Mai 2026, Neureichenau/Schnellenzipf – Moore besitzen in der Waldhufenlandschaft zwischen Philippsreut und Haidmühle eine herausragende ökologische Bedeutung. Besonders lichte, von Birken geprägte Moorwälder prägen hier das Landschaftsbild und bieten wertvollen Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Um dieses sensible Ökosystem langfristig zu sichern, wurde bei Schnellenzipf ein Birkenmoor erfolgreich renaturiert – in enger Zusammenarbeit zwischen dem Forstbetrieb Neureichenau und der Fachstelle Waldnaturschutz Niederbayern.
Die Moorfläche “Zassau” liegt im FFH Gebiet Bischofsreuter Waldhufen und ist Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes Natura 2000. Bereits seit der Besiedlung der Waldhufenlandschaft im Mittelalter wurden die Moore entwässert, um Flächen für Waldnutzung, Weidewirtschaft und teilweise Torfgewinnung nutzbar zu machen. Entwässerungsgräben sollten die meist nassen Standorte zugänglicher machen und das Wachstum wirtschaftlich interessanter Baumarten fördern. Diese Eingriffe führten jedoch langfristig zu einer Absenkung des Wasserstandes und zu Veränderungen der natürlichen Vegetation. Mit der Renaturierung des Birkenmoores “Zassau” soll der natürliche Wasserhaushalt und damit die Basis für eine typische Moorvegetation mit all ihrer Artenvielfalt wiederhergestellt werden.
Ernst Lohberger von der Fachstelle Waldnaturschutz Niederbayern, der bereits bei der entsprechenden Natura 2000-Managementplanung den Waldteil bearbeitet hat, erkannte früh das ökologische Potenzial des Standortes. Die Umsetzung der Renaturierung war anspruchsvoll. Bereits im vergangenen Jahr wurden sämtliche Fichten auf der Moorfläche entnommen. Dabei war ein besonders behutsames Vorgehen notwendig, um den empfindlichen Moorboden nicht zu schädigen. Auch beim Verschluss der Entwässerungsgräben im März 2026 kam Spezialtechnik zum Einsatz. Für die Arbeiten mussten geeignete Witterungsbedingungen abgewartet werden.
„Oft gibt es nur kurze Zeitfenster von wenigen Tagen, in denen solche Arbeiten möglich sind“, erklärt Josef Kittl, Revierleiter am Forstbetrieb Neureichenau. Er betont zugleich die Bedeutung der engen Zusammenarbeit: „Damit Naturschutzprojekte gelingen, müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen und ihr Fachwissen einbringen. Nur so können die Maßnahmen wirksam umgesetzt werden.“
Ein weiterer Schritt ist bereits geplant: Im Herbst sollen Stecklinge der seltenen und ökologisch wertvollen Lorbeerweide eingebracht werden. Diese Pflanzenart kommt im Bayerischen Wald ausschließlich in Moorlebensräumen vor und soll künftig zur weiteren Stabilisierung des Ökosystems beitragen.
Birkenmoore zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Region. Hier finden sich zahlreiche seltene und gefährdete Arten wie Kreuzotter, Birkhuhn, Braunkehlchen, Bekassine und die Wald Birkenmaus. Auch hoch spezialisierte Insekten, darunter der Hochmoorgelbling, der Hochmoor Perlmutterfalter und der stark gefährdete Hochmoorlaufkäfer, sind in diesen Lebensräumen heimisch. Mit der Wiederherstellung des Birkenmoores “Zassau” wird der bestehende Moorkomplex rund um den Schnellenzipf nicht nur erweitert, sondern auch besser vernetzt. So entstehen neue, zusammenhängende Lebensräume, die künftig von typischen Moorarten besiedelt werden können.
Die Bayerischen Staatsforsten verfolgen mit der Moorrenaturierung das Ziel, geschädigte Moore wieder als lebendige Ökosysteme zu entwickeln. Durch die Wiedervernässung sollen große Mengen an klimaschädlichem CO₂ eingespart, seltene Tier- und Pflanzenarten geschützt und der natürliche Wasserhaushalt wiederhergestellt werden. Gleichzeitig dient die Moorrenaturierung dem langfristigen Erhalt wertvoller Lebensräume im Staatswald und ist ein zentraler Baustein für Klima‑, Natur‑ und Artenschutz in Bayern.
Moore stärken die Artenvielfalt und sind gut für unser Klima! Nun ist ein weiteres Birkenmoor im Bayerischen Wald auf der Fläche des Forstbetriebs Neureichenau wieder intakt.