28. Oktober 2026, Nürnberg – Seit vier Jahrzehnten war das Forstrevier Buckenhof des Forstbetriebs Nürnberg der Bayerischen Staatsforsten fix mit dem Namen Hubert Schorer verknüpft: Während sich anderswo ein reger Wechsel auf den Revieren einstellte, blieb Schorer seinem Wald im Osten von Erlangen treu und sorgte für Stabilität und Kontinuität. 

 

Wenn der langjährige Revierleiter nun im Oktober in den Ruhestand geht, verlässt nicht nur ein Förster den Forstbetrieb Nürnberg. Es endet auch ein Stück gelebte Forstgeschichte. Oder, wie es der 66-Jährige selbst mit einem Schmunzeln formuliert: „Ich bin der letzte Mohikaner.“

 

Dass er Förster werden würde, war eigentlich früh angelegt. „Ich bin familiär vorbelastet“, sagt Schorer. Sein Vater war Forstdirektor, die Ferienarbeit führte den Sohn regelmäßig in den Wald. Dort gefiel es ihm so gut, dass aus einer frühen Neigung ein Berufswunsch wurde. Schon auf der Fachoberschule wählte er den Forstzweig, anschließend folgte das Studium in Weihenstephan. Eine Laufbahn im Büro reizte ihn nie besonders. „Mein Vater wollte lieber in den Wald und nicht ins Büro. Und ich habe mich bewusst für die Revierleiterlaufbahn entschieden.“

 

Vor seinem Einstieg ins Berufsleben prägte ihn jedoch noch eine ganz andere Erfahrung. Während des Zivildienstes in der Kranken- und Altenpflege erlebte er schwere Schicksale und menschliche Not. „Da siehst du viel Elend und weißt deine privilegierte Stellung leicht wieder zu schätzen“, erinnert er sich. 

 

Als Schorer 1986 nach Buckenhof kam, waren die Bedingungen deutlich rustikaler als heute. Das Forsthaus war noch nicht renoviert, in jedem Zimmer stand ein Ölofen. „Zum 1. Januar 1990 war dann alles fertig renoviert – und seitdem hocke ich da“, grinst er.

 

Mit dem Unterbauprogramm ging es los

 

Die ersten Berufsjahre waren geprägt vom großen Reichswald-Unterbauprogramm. In einer Zeit, als die Zukunft der von Kiefern dominierten Bestände intensiv diskutiert wurde, wurden gewaltige Mengen gepflanzt. „Da war es nicht unüblich, im Herbst 150.000 und im Frühjahr noch einmal 120.000 Pflanzen in die Erde zu bringen.“ Nicht alles gelang. Manche Kulturen verschwanden wieder, Eichen wurden verbissen oder überwachsen. Andere Entwicklungen brauchen bis heute Geduld. „Damals hieß es bei den vielen Unterbauten: Das dauert zehn Jahre, bis die aus dem Beerkraut rausschauen. So war es dann auch.“

 

Insgesamt blickt Schorer mit Zufriedenheit auf diese Jahrzehnte zurück. „Das Unterbauprogramm war Gold wert.“ Heute könne man vielerorts Bäume entnehmen und finde darunter bereits die nächste Waldgeneration. Gerade angesichts von Klimawandel und Waldumbau sei das ein beruhigendes Gefühl.

 

Zu den besonderen Erinnerungen zählen auch die Zeiten, als große Teile des Reviers noch militärisch genutzt wurden. Schießlärm gehörte zum Alltag. Wenn die amerikanischen Streitkräfte einmal mehrere Tage nicht übten, nutzte man die Gelegenheit zur Holzernte. Nicht immer verlief das planmäßig. „Einmal waren wir mit einem Trupp drin, da ging das Geballer auf einmal los. Da schaust ganz schön blöd“, sagt Schorer und lacht.

