Oberammergau / Hohenpeißenberg – 13. Juli 2026. Der Forstbetrieb Oberammergau der Bayerischen Staatsforsten führt im Forstrevier Peiting eine Moorrenaturierungsmaßnahme im „Pürschwald“ durch. Das rund neun Hektar große Projektgebiet liegt im Landkreis Weilheim-Schongau, etwa zwei Kilometer nördlich von Hohenpeißenberg. Ziel der Maßnahme ist es, eine Niedermoorfläche wieder zu vernässen und ihre natürlichen Funktionen für den Klima-, Natur- und Hochwasserschutz dauerhaft zu stärken.
Von der Moorentwässerung zur Renaturierung
Die heutige Projektfläche war ursprünglich ein Niedermoor der ehemaligen Wielenbach-Aue. In den 1950er-Jahren wurde das Moor durch Entwässerungsgräben trockengelegt, um die Fläche forstwirtschaftlich nutzen zu können. Anschließend wurde ein Fichtenbestand begründet. Hierzu entstand ein Grabensystem zur Ableitung des Wassers, anschließend wurde die Fläche überwiegend mit Fichten aufgeforstet. Die Arbeiten dienten seinerzeit auch als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge.
Heute zeigt sich jedoch, dass die künstlich begründeten Fichtenbestände auf den nassen Moorstandorten nicht dauerhaft stabil und damit standortswidrig sind. Gleichzeitig haben intakte Moore als Lebensraum sowie für den Wasser- und Klimaschutz erheblich an Bedeutung gewonnen.
Durchführung in zwei Arbeitsschritten
Die Renaturierung erfolgt in zwei aufeinanderfolgenden Schritten.
Im ersten Schritt werden entlang der ehemaligen Entwässerungsgräben ausgewählte Fichtenbestände entnommen. Zwischen den bearbeiteten Streifen bleiben Waldflächen bewusst erhalten. Im östlichen Teil des Projektgebiets werden Fichten entnommen, während standortgerechte Erlen sowie ökologisch wertvolle Biotopbäume gezielt gefördert werden.
Im zweiten Schritt werden die ehemaligen Entwässerungsgräben mit Stauwerken verschlossen. An zuvor festgelegten Standorten werden mit einem Bagger Bretter in den Boden gedrückt und die Holzspundwand anschließend mit vorhandenem Torf abgedichtet. Dadurch wird der Wasserabfluss deutlich reduziert. Das Niedermoor kann sich wieder vernässen und langfristig zu einem naturnäheren Zustand zurückentwickeln.
Besondere Herausforderungen bei der Umsetzung
Die Arbeiten finden auf sehr empfindlichem, bereits stellenweise vernässten Moorböden statt. Um Bodenschäden zu vermeiden, setzen die Bayerischen Staatsforsten auf eine besonders schonende Arbeitsweise. Dazu werden sogenannte Reisigmatratzen angelegt, auf denen die Maschinen fahren können. Zudem werden die Rückewege kurzgehalten. Für den Grabenverschluss wird ein Bagger mit geringem Bodendruck eingesetzt. Bei ungünstigen Witterungs- oder Bodenverhältnissen können die Arbeiten vorübergehend ausgesetzt werden.
Mehr Natur-, Klima- und Hochwasserschutz
„Mit der Renaturierung wird ein wichtiger Beitrag zum Erhalt wertvoller Moorlebensräume geleistet. Wiedervernässte Moore schaffen Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und verbessern den natürlichen Wasserrückhalt in der Landschaft. Darüber hinaus tragen intakte Moore zum Klimaschutz bei, da sie Kohlenstoff langfristig im Torfkörper speichern.“, so Quirin Neuner, stellvertretender Forstbetriebsleiter am Forstbetrieb Oberammergau.
Für die Bayerischen Staatsforsten stellt die Maßnahme deshalb einen wichtigen Schritt dar, um eine historisch bedingte Entwässerung rückgängig zu machen und die natürliche Entwicklung des Standorts wieder zu fördern.