Großvogelhorste im Wald

Erkennen und Schützen

Warum erkennen und schützen?

Im Wald brütende Großvogelarten reagieren mit Beginn der Brutzeit sehr empfindlich auf Störungen. In dieser sensiblen Zeit können die Altvögel derart beunruhigt werden, dass sie ihr Revier aufgeben, den Horstbau abbrechen,nicht mit der Brut beginnen oder – im schlimmsten Falle – eine begonnene Brut aufgeben. Die Bewirtschaftung der Wälder etwa durch die Holzernte, die Jagd, menschliche Freizeitaktivitäten abseits der Wege oder sogar Tierfotografen können solche Störungen auslösen.


Die Großvogelarten zählen nach den Naturschutzgesetzen zu den besonders geschützten Arten, die grundlos weder gefangen, verletzt oder getötet werden dürfen. Daneben ist auch die Entnahme, Beschädigung oder Zerstörung der Fortpflanzungs- und Ruhestätten (z.B. Horst, Horstbaum mit Umfeld) dieser Arten verboten. Um den gesetzlichen Schutz der Horste und der Bruten sicherstellen zu können, müssen diese erst einmal erkannt und dann bei der Bewirtschaftung der Wälder beachtet werden. Denn nur was man kennt, kann man auch schützen.


Diese gemeinsam von den Bayerischen Staatsforsten und dem Landesbund für Vogelschutz herausgegebene Multimedia-Story soll dafür wichtige Hinweise liefern.





Martin Neumeyer                           &                          Dr. Norbert Schäffer
Vorstandsvorsitzender                                                Vorsitzender LBV
Bayerische Staatsforsten

Horst entdeckt – was tun?

Wenn Sie einen Horst entdecken, verhalten Sie sich während der Brutzeit ruhig und beobachten Sie diesen nur aus großer Distanz. Je nach Zeitpunkt im Jahr können die einzelnen Arten sehr empfindlich auf Störungen reagieren, dazu gehört auch das Beobachten der Horste aus der Nähe.

Dokumentieren Sie den Horststandort so, dass Sie den Baum wiederfinden können.

Die Kenntnis von Horsten seltener Brutvogelarten sollte möglichst vertraulich behandelt werden und vorrangig den Behörden und dem Bewirtschafter mitgeteilt werden.

Befindet sich der Horstbaum im Staatswald, so wird er durch die Förster/-innen markiert und bei der Bewirtschaftung in einer Horstschutzzone entsprechend berücksichtigt. Bitte markieren Sie Horstbäume nicht eigenmächtig!

HINWEISE

Gute Hinweise auf ein Brutrevier bieten insbesondere Balzrufe und -flüge im zeitigen Frühjahr

Vermehrtes Auffinden von Speiballen (Gewölle) und Kot auf dem Waldboden können ebenfalls Spuren in Horstnähe sein

Horste lassen sich außerdem vor Beginn der Vegetationsperiode, im unbelaubten Zustand der Bäume, am besten erkennen

Da Horste oft über mehrere Jahre genutzt werden, ist eine erneute Brut in einem bestehenden Horst nicht unwahrscheinlich

Welche Indizien weisen auf einen bewohnten Horst hin?

Mauserfedern

Während der langen Dauer der Brut mausern insbesondere die weiblichen Altvögel größere Teile ihres Großgefieders. Mehrere gefundene Schwingen oder Stoßfedern einer Vogelart weisen dann auf einen besetzten Horst in der näheren Umgebung hin.

Brutdunen

Sehr feine, schaftlose und fein verzweigte weiße Federn, die das Nestinnere zum mechanischen Schutz und zur Wärmeisolation des Geleges auskleiden. Sie werden leicht vom Wind verweht und finden sich dann in Horstnähe.

Rupfungen / Beutereste

Nicht gefressene Überreste von Beutetieren wie Fell, Federn, Fischschuppen, Knochen, Schnäbel, Füße oder Gedärme sind bei mehreren Arten in Brutplatznähe zu finden. Wo sich derartige Zeichen häufen, ist man in einem sensiblen Bereich.

Gewölle

Speiballen aus unverdaulichen Beuteresten wie Fell, Federn und Knochen, die vom Vogel ausgespien werden, erlauben Rückschlüsse auf die verzehrte Beute. Man findet sie in Brutplatznähe oder auch an Ruheplätzen von Greifvögeln oder Eulen.

Schmelz

Flüssige Exkremente der Vögel, die aus weißlich kristalliner Harnsäure und einem kleinen eingedickten Kotanteil bestehen. Man findet sie auffällig häufig direkt unter dem Horstbaum, da sie von großen Jungvögeln über den Horstrand abgegeben werden.

Der Mäusebussard

Mit über einer Million Brutpaaren ist der Mäusebussard der häufigste Taggreif in Europa. Auch in Bayern ist er flächendeckend verbreitet. Er ist in seiner Nahrungswahl nicht spezialisiert und nutzt vom Regenwurm über Kleinsäuger bis zum Aas ein sehr breites Beutespektrum.

Sein Bruterfolg schwankt oft mit der Häufigkeit seiner Hauptbeute, den Mäusen. Bei geringem Nahrungsangebot geht die Gelegegröße zurück oder Bruten bleiben sogar vollständig aus.

Der Mäusebussard

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Große Farbvariationen von weißlich bis dunkelbraun
  • Eng gebänderter Stoß

Merkmale im Flug:

  • Lange und breite Schwingen
  • Relativ kurzer, breit gefächerter, abgerundeter Stoß

Häufigkeit:

  • In Mitteleuropa am weitesten verbreiteter Greifvogel

Zeitraum der Balz:

  • Ab Mitte März
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Typische Horstmerkmale:

  • Mäusebussarde begrünen teilweise ihren Horst mit wenigen Zweigen
  • Horste können über die Jahre sehr groß werden

Lage des Horstes:

  • Häufig waldrandnah oder bis 500 m im Wald
  • In 10 bis 25 m Höhe
  • meist in Altbäumen

Indizien für einen Horst:

  • Gewölle (Speiballen) am Waldboden
  • Schmelzspuren

Bevorzugte Baumart:

  • Keine

Der Mäusebussard - Ein Ansitzjäger

Der Mäusebussard ist kein schneller Jäger. Er sitzt daher häufig auf einer Ansitzwarte und wartet geduldig, bis ein Beutetier in der Nähe auftaucht. Er stürzt sich dann in kurzem Jagdflug auf die Beute und tötet diese durch seinen festen Griff (Grifftöter). Oft sieht man den Mäusebussard entlang von Verkehrswegen, wo er überfahrene Tiere als Aas aufnimmt.

Und lauschen Sie mal im Wald - man kann den Mäusebussard auch an seinen Rufen erkennen - hier die Rufe des männlichen Mäusebussards:

Der Wespenbussard

Der wesentlich seltenere Wespenbussard wird oft mit dem Mäusebussard verwechselt. Er lebt heimlich im Waldinneren und ist als Zugvogel nur im Sommerhalbjahr bei uns anwesend. In seiner Nahrungswahl ist er ein sehr spezialisierter Greif, der sich größteils von der Brut von Wespen und Hummeln ernährt.

Merkmale

Merkmale

Allgemein:

  • Breitere Bänderung am Stoß, dunkle Handwurzelflecken an den Schwingenunterseiten
  • Schlanker und stärker vorgebauter Kopf

Zeitraum der Balz/des Horstbaus:

  • Unmittelbar nach Ankunft aus dem Winterquartier im Mai

Typische Horstmerkmale:

  • Wespenbussarde begrünen ihren Horst mit frischen Zweigen

Flugbild Mäusebussard

Kurzer, breiter Stoß; kurzer gedrungener Halsansatz

Flugbild Wespenbussard

Stoßfedern mit breiter Endbinde und zwei stärkeren Querbinden; Kopf schmaler und langgestreckter als beim Mäusebussard

Der Habicht

Der Habicht
Der Habicht

Der Habicht ist ein weit verbreiteter Greifvogel, der jedoch deutlich seltener ist als der Mäusebussard. Der bayerische Brutbestand liegt bei 2.100 bis 2.800 Paaren. Durch seine versteckte Lebensweise im Wald ist er selten zu beobachten. Bei Balzflügen im Spätwinter über dem Revierzentrum ist ein deutlicher Größenunterschied zwischen dem großen Weibchen und dem kleineren Männchen zu erkennen. Frei sitzen sieht man den Habicht nur selten.

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Auffällige weißliche Gefiederfärbung der Unterseite mit enger und feiner Querbänderung bei den Altvögeln
  • Etwa Bussardgroß
  • ♂ deutlich kleiner

Merkmale im Flug:

  • Relativ kurze und breite, abgerundete Flügel
  • Lange abgerundete Stoßfedern

Häufigkeit:

  • Er lebt heimlich und versteckt, daher sieht man ihn verhältnismäßig selten

Zeitraum der Balz:

  • Spätwinter (Ende Januar/Anfang Februar)

Bevorzugte Baumarten:

  • Buche, Fichte, Kiefer und Lärche
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Typische Horstmerkmale:

  • Meist mit frischen Ästen begrünt

Lage des Horstes:

  • Häufig im Wald, oft nahe Bestandesgrenzen
  • In 10 bis 25 m Höhe
  • meist in Altbäumen

Indizien für einen Horst:

  • Rufe
  • Gewölle
  • Rupfungen
  • Kotspuren/Schmelz

Der Habicht - Ein Überraschungsjäger

Der Habicht ist ein geschickter Jäger, der seine Beute im kurzen, aber rasanten Flug aus der Deckung heraus verfolgt. Tauben, Enten, Rabenvögel, Kaninchen und Eichhörnchen gehören zu seiner Beute. Das größere Weibchen ist auch in der Lage, Hühner zu schlagen, was ihm den Namen „Hühnerhabicht“ eingebracht hat. Wie kaum eine andere Greifvogelart ist der Habicht von illegaler Verfolgung bedroht. Der Habicht nutzt seine Horste zum Teil über viele Jahre. Dadurch können diese zu großen „Burgen“ heranwachsen.

Und auch den Habicht können Sie erkennen, wenn Sie genau hinhören:

Der Sperber: Leicht zu verwechseln

Der Sperber scheint in mancher Beziehung wie eine kleinere Variante des Habichts. Bei ähnlichem Aussehen überlappen sich Habichtmännchen und Sperberweibchen zudem in der Größe. Das Männchen ist an der rötlichen Brust zu erkennen. Der Sperber hat grazielere Ständer und kürzere Flügel.

Auch er ist ein rasanter Überraschungsjäger, der hauptsächlich Singvögel jagt. Im Winter taucht er regelmäßig an Vogelfütterungen auf, wo er dann gut beobachtet werden kann. Seinen unauffälligen kleinen Horst legt er gerne in Fichtenstangenhölzern an. Wie der Habicht macht er am Brutplatz durch laute Rufe auf sich aufmerksam, zum Beispiel bei der Beuteübergabe.

Merkmale

Merkmale

Allgemein:

  • Kleineres und schlankeres Ebenbild des Habichts
  • Dichte Querbänderung der Unterseite (sogenannte „Sperberung“)

Häufigkeit:

  • In weiten Teilen Mitteleuropas

Lage des Horstes:

  • Meist 10 –15 Meter hoch
  • Nahe am Stamm

Indizien für einen Horst:

  • Rupfungen, Schmelz, Rufe

Typische Horstmerkmale:

  • Begrünt seinen Horst nicht
  • Baut fast jedes Jahr einen neuen Horst

Bevorzugte Baumarten:

  • In Stangenhölzern, oft Fichten

Flugbild Habicht

Relativ kurze Flügel und langer Schwanz, aber die sichere Unterscheidung von Habichtmännchen und Sperberweibchen ist oft auch für Experten schwierig.

Flugbild Sperber

kurze, abgerundete Flügel, langer Schwanz mit eckigen Schwanzkanten, die beim Habicht eher rundlich sind. Wirkt weniger massig als der Habicht

Der Rotmilan

Der Rotmilan
Der Rotmilan

Der Rotmilan kommt weltweit nur in Mitteleuropa vor. Rund die Hälfte seines Gesamtbestandes brütet in Deutschland! Im Flug ist er meist leicht an seinem