Försterin bringt die Flechten aus

Försterin Linda Domnick bringt die Flechten per Hand aus. Anders geht es leider nicht, aber die Mühe lohnt sich! Foto: Bayerische Staatsforsten / Forstbetrieb Roding

2. November 2026, Forstbetrieb Roding – Wer an Rentiere denkt, hat meist die Tundra Skandinaviens vor Augen. Doch ihre wichtigste Nahrungsgrundlage, die sogenannte Rentierflechte, kommt auch in der Oberpfalz vor. Um diese selten gewordenen Lebensräume zu erhalten, haben der Forstbetrieb Roding der Bayerischen Staatsforsten und die Fachstelle Waldnaturschutz Oberpfalz am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg-Neumarkt ein gemeinsames Naturschutzprojekt umgesetzt.

 

Noch vor rund 50 Jahren waren Flechten-Kiefernwälder in Teilen der Oberpfalz weit verbreitet. Heute sind sie selten geworden. Von den einst großflächigen Vorkommen existieren bayernweit nur noch etwa 160 Hektar, davon rund 110 Hektar in der Oberpfalz. Viele dieser wertvollen Flächen liegen im Bodenwöhrer Becken und damit im Zuständigkeitsbereich des Forstbetriebs Roding.

 

Die besonderen Lebensräume entstanden ursprünglich durch die historische Streunutzung. Über Jahrhunderte hinweg wurden Nadeln und Laub als Einstreu und Dünger aus den Wäldern entnommen. Auf den nährstoffarmen Sandböden entwickelte sich dadurch ein Standort, auf dem nur hochspezialisierte Arten wie die Rentierflechte überleben konnten.

 

Um diese seltenen Waldgesellschaften zu erhalten, entwickelten die Fachstelle Waldnaturschutz und der Forstbetrieb Roding ein gemeinsames Konzept zur Wiederherstellung von Flechten-Kiefernwäldern. Auf ausgewählten Flächen werden vorhandene Flechten vorsichtig aufgenommen, bevor mit einem Kleinbagger Teile des nährstoffreichen Oberbodens und konkurrenzstarke Vegetation entfernt werden. Anschließend werden die Flechten wieder ausgebracht.

 

„Man ahmt die historische Streunutzung mit dem Bagger nach und schafft den perfekten Wuchsraum für die Rentierflechten“, erklärt Revierleiterin Linda Domnick. Die eigentliche Arbeit mit den Flechten erfolgt weiterhin von Hand. „Das ist zwar mühsam, hat sich aber bewährt“, ergänzt Aline Schwarz von der Fachstelle Waldnaturschutz.

 

Die Maßnahme dient nicht nur dem Schutz der Flechten. Auch seltene Tierarten wie der Ziegenmelker oder die Kreuzotter profitieren von den lichten und strukturreichen Kiefernwäldern. Insgesamt wurden die Arbeiten auf rund zehn Hektar Fläche umgesetzt. Dabei wurden jedoch nur kleine Teilbereiche bearbeitet, um die Eingriffe möglichst schonend zu gestalten.

 

Das Projekt gilt als vorbildliche Gemeinschaftsleistung. Beteiligt waren neben den Bayerischen Staatsforsten und der Fachstelle Waldnaturschutz auch das Wasserwirtschaftsamt, die Naturschutzbehörden, der Naturpark Oberpfälzer Wald sowie der Landschaftspflegeverband Landkreis Schwandorf. Die Umsetzung wurde durch Fördermittel der besonderen Gemeinwohlleistungen im Staatswald unterstützt.

 

In den kommenden Jahren soll ein Monitoring zeigen, wie erfolgreich sich die Flechten entwickeln. Die Verantwortlichen blicken optimistisch auf die Ergebnisse. Für sie steht fest: Kaum ein anderer Standort in Bayern bietet bessere Voraussetzungen für den langfristigen Erhalt dieser außergewöhnlichen Waldlebensräume.

Für die Wiederherstellung von Flechten-Kiefernwäldern werden Flechten per Hand gesichert und geeignete Wuchsflächen mit einem Kleinbagger vorbereitet.

Bei dem Projekt ahmen die Forstleute die historische Streunutzung mit dem Bagger nach und schaffen so den perfekten Wuchsraum für die Rentierflechten. Dazu werden ca. 10 % der 10 ha großen Flächen mit dem Bagger abgezogen. So ist der Eingriff nicht zu groß. Foto: Bayerische Staatsforsten / Forstbetrieb Roding