 

Mit der Forstreform veränderten sich später Strukturen und Zuständigkeiten. Schorer musste sich – wie damals üblich - erneut auf sein Revier bewerben, bekam aber ohne Umschweif den Zuschlag. Parallel entdeckte er eine weitere Aufgabe für sich: die Ausbildung des Nachwuchses. Als Ausbildungsbeamter begleitete er Anwärterinnen, Anwärter und Praktikanten. Die unterschiedlichen Charaktere beobachtete er stets mit einem Augenzwinkern: „Manche sind dir nur nachgelaufen, denen musste man alles erklären. Andere hast du kaum gesehen, weil sie eigenständig überall unterwegs waren und angepackt haben.“

 

„Man sieht einen Sinn in der Sache“

 

Was macht nach 40 Jahren den Reiz dieses Berufs aus? Schorer muss nicht lange überlegen. „Es ist ein schöner Beruf. Man arbeitet selbstständig und sieht einen Sinn in der Sache. Man hat nicht einfach nur Stunden abgeschwartet.“ Vielleicht erklärt genau das, warum ihm der Abschied zwar leichtfällt, aber nicht gleichgültig ist.

 

Ganz ohne Pläne geht der neue Ruheständler nicht. Gemeinsam mit seiner Frau stehen Fernreisen auf dem Programm. Thailand, Sri Lanka und viele weitere Ziele warten bereits. Die Lust aufs Unterwegssein begleitet ihn schon sein ganzes Leben. „Reisen wollte ich eigentlich immer. Darauf freue ich mich jetzt.“

 

Mit Lorenz Seibold übernimmt nun ein junger Förster, der in vielem an seinen Vorgänger erinnert. Auch er entdeckte seine Leidenschaft früh. Aufgewachsen im ländlichen Guttenburg, mit eigenem Wald und Brennholzarbeit gemeinsam mit dem Vater, war der Weg in die Forstwirtschaft für den 2001 geborenen Seibold naheliegend. Nach dem Studium des Forstingenieurwesens in Freising, Stationen in Lohr und ab 2024 beim Forstbetrieb Ebrach führte ihn die Bewerbung schließlich nach Buckenhof. Dass die Entscheidung ausgerechnet auf dieses Revier fiel, hat auch mit Schorers Geschichte zu tun. „Ich habe mehrere Revierleiter angerufen und mich über die zukünftige Arbeitsstätte intensiv ausgetauscht. Die Geschichte vom Hubert hat mir am besten gefallen“, sagt Seibold schmunzelnd. 

 

Die langfristige Perspektive reizt

 

Besonders reizvoll findet er die Mischung aus Erholung, Naturschutz und den Besonderheiten rund um den ehemaligen Truppenübungsplatz. Vor allem aber reizt ihn die langfristige Perspektive: „Mein Ziel ist schon, es wie der Hubert zu machen und meine erste und gleichzeitig letzte Revierstelle anzutreten.“ Der Wald, sagt Seibold, bleibe über Generationen bestehen und entwickle sich langsam. Genau das fasziniere ihn. „Ich möchte gerne mein ganzes forstliches Leben ein Revier prägen.“ Es ist ein Satz, der gut zu Buckenhof passt. Und vielleicht beginnt damit gerade die Geschichte des nächsten „Mohikaners“.

 

Forstbetriebsleiter Johannes Wurm lobt ausdrücklich die Lebensleistung von Hubert Schorer: „Er hat es verstanden, in einem nicht immer einfachen forstlichen Umfeld mit großen Herausforderungen, wie dem Truppenübungsplatz oder später der Munitionsbelastung, alle Waldnutzerinnen und Waldnutzer abzuholen und um Verständnis zu werben. Wir werden seine langjährige Erfahrung, aber auch seinen manchmal spitzbübischen Humor am Forstbetrieb Nürnberg sehr vermissen.“ 

 

Umso mehr freue es ihn, dass Reviernachfolger Lorenz Seibold bereits Interesse an einem langfristigen Engagement in Buckenhof signalisiert habe, so Wurm: „Mit Lorenz Seibold tritt ein sehr umgänglicher und nahbarer junger Kollege in die Fußstapfen, der auch fachlich topp qualifiziert ist. Ich bin sehr optimistisch, dass er die Herausforderungen gut meistern wird. Eine Bereicherung für den Forstbetrieb ist er schon jetzt.“

Hubert Schorer und Lorenz Seibold

Hubert Schorer (li,) verabschiedet sich nach 40 Dienstjahren aus dem Revier Buckenhof, zu dem auch die Brucker Lache bei Tennenlohe gehört. Ihm folgt Lorenz Seibold nach. Foto: Sebastian Linstädt, BaySF

Revierübergabe am Teufelstisch

Revierübergabe am "Teufelstisch" im Tennenloher Forst. Foto: Sebastian Linstädt, BaySF