Frauenschuh

Fünf Quadratmeter groß sind die Flächen für die Saat. Die Forstwirte des Forstbetriebs bereiten diese mit der Wiedehopfhaue vor. Bild: Bayerische Staatsforsten/ Nathalie Kolb 

Forstbetrieb Berchtesgaden, 27. März 2026 – Tief im Bergwald von Berchtesgaden beginnt ein kleines Naturschutzprojekt mit großer Wirkung. Es geht um eine Pflanze, die so selten ist, dass viele Menschen sie noch nie in freier Natur gesehen haben: den Frauenschuh. Die Orchidee mit der auffälligen gelben Blüte gilt als eine der kostbarsten Arten Deutschlands – und sie ist wählerisch wie kaum eine andere.

 

Der Frauenschuh wächst nur dort, wo Boden, Feuchtigkeit und Licht in einem perfekten Zusammenspiel stehen und das Vorkommen eins bestimmten Bodenpilzes und der entsprechenden Bestäuber gesichert sind.  In Deutschland findet man ihn nur noch in wenigen Regionen, vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen. Bundesweit existieren nur noch einige Hundert stabile Vorkommen – viele davon winzig und isoliert. Bis eine Pflanze zum ersten Mal blüht, vergehen oft sechs bis zehn Jahre. Und wer glaubt, man könne sie einfach ausgraben und in den Garten setzen, irrt: Der Frauenschuh überlebt nur in seinem natürlichen Habitat.

 

Umso wertvoller ist das Vorkommen am Forstbetrieb Berchtesgaden. Damit die Art hier auch in Zukunft eine Chance hat, legen die Forstwirte derzeit kleine, rund fünf Quadratmeter große Flächen frei. Mit der Wiedehopfhaue – einem Werkzeug, das sonst beim Pflanzen im steinigen Boden zum Einsatz kommt – tragen sie vorsichtig den Oberboden ab. Was unscheinbar aussieht, ist für den Frauenschuh entscheidend: Nur auf exakt freigelegtem, kalkreichem Boden können seine winzigen Samen keimen. Und davon gibt es viele – eine einzige Fruchtkapsel enthält bis zu 17.000 Samen.

 

Revierförster Vinzent Bader beschreibt die Herausforderung so:
„Der Frauenschuh ist extrem anspruchsvoll. Er wächst nur dort, wo Boden, Feuchtigkeit und Lichtverhältnisse perfekt zusammenspielen. Wenn wir solche Standorte erhalten oder neu schaffen, leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser einzigartigen Art in unserem Bergwald.“

 

Nach der Bodenvorbereitung bringt die Untere Naturschutzbehörde die Samen aus – und dann heißt es warten. Geduld ist beim Frauenschuh keine Tugend, sondern Voraussetzung. Doch wenn ein Standort passt, kann die Orchidee dort bis zu 20 Jahre lang blühen.

Mit diesen gezielten Maßnahmen sorgt der Forstbetrieb Berchtesgaden dafür, dass eine der seltensten Pflanzen Deutschlands auch in Zukunft im Bergwald zu Hause ist – und dass ein kleines Stück botanischer Schatz erhalten bleibt. Das Projekt der Biodiversitätsberatung ist eine Zusammenarbeit der Unteren Naturschutzbehörde und der Bayerischen Staatsforsten.