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Neue Baumarten für den Sulzschneider Wald

Azubi Luca Cammann beim Pflanzen einer kleinen Tanne (Foto: Wolfgang Lerner)

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Bündel junger Pflanzen warten darauf, von den Waldarbeitern am richtigen Ort gepflanzt zu werden (Foto: Johannes Nachbar)

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Klimatolerante Baumarten sollen dem Klimawandel trotzen

April 2022, Sulzschneider Wald/Sonthofen - Die Frühjahrspflanzungen am Forstbetrieb Sonthofen sind bereits in vollem Gange. Förster, Waldarbeiter und Unternehmer ergänzen die staatlichen Wälder rund um den Auerberg um zahlreiche neue Bäume. Neben alten Bekannten wie Tanne oder Schwarzerle sind auch einige Raritäten unter den rund achttausend Bäumen, die dieses Frühjahr im Revier Sulzschneider Wald gepflanzt werden. 

Die Baumartenwahl und ihre Mischung sind entscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Waldes. In jedem Waldbestand der Bayerischen Staatsforsten werden deshalb nach Möglichkeit mindestens vier Baumarten künftig vielfältige, gemischte und gestufte Wälder bilden. Heimische Baumarten wie die Schwarzerle, die Fichte oder die Tanne machen den Löwenanteil unter den neu gepflanzten Baumarten aus. Wo es vom Standort her passt, werden diese mit weiteren, bisher in der Region selteneren Baumarten wie Eiche und Douglasie ergänzt. „Wir pflanzen verschiedenste Baumarten, die nicht nur dem Klimawandel standhalten sollen, sondern auch eine Vielfalt an Lebensräumen bilden“, erklärt Forstbetriebsleiter Jann Oetting. Allein auf eine einzelne Baumart zu setzen, wäre ihm angesichts der Klimaveränderungen zu gefährlich. Es gibt im Klimawandel unberechenbare Aspekte. Neben Trockenperioden können auch Schädlinge quasi wie aus dem Nichts heraus problematisch werden. „Die Mischung ist entscheidend. Wenn in unseren Beständen eine Baumart ausfällt, übernehmen die anderen Baumarten“, so Oetting.

Welche Baumarten in welchem Waldgebiet gepflanzt werden, ist stark vom Standort und den vorhandenen Bäumen abhängig. Ziel der Staatsforsten ist es jedoch, auch seltenere heimische Laubbaumarten einzubringen, wie zum Beispiel die Eiche: Sie eignet sich besonders für die Stabilisierung der Wälder. Die Eiche, hat ein intensives Wurzelwachstum und kann daher auf instabilen Böden bestehen. „Das Problem bei der Eiche ist, dass sie leicht von Nassschnee niedergedrückt und gebrochen werden kann. Das liegt daran, dass sie ihr trockenes Laub erst sehr spät verliert. Das ist im südlichen Alpenvorland eine Gefahr, wir pflanzen die Eiche daher hauptsächlich zur Anreicherung und als zukünftige Samenbäume“ erklärt Oetting. Anders ist das bei der Tanne, von denen im Sulzscheider Wald heuer fast siebentausend Stück gepflanzt werden: „Mit ihrer Pfahlwurzel ist sie als Nadelbaumart der Fichte im Klimawandel überlegen. Sie ist nicht nur stabiler bei Stürmen, sondern kann auch Wasservorräte in größeren Tiefen erreichen,“ so Oetting.

Mit dem bisherigen Verlauf der Pflanzungen in diesem Frühjahr ist er sehr zufrieden: „Wir sind absolut im Plan, jedoch macht uns das Wetter sorgen.“ Damit die Pflanzen gut anwachsen, wünscht er sich für die nächsten Wochen, was außer Försterinnen und Förster niemand haben will: Ein nasses und kühles Frühjahr.