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Unser Klimawald von morgen

Die moderne Holzerntemaschine mit Baumhalter in Akion. (Foto: BaySf)

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Geschädigte Buchen im Hessenreuther Wald. (Foto: BaySF)

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Auch die Buchen leiden unter der Trockenheit, Waldumbau zum Klimawald: gemischt, strukturiert und artenreich

Presseinformation des Forstbetriebs Schnaittenbach

12. Oktober 2019, Schnaittenbach -Die Trockenheit der vergangenen zwei Sommer macht nicht vor der Oberpfalz halt und auch nicht vor der wichtigsten Laubbaumart in Bayern, der Buche. War bislang vor allem die Fichte anfällig gegenüber langanhaltenden Trockenperioden so weisen nun auch Laubbaumarten, allen voran die Buche, zunehmend Dürreschäden auf. Im nördlichsten Teil des Forstbetriebs Schnaittenbach im Hessenreuther Wald verloren seit Juni vor allem alte Buchen massiv an Blättern und starben in der Folgezeit ganz ab. Der Forstbetrieb hat sich daher entschieden die geschädigten und abgestorbenen Buchen nun zu ernten und das aus mehreren Gründen: Entlang der häufigen Wanderwege und Langlaufloipen zum Schutz der Waldbesucher, die durch herabstürzende dürre Äst ernsthaft verletzt werden könnten, um der nachwachsenden Baumgeneration Platz und Licht zur Entfaltung zu geben und natürlich auch, um das hochwertige Holz der Buchen zu nutzen bevor dieses durch die sogenannte Weißfäule unverwertbar wird.

Der Klimawald von morgen steht schon in den Startlöchern
Das Absterben der Altbuchen bedeutet im Hessenreuther Wald aber nicht das Ende des Waldes. Die nächste Waldgeneration steht schon bereit. Da niemand genau weiß, welches Klima uns in Zukunft erwartet, setzt der Forstbetrieb in der Verjüngung auf einen Baumartenmix und damit auf mehr Vielfalt. So sollen künftig den Klimawald neben der Buche, die Fichte, die Tanne, die Douglasie und auch die Lärche bilden. Dabei werden nur die Baumarten gepflanzt, die sich nicht natürlich einstellen, wie etwa die Tanne. Bereits in den letzten Jahren wurden allein im Hessenreuther Wald 14.000 junge Tannen gepflanzt. Auch werden konkurrenzschwächere Baumarten wie die Lärche durch händische Pflegemaßnahmen gefördert, damit diese nicht verdrängt werden. So wird das Klimarisiko breiter gestreut bzw. auf unterschiedliche Baumschultern verteilt wird.

Moderne Technik schützt Wald und Mensch
Holzernte von geschädigten Laubbäumen stellt den Forstbetrieb vor besondere Herausforderungen, denn sie ist gefährlich. Dürre Äste können aus den Kronen brechen und die Waldarbeiter verletzten, aus diesem Grund hat sich der zuständige Revierleiter Hans Frisch für eine moderne Holzerntemaschine, den so genannten Harvester, entschieden. „Wir setzen auf den Einsatz eines ganz modernen Harvesters mit sogenannter Baumhaltertechnik, damit schonen wir unsere Waldarbeiter und auch den nachwachsenden Wald, da die Maschine in der Lage ist die Bäume im Ganzen aus dem Wald zu heben,/2erklärt der Hessenreuther Staatsförster. Die jungen Buchen, Tannen, Eichen und Lärchen würden so nicht durch umfallenden Bäume umgebrochen oder -geknickt.

Das so geerntete Holz ist nicht nur ein hochwertiger Rohstoff etwa für die Möbelindustrie, sondern speichert langfristig das CO2, das es der Luft beim Wachstum entzogen hat. Holznutzung und -verwendung ist damit ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Klimawandel. „Der Wald ist Opfer des Klimawandels und Held im Kampf gegen den Klimawandel zugleich,“ erklärt Bahnmüller. „Er leidet unter den höheren Temperaturen und den geringeren Niederschlägen, wird der Wald aber bewirtschaftet und das immer wieder nachwachsende Holz genutzt, wird das darin enthaltene CO2 langfristig gebunden. Die Waldnutzung ist damit ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel,“ so der Betriebsleiter weiter.

Tier- und Artenschutz wichtiger Aspekt im Klimawald
Beim Waldumbau schaut der Forstbetrieb Schnaittenbach aber nicht nur auf die nächste Baumgeneration, sondern auch die Belange des Natur- und Artenschutzes spielen eine bedeutende Rolle. Alte Buche, mit Baumhöhlen für höhlenbrütende Vogelarten wie den Schwarzspecht oder auch für die Haselmaus, so genannte Biotopbäume bleiben grundsätzlich stehen. Ganze Gruppen von absterbenden Buchen, die keine Gefahr für Waldbesucher oder Waldarbeiter darstellen, verbleiben ebenfalls als Biotopholz im Wald. Sie werden totholzbewohnenden Insekten wie beispielsweise Bock- oder Prachtkäfer als Lebensraum dienen. Bei Biotopbäumen die eine Gefahr für Erholungssuchende darstellen versucht der Forstbetrieb nur die Krone abzuschneiden, um so das Gefahrenpotenzial auszuschalten. „Eine große Tier- und Artenvielfalt ist uns wichtig,“ hebt der Leiter des Forstbetriebs Schnaittenbach, Philipp Bahnmüller, hervor. „Wir möchten wo mögliche alle Biotopbäume erhalten, die Harvestertechnik ermöglicht uns, nur die Krone zu fällen und den Stamm stehen zu lassen. So wird niemand gefährdet und die Baumhöhlen bleiben erhalten,“ erklärt Förster Bahnmüller weiter.

Hintergrundinfos Hessenreuther Wald
Im Hessenreuther Wald bewirtschaften die Bayerischen Staatsforsten rund 4000 ha Staatswald, davon sind gut 1000 ha Buchen- und Buchenmischwälder. In „Normaljahren“ werden auf dieser Fläche rund 20 000 m3 Holz nachhaltig geerntet, 2000 m3 davon sind Buchenholz. Die Hälfte des Buchenholzes geht dabei zu Kunden in der Möbelindustrie und damit in eine hochwertige und andauernde Verwendung. Der Rest wird als Industrie- und Brennholz verwertet. Aktuell sind von unseren 1000 ha Buchenbeständen ungefähr 200 ha massiv und weitere 200 ha nennenswert geschädigt.