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Bergab, jede Steigung

Holzschlitten Tradition
Forstwirte verschiedener Generationen halten die Tradition des winterlichen Holzrückens am Forstbetrieb Berchtesgaden aufrecht. Beim sog. „Winterzug“ rücken sie mit Schlitten und Pferd das Holz aus dem Wald. Bild: Wolfgang Gasser

Traditionelle Holzschlitten: Vom Transportmittel zum Freizeitvergnügen

Die Fahrt wird immer rasanter. Die weiß gezuckerten Bäume rasen schneller und schneller an mir vorbei. Soll ich bremsen? Ach was, ich habe alles unter Kontrolle. Der Schnee weht mir in die Augen und nimmt mir fast die Sicht. Ich umklammere immer fester die Hörner meines Gefährts. Es liegt gut auf dem Schnee. Noch diese eine Kurve, dann habe ich es geschafft. Langsam tauche ich meinen Schuh in den Schnee und gleite nach rechts. Jetzt nur keine Bodenwelle erwischen. Geschafft – ich bin im Ziel.

Wenn es schneit und der Schnee auch endlich liegen bleibt, dann lassen sie nicht lange auf sich warten: Sowohl Kinder als auch Erwachsene holen ihre Schlitten aus den Kellern und stürzen sich auf Wegen und Hängen ins Rodelvergnügen. Schlittenfahren gehört wohl zu den beliebtesten Aktivitäten im Winter. Weil es so einfach ist, weil es so viel Spaß macht. Vorausgesetzt: Man hat einen stabilen Schlitten und gut gewachste Kufen. Aber dieser heute so sorglose Freizeitspaß war früher Teil einer harten und gefährlichen Tätigkeit.

Der Ursprung des Schlittenspaßes: Gefährliche Holz- und Heu-Transporte

Schlitten waren früher in den schneereichen Gebieten wie den Alpen vor allem als Transportmittel von großer Bedeutung. Sie wurden für Heufuhren oder zum Transport von geschlagenem Holz ins Tal oder zu den Höfen eingesetzt. Diese sogenannten Hornschlitten haben ihren Namen von den vorn nach oben verlängerten Kufen, die zum Lenken und Schieben des Schlittens und als Haltegriffe gedient haben. Diese oft waghalsigen Fahrten waren eine der gefährlichsten Arbeiten des früheren Bergbauernlebens mit hoher Unfall- und Todesrate. Die Schlitten wurden aufgrund des mühseligen Winteraufstiegs mit dem schweren Gerät so schwer wie möglich beladen und wogen bei den Abfahrten oft mehr als eine Tonne. Die Fahrt glich einem Höllenritt, denn gut lenken ließen sich die Schlitten selten (siehe dazu auch Wikipedia). Nur gut, dass heutzutage Holz deutlich gefahrloser aus dem Wald transportiert werden kann.

Traditionshandwerk: Der Schlitten aus Holz

Die Zeiten in denen Holz mit Schlitten befördert wurden, gehören in Deutschland der Vergangenheit an. Allerdings gibt es heute noch aktive Vereine für Hornschlittenrennen, auch eine Europameisterschaft wird ausgetragen. Viele Holzschlitten, auf denen Kinder die Hänge heruntergleiten, haben genau in diesen Transportschlitten ihren Ursprung. Oft sind sie allerdings nicht mehr handgefertigt, sondern Massenprodukte aus dem Baumarkt. Aber es gibt sie noch, die traditionellen Rodelbauer, die in Handarbeit und geübtem Umgang mit Holz Einzelanfertigungen nach Kundenwünschen herstellen. In so genannten Wagnereien werden die Qualitätsschlitten aus heimischen Hölzern gefertigt, ohne Leim und Schrauben, sondern aus krumm gewachsenem Buchen-, Eschen- oder Ahornholz. Einer der traditionellen Rodelbauer ist Meister Finkel aus dem Oberallgäu. Er fertigt in der vierten Generation hölzerne Schlitten an. Um die 30 pro Saison – sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Wie er mit Hobel, Säge, „Igel“, Hammer und Stechbeitel arbeitet, können Sie ausführlich in der Heimatzeitung nachlesen.

Ein beliebter Klassiker: Schlitten aus Holz

Heutzutage gibt es Schlitten in allen Farben, Formen und Materialien. Ob Lenk-, Kunststoff- oder Aluschlitten, mit oder ohne Lehne, ob aufblas- oder zusammenklappbar – hier muss jeder für sich selbst entscheiden, welches Gefährt am besten zu einem passt. Holzschlitten sind ein Klassiker, die sich weiterhin allgemeiner Beliebtheit erfreuen. Knapp 40 Prozent der Rodler, so schätzt man, gleiten mit diesen Schlitten gen Tal. Ihre Vorteile liegen auf der – oder bei Hörnerschlitten sprichwörtlich in der - Hand. An den gewundenen Hörnern können sich selbst kleine Kinder schon gut festhalten. Zudem sind diese Schlitten sehr robust, lassen sich gut lenken und gehen nicht so leicht kaputt. Denn seien wir ehrlich: Den einen oder andere Abwurf pro Saison gibt es doch immer. Es muss nur ein Stein, eine Bodenwelle oder ein vereister Maulwurfhügel im Weg sein und schon hebt man sanft ab und landet meist unsanft auf oder neben dem Gefährt. Auf was Sie alles achten sollten, um die Wahrscheinlichkeit von Rodelunfällen zu minimieren, können Sie bspw. hier nachlesen.

Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass der Schnee nochmal wiederkommt. Denn es hilft der beste Holzschlitten nichts, wenn das Wetter nicht mitspielt und statt weißer Flocken grauer Nieselregen auf die Hänge herabgeht.