Vorstand Rudolf Plochmann (mi) zusammen mit Stefan Bösl (li) und Stefan Wimberger. (Foto: Anna Meindl)
Nach über vierzig Jahren im Forstdienst verabschiedet sich Forstbetriebsleiter Stefan Bösl Anfang April in den Ruhestand. Im Rahmen einer Feierstunde in der Stadthalle Vohenstrauß wurde er offiziell verabschiedet und sein Nachfolger Stefan Wimberger vorgestellt.
„Mit Stefan Bösl verabschiedet sich ein Förster mit Leib und Seele in den wohlverdienten Ruhestand“, so Vorstand Rudolf Plochmann bei der Verabschiedung. „Ich kenne und schätze Dich seit Jahrzehnten und weiß, mit wieviel Herzblut, Sachverstand und Weitblick Du Deinen Beruf gelebt hast. Ohne Dich wäre der Staatswald im Raum Flossenbürg nicht das, was er ist.“ Die Bayerischen Staatsforsten, so Plochmann, seien Bösl zu großem Dank verpflichtet. „Du hast die Messlatte für Deinen Nachfolger sehr hochgelegt. Ich habe aber keine Zweifel, dass Stefan Wimberger schnell in seine neue Aufgabe hineinwächst und Deine Arbeit auf Augenhöhe weiterführen wird“, so Plochmann weiter.
Stefan Bösl begann seine forstliche Laufbahn mit dem Studium der Forstwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Der gebürtige Amberger hat anschließend fast seine gesamte forstliche Laufbahn in seiner Heimat Oberpfalz verbracht. Seit 1995 war er in leitenden Positionen eingesetzt, unter anderem am Forstamt Tännesberg, an der Oberforstdirektion in Regensburg und ab 2001 als Leiter des Forstamts Schnaittenbach. Ab 2004 bereite er im Forstministerium in München die Forstreform und Gründung der Bayerischen Staatsforsten mit vor. Mit dem Startschuss für das neuen Unternehmen am 1. Juli 2005 übernahm Bösl schließlich die Leitung des Forstbetriebs Flossenbürg.
Den Försterberuf bezeichnet er im Rückblick als Traumberuf: „In der Leitung des Forstbetriebs Flossenbürg, dem Forstbetrieb meiner Heimat, habe ich meine berufliche Erfüllung gefunden,“ so Bösl bei seiner Abschiedsrede. „Die Aufgabe, den Wald zu bewirtschaften, zu pflegen und für die nachfolgende Generation zu gestalten, war nicht nur sinnstiftend. Sie hat mir auch viel Freude bereitet.“
Und Stefan Bösl hat diese Aufgabe mit Überzeugung ausgeübt, vor allem auch vor dem Hintergrund der Waldnutzung: „Der Rohstoff Holz hat es in sich, und zwar im positiven Sinn! Er wächst praktisch ohne künstliche Energiezufuhr allein durch die natürlichen Faktoren Licht, Wasser und Bodennährstoffe ständig nach, speichert langfristig Kohlenstoff, und zwar mehr als unbewirtschaftete Wälder, was angesichts der klimabedrohenden Kohlendioxid- Zunahme immer wichtiger wird. Holz ist vielseitig verwendbar und bereitet keine Entsorgungsprobleme. Wir müssten doch verrückt sein, wenn wir in unserem sonst so rohstoffarmen Land diese Vorteile nicht nutzen.“ Es könne daher nicht die Frage sein, ob wir den Wald bewirtschaften, sondern lediglich wie wir ihn am besten bewirtschaften.
Die Bayerischen Staatsforsten, so Bösl, haben sich den „besten Wald für Bayern“ zum Ziel gesetzt. An diesem Ziel habe er sein ganzes Berufsleben gearbeitet. „Dass diese Arbeit auch erfolgreich war, habe ich dem herausragenden Team am Forstbetrieb zu verdanken,“ so Bösl. „Dieses Team bekommt nun mit Stefan Wimberger einen neuen Chef. Ich habe ihn als sehr kompetenten und äußerst sympathischen Kollegen kennengelernt, der mit frischer Energie und viel Freude die Leitung des Betriebs übernehmen wird.“
Wie Stefan Bösl stammt auch Stefan Wimberger aus der Oberpfalz. Der 31jährige gebürtige Regensburger studierte an der TU München Forstwissenschaften und kam nach dem Referendariat 2020 zu den Bayerischen Staatsforsten, wo er unter anderem im Team Technische Produktion, in der Unternehmskommunikation, im Vorstandsbüro und als stellvertretender Leiter am Forstbetrieb Neureichenau eingesetzt war. Seit Sommer 2024 leitet er das Büro des Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer.
Die neue Aufgabe, so Wimberger, gehe er mit ebenso viel Respekt wie Freude an. „Die Wälder des Forstbetriebs bieten einem Förster alles, was das Herz begehrt.“ Die erste Zeit werde er viel unterwegs sein, um die Wälder und die Menschen – die in und mit dem Forstbetrieb zusammenarbeiten – besser kennenzulernen. „Ich werde mir möglichst viel anschauen und jedes Revier besuchen.“ Als herausragendes Ziel nannte Wimberger, den Waldumbau, den Stefan Bösl vorangetrieben hat, weiterzuführen. „Der Klimawandel ist im Forstbetrieb Flossenbürg angekommen – auch wenn dieser von den Folgen wie Sturmereignissen und Borkenkäferbefall bisher nicht so stark betroffen war.“ Man wolle gemischte, strukturierte und vorausverjüngte Wälder mit mindestens vier verschiedenen Baumarten in jedem Waldbestand, so Wimberger. Das diene der Vielfalt in den Wäldern, aber auch der Risikostreuung: „Wenn eine Baumart im Klimawandel ausfällt, haben wir immer noch drei andere“, erklärt Wimberger.
Aufgrund der borkenkäferbedingten hohen Einschläge in anderen Regionen Bayerns gab es in den letzten Jahren eine Zurückhaltung bei der Holzernte in Flossenbürg. „Um den Waldumbau konsequent weiterzuführen, werden wir den Holzeinschlag in den nächsten Jahren etwas steigern und so Struktur in den Wäldern und Platz für junge Bäume schaffen.“ Als Baumarten, auf die der Forstbetrieb dabei vermehrt setzen wird, nannte er Tanne, Buche, Lärche und Douglasie: „Wir haben auf den Höhenzügen des Oberpfälzer Waldes aber auch Bedingungen, in denen die sonst vom Klimawandel betroffene Fichte weiterhin eine Rolle spielen kann“, so Wimberger.
„Wir wollen mit unserer Arbeit die Wälder fit für den Klimawandel machen, damit diese auch weiterhin die vielfältigen Waldfunktionen erfüllen können.“ Dass der Forstbetrieb Flossenbürg dabei so gut aufgestellt ist, sei das Verdienst der guten Arbeit seit vielen Jahren, sagte Wimberger mit Blick auf Stefan Bösl und die Kolleginnen und Kollegen am Forstbetrieb Flossenbürg. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe, die wir im Team anpacken werden.“