Forstwirt Ingo Linhart vom Forstbetrieb Fichtelberg wird bei einer Rettungsübung von Dr. Christopher Häfner, Regionalleiter der Bergwacht Franken betreut.
Wenn jede Minute zählt
Der Forstbetrieb Fichtelberg und die Bergwacht Fichtelgebirge trainieren gemeinsam für den Ernstfall
(20.08.2026) Bischofsgrün. - Gemeinsam mit der Bergwachtbereitschaft Bischofsgrün und der Integrierten Leitstelle Bayreuth übten Mitarbeiter des Forstbetriebs Fichtelberg im Gefreeser Wald den Notfall. Ein Forstwirt simulierte einen Herzinfarkt, woraufhin die Rettung im unwegsamen Gelände mit allen Beteiligten erprobt wurde.
Im sonst so ruhigen Wald unterbricht die Idylle plötzlich ein schriller, mehrfach piepsender Ton. Was ist passiert?
Während der Suche nach vom Borkenkäfer befallenen Bäumen, eine Routinearbeit bei den Bayerischen Staatsforsten, aktiviert sich der integrierte Totmannschalter am Funkgerät von Forstwirt Ingo Linhart. Dieser löst automatisch einen Notruf aus, wenn das Funkgerät flach am Boden liegt, weil z.B. der Besitzer gestürzt ist und bewegungslos liegen bleibt. Nach kurzer Verzögerung ertönt auch über das Funkgerät des Forstwirtes Matthias Hautmann derselbe schrille Pfeifton. Dieser setzt sofort einen Funkspruch ab und versucht seinen Kollegen Ingo Linhart zu erreichen. Doch am anderen Ende – keine Antwort. Jetzt zählt für Matthias jede Minute. Denn er weiß nur, sein Kollege Ingo braucht Hilfe. Als Matthias seinen Kollegen kurz darauf findet, ist dieser nicht mehr ansprechbar. Auch sein Puls ist nicht mehr feststellbar.
Genau solch eine dramatische Situation simulierten die Bayerischen Staatsforsten im Rahmen einer Rettungsübung gemeinsam mit der Bergwacht Fichtelgebirge. Nun kam die oft geschulte Rettungskette-Forst der Bayerischen Staatsforsten zur Anwendung.
Es dauert nur drei Minuten bis Matthias Hautmann seinen zusammengebrochen Kollegen Ingo Linhart mit Hilfe des schrillen Pfeiftons des Totmannschalters bewusstlos auffindet. Als nächstes kontrolliert er die Vitalzeichen seines Kollegen – kein Puls, keine Atmung. Sofort setzt Matthias einen Notruf an die vorinformierte integrierte Leitstelle Bayreuth ab und gibt den nächstgelegenen Rettungstreffpunkt durch, in diesem Fall BT-1020, an der Abzweigung Wülfersreuth auf der Strecke zwischen Bischofsgrün und Gefrees. Parallel zur Herzdruck-Massage – an einer Übungs-Puppe und nicht am Kollegen - kontaktiert Matthias per Funk einen weiteren Forstwirt und schickt diesen als Lotsen zum Rettungstreffpunkt, um dort die Rettungskräfte in Empfang zu nehmen. Als nächstes ruft er Florian Manske, den Servicestellenleiter des Forstbetriebes, an, welcher wiederum nach und nach weitere Mitarbeiter Richtung Unfallort schickt. Deshalb trifft innerhalb kurzer Zeit auch der örtlich zuständige Revierleiter Hubertus Schmidt am Ort des Geschehens ein und unterstütz bei der Reanimation.
Aufgrund des gut organisierten Ablaufs trifft das Team der Bergwacht nur 13 Minuten nach Absetzen des Notrufes am Einsatzort mitten im Wald ein. Innerhalb der nächsten Minuten kann der „Patient“ Ingo Linhart defibrilliert, stabilisiert, per Spezialfahrzeug aus dem Waldbestand abtransportiert und am Forstweg in das Rettungsfahrzeug verladen werden.
Die abschließenden Worte des Revierleiters Hubertus Schmidt bei der Nachbesprechung könnten diese Rettungsübung nicht besser zusammenfassen: „Von Euch würde ich mich jederzeit retten lassen!“