8. Oktober 2026, Nürnberg – Der Forstbetrieb Nürnberg beobachtet derzeit eine deutlich erhöhte Schwarzwildpopulation im Reichswald. 

 

Ursache hierfür ist vor allem das außergewöhnlich starke Mastjahr von Buche und Eiche im vergangenen Jahr. Das reichhaltige Nahrungsangebot führte zu einer hohen Reproduktionsrate und damit zu einem spürbaren Anstieg der Wildschweinbestände. Die große Zahl an Frischlingen und Jungtieren macht sich nun im laufenden Jahr bemerkbar. 

 

Wildschweine verfügen über eine im Vergleich zu anderen heimischen Schalenwildarten außergewöhnlich hohe Vermehrungsfähigkeit. Bereits junge Bachen können bei günstigen Ernährungsbedingungen geschlechtsreif werden und selbst zur Reproduktion beitragen. Hinzu kommen vergleichsweise große Würfe mit mehreren Frischlingen. Unter optimalen Bedingungen können Schwarzwildbestände deshalb innerhalb kurzer Zeit stark anwachsen. Begünstigt wird diese Entwicklung zusätzlich durch milde Winter sowie ein ganzjährig gutes Nahrungsangebot in Wald und Feldflur.

 

„Wildschweine können günstige Umweltbedingungen deutlich schneller nutzen als andere heimische Schalenwildarten. Das starke Mastjahr mit großen Mengen an Bucheckern und Eicheln hat zu einer außergewöhnlich hohen Reproduktion geführt. Zusammen mit milden Wintern und einem guten Nahrungsangebot in Wald und Feldflur sind die Schwarzwildbestände derzeit auf einem hohen Niveau. Entsprechend werden Wildschweine auch häufiger im Umfeld von Siedlungen wahrgenommen.“ 
Johannes Wurm, Leiter des Forstbetriebs Nürnberg

 

Mehr Wildschweine an den Siedlungsrändern

 

In den vergangenen Monaten wurden vermehrt Wildschweinaktivitäten in Wohngebieten, Kleingartenanlagen und an den Randbereichen von Siedlungen festgestellt. Neben den hohen Beständen trägt auch die anhaltende Trockenheit dazu bei, dass die Tiere verstärkt alternative Nahrungsquellen aufsuchen. Viele natürliche Äsungsflächen im Wald bieten derzeit nur ein eingeschränktes Nahrungsangebot.

 

Besonders attraktiv sind deshalb Gärten, Grünanlagen und andere gepflegte Flächen, auf denen durch Bewässerung und Gartenpflege weiterhin günstige Nahrungsbedingungen herrschen. Zudem führen die störungsarme Situation in Siedlungsbereichen sowie die eingeschränkten jagdlichen Möglichkeiten in bebauten Gebieten dazu, dass einzelne Rotten diese Bereiche regelmäßig aufsuchen.

 

Intensive Bejagung und Seuchenprävention

 

Der Forstbetrieb Nürnberg begegnet dieser Entwicklung mit einer intensiven und gezielten Bejagung im gesamten Reichswald. Ziel ist es, Schäden in der Land- und Forstwirtschaft sowie Konflikte im Umfeld von Wohngebieten zu minimieren.

 

Gleichzeitig dient die konsequente Bejagung der Prävention der Afrikanischen Schweinepest (ASP). Hierfür werden moderne Nachtziel- und Nachtsichttechnik genutzt, um eine effektive und vor allem sichere Jagdausübung auch während der Hauptaktivitätszeiten des Schwarzwildes zu ermöglichen. Ergänzend führt der Forstbetrieb – wo möglich - große Bewegungsjagden mit einem besonderen Fokus auf Schwarzwild durch.

 

Neben einer Förderung der Schwarzwildbejagung durch Aufwandsentschädigungen seitens der Bayerischen Staatsregierung unterstützen auch die Bayerischen Staatsforsten eine forcierte Bejagung des Schwarzwilds über weitergehende Maßnahmen. So werden kostenfreie Jagderlaubnisse für die Wildschweinbejagung ausgegeben, die Kosten für Trichinenuntersuchungen übernommen und sogar das erlegte Schwarzwild kostenfrei an die Erlegerinnen und Erleger abgegeben.

 

Den jagdlichen Möglichkeiten sind jedoch Grenzen gesetzt. Wohngebiete, Gärten und viele andere Flächen innerhalb der Bebauung sind sogenannte befriedete Bezirke. Dort ist die Jagdausübung aus Gründen der öffentlichen Sicherheit grundsätzlich ausgeschlossen oder nur in begründeten Ausnahmefällen zulässig. Eine unmittelbare Regulierung von Schwarzwildbeständen innerhalb der Bebauung ist daher praktisch nicht möglich.

 

Verhaltensempfehlungen für Bürgerinnen und Bürger

 

Der Forstbetrieb Nürnberg bittet Bürgerinnen und Bürger um einen besonnenen Umgang mit Wildschweinen. Die Tiere sind grundsätzlich scheu und vermeiden den Kontakt mit Menschen. Wer Wildschweinen begegnet, sollte ausreichend Abstand halten und die Tiere keinesfalls bedrängen oder in die Enge treiben. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Bachen Frischlinge führen. Hunde sollten insbesondere in der Nähe von Schwarzwild stets unter Kontrolle gehalten und angeleint werden.

 

Vom Füttern oder gezielten Anlocken der Tiere ist unbedingt abzusehen. Wiederkehrende Schäden in Gärten lassen sich langfristig am wirksamsten durch stabile, wildschweinsichere Einfriedungen verhindern. Da jagdliche Maßnahmen innerhalb der Bebauung nur im absoluten Ausnahmefall möglich sind, kommt vorbeugenden Schutzmaßnahmen eine besondere Bedeutung zu.

 

Der Forstbetrieb Nürnberg beobachtet die Entwicklung weiterhin aufmerksam und wird die notwendigen jagdlichen Maßnahmen zur Regulierung der Schwarzwildbestände konsequent fortführen.

Eine Rotte Wildschweine

Im Reichswald um Nürnberg sind aktuell besonders viele Wildschweine aktiv. Foto: Laurent Nicolaon / Fotolia