Ein Förster schneidet Äste von einem Bergahorn, um Pfropfreiser zu gewinnen

Jonas Eckel vom AWG schneidet mit einer Carbon-Teleskopstange in bis zu 20 Metern Höhe Zweige mit geeigneten Trieben aus der Baumkrone des Bergahorns. (Foto: Johannes Lehner, BaySF)

30.03.2026, Sonthofen/ Kürnach – Die Sicherung von genetisch vielfältigem und wertvollem Saatgut ist wichtig, um auch in Zukunft neue Generationen von Bäumen pflanzen zu können. Besonders dann, wenn die Baumart auf bestimmten Standorten noch nicht vorkommt oder zukünftig ein hohes Anbaurisiko haben wird. Es gibt mehrere Methoden, Saatgut bestimmter Herkünfte zu produzieren, das genetisch zu einem Standort passt. Neben der Gewinnung durch die Ernte von Samen in ausgewählten Saatguterntebeständen, wird zukünftig gerade beim Bergahorn Saatgutgewinnung in Samenplantagen eine wichtige Rolle spielen.

 

Bereits vergangenes Jahr war Jonas Eckel vom Bayerischen Amt für Waldgenetik, kurz AWG, in den Staatswäldern der Kürnach unterwegs. „Damals habe ich nach besonders schönen Exemplaren des Bergahorns gesucht und geeignete Exemplare als sogenannte Plusbäume markiert“ erklärt er. Besonders schön heißt in diesem Fall besonders vital, wüchsig, widerstandsfähig und formschön gewachsen.

 

Nun ist ein halbes Jahr vergangen und die Knospen stehen kurz vor dem Austrieb. Zeit die Reiser für die Veredlung zu ernten. Zuvor war es jedoch nötig, die Beerntung genehmigen zu lassen, da die Gewinnung von Saatgut und Pflanzenteilen den strengen Regeln des Fortvermehrungsgutgesetzes unterliegt. Zusammen mit seinem Kollegen navigiert Jonas Eckel zu den bereits markierten Plusbäumen und schneidet mit einer langen Teleskopstange Zweige aus der Krone heraus. Von jedem Baum werden 20 bis 30 Triebe mit bestimmten Eigenschaften benötigt: Der Trieb muss einjährig und mindestes fünf Zentimeter lang sein, um als Pfropfreiser verwendet werden zu können. Am Boden werden die Triebe mit ausreichend Puffer eingekürzt und gebündelt. Anschließend wird der Baum noch mit einem Aluminiumplättchen dauerhaft markiert.

 

Diese Bündel werden in der darauffolgenden Woche an die Forstliche Versuchsanstalt in Freiburg verschickt, wo die Reiser auf andere Bergahorne, aufgepfropft werden, sodass beide miteinander verwachsen. Dadurch wird das genetische Material der Bäume der Kürnach dauerhaft erhalten und es kann langfristig auf der neuen Samenplantage qualitativ hochwertiges Saatgut geerntet werden. Das ist besonders wichtig, da der Bergahorn eine bedeutende Baumart der Allgäuer Bergwälder ist und die Bäume der Kürnach genetisch gut an die standörtlichen und klimatischen Bedingungen in der Region angepasst sind.

 

Sonthofens Staatsforsten-Chef Jann Oetting freut sich zusammen mit Jonas Eckel vom AWG: “Die jetzt gesicherten genetischen Ressourcen sind entscheidend, um auch in Zukunft unabhängig der Ausgangsbäume stabile und anpassungsfähige Wälder aufzubauen und den Erhalt lokaler, standortsangepasster Herkünfte zu sichern!”