26. Februar 2026, Berchtesgaden – Über viele Jahrzehnte war die große Blutbuche im Garten des Forstbetriebs Berchtesgaden ein vertrauter, fast ikonischer Teil des Betriebsgeländes. Mitarbeitende, Nachbarn und Besucher verbanden mit ihr Erinnerungen – vom kühlen Schatten im Sommer bis zum leuchtend roten Herbstlaub. Umso schwerer fällt die Nachricht, dass der Baum nicht mehr standsicher war und gefällt werden musste.
Die Entscheidung wurde nicht leichtfertig getroffen. Fachleute stellten zahlreiche Schäden fest: großflächige Nekrosen im unteren Stammbereich, freiliegendes Holz, das Pilzen Tür und Tor öffnet, sowie ein problematischer Zwiesel, der den Kronenbereich instabil machte. Trotz sorgfältiger Pflege über viele Jahre – von Totholzentnahmen bis zu Kronensicherungen – verschlechterte sich der Zustand zuletzt rasant. Eine Einkürzung der langen Kronenteile hätte die ohnehin geschwächte Vitalität weiter reduziert.
Hinzu kommt die Lage des Baumes: In alle vier Fallrichtungen grenzen öffentliche Straßen, Parkplätze oder Gebäude. Bei einem starken Sturm hätte ein spontanes Versagen schwere Folgen haben können. Da die Verkehrssicherheit oberste Priorität hat, blieb letztlich keine Alternative zur Fällung.
Gleichzeitig schafft der Forstbetrieb Berchtesgaden aktiv neuen Wert: Dort, wo die alte Buche stand, entsteht eine Streuobstwiese mit 18 neuen Obstbäumen. Zwetschgen, Kirschen, Birnen und Äpfel – ergänzt durch artenreiche Beerenhecken – werden das Areal in den kommenden Jahren in einen vielfältigen Lebensraum verwandeln. Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Strukturen unserer Kulturlandschaft und bieten Nahrung, Schatten und Nistplätze für unzählige Tierarten.
Die Pflanzaktion ist für das Frühjahr geplant. Ziel ist es, die neue Vegetationsperiode optimal zu nutzen und den Betriebsgarten ökologisch wie ästhetisch aufzuwerten. Aus dem Abschied eines alten Baumes entsteht ein Zukunftsprojekt, das Biodiversität fördert und Menschen wie Natur zugutekommt.
Schäden und Krankheitssymptome wie offener Holzkörper, Rindennekrosen und ungesund verwachsener Zwiesel (Foto: BaySF / Müller Daniel)