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Gemeinsam gegen den Borkenkäfer

Oberbayerische Unterstützung im gemeinsamen Kampf gegen den Borkenkäfer: Die Forstwirte Richard Kröll (links) und Sebastian Staber (rechts) helfen Revierleiterin Veronika Thiel bei der Suche nach befallenen Bäumen (Foto: BaySF).

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26. August 2020, Rothenkirchen - Die Waldbesitzer in Nordbayern stehen im dritten Jahr hintereinander im Kampf gegen den Borkenkäfer. Ein Sieg kann dabei nur gemeinsam gelingen. Und mit Unterstützung und Solidarität auch über die eigene Region hinaus. Aktuell freuen sich die Förster des Forstbetriebes Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten über viele helfende Hände aus ganz Bayern.

Nirgendwo in Bayern ist gegenwärtig die Bedrohung der Wälder durch den Borkenkäfer greifbarer als im nördlichen Oberfranken. Zwei Hitzesommer hintereinander haben die Wälder derart geschwächt, dass die Schädlinge leichtes Spiel haben. Nur die schnelle Beseitigung der befallenen Bäume kann ihre weitere Ausbreitung stoppen - eine Arbeit für Profis. „Zum Glück haben wir eine schlagkräftige Mannschaft aus erfahrenen Forstwirten“, sagt Veronika Thiel, Revierleiterin des Forstreviers Klosterlangheim. „Und zusätzlich erleben wir eine große Solidarität unserer Kollegen aus ganz Bayern. Viele Forstbetriebe schicken uns jetzt Mitarbeiter, die dann sofort einsatzbereit sind.“

Geholfen habe dabei, dass die Bayerischen Staatsforsten auch in den kommenden Wochen bayernweit nur wenig frisches Nadelholz einschlagen, um den Holzmarkt für alle Waldbesitzer zu entlasten und den Abfluss der Käferhölzer zu beschleunigen. „Gleichzeitig haben die Kollegen aufgrund der Niederschläge in diesem Jahr woanders deutlich geringere Probleme mit dem Käfer als wir.“ Selbst aus den Alpen kommt Unterstützung: Der Forstbetrieb Schliersee hat zwei Spezialisten geschickt, die sich mit anspruchsvoller Technik in unbekanntem Terrain auskennen. Die Forstwirte Richard Kröll und Sebastian Staber sind normalerweise in der „Forstinventur“, die im Staatswald alle zehn Jahre die wichtigsten Walddaten aufnimmt, beschäftigt. Dabei werden sie mit ihren digitalen Aufnahmegeräten in allen südbayerischen Forstbetrieben der Bayerischen Staatsforsten eingesetzt. „Da bekommt man viel von Bayern zu sehen“, sagt der gebürtige Tiroler Richard Kröll. Deshalb mache ihm gerade diese Arbeit großen Spaß. Mit dem aktuellen Einsatz in den Wäldern am Obermain können beide, die früher auch in den höchsten Gebirgslagen in der Lawinenverbauung tätig waren, ihren reichhaltigen Erfahrungsschatz jetzt noch einmal erweitern.

Veronika Thiel setzt die Forstwirte nämlich gezielt zur „Käfersuche“ in ihrem Revier ein. Dabei müssen sie gefundenen frischen Befall über eine Spezial-App auf dem Handy erfassen, wobei neben der Lage des „Käfernestes“ und der Holzmenge gleich die effektivste Aufarbeitungsvariante festgelegt wird. Diese Daten gehen an die Revierleiterin, die sie unmittelbar an die Forstunternehmer mit Spezialmaschinen oder das eigene Aufarbeitungsteam weitergibt. „Damit wird die Technik immer speziell an den Einsatz angepasst, was viele gefährliche Situationen entschärft“, sagt Veronika Thiel. „Und man kann das notwendige Tempo bei der Aufarbeitung und Abfuhr der Schadhölzer aufrechterhalten.“ Nur so könne man die klar formulierte Botschaft der Bayerischen Staatsforsten „Wir geben keinen Quadratmeter auf“ umsetzen.

Während ihrer Zeit im Forstrevier Klosterlangheim sind die zwei oberbayerischen Forstwirte in einer Pension in Oberlangheim untergebracht, lernen also nicht nur die fränkischen Wälder, sondern auch die fränkische Lebensart kennen. Ob sie den Einsatz fern der Heimat bedauern? „Überhaupt nicht“, sagt Sebastian Staber. „Wenn Not am Mann ist, helfen wir gerne.“