenem Gras abzustellen,
• Absperrungen und Warnhinweise zu beachten.
Wälder schützen heißt Klima schützen und umgekehrt
Der Klimawandel erhöht vielerorts die Wahrscheinlichkeit längerer Trockenperioden und häufiger Hitzetage. Gleichzeitig sind intakte Wälder wichtige Verbündete beim Klimaschutz. Sie speichern Kohlenstoff, kühlen die Landschaft, schützen Böden und Wasserhaushalt und schaffen Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.
"Wer Wälder widerstandsfähig macht, stärkt gleichzeitig den Waldbrandschutz. Und wer Wälder schützt, schützt auch das Klima. Diese Zusammenhänge werden mit jedem trockenen Sommer immer deutlicher", fasst es Olaf Hermes zusammen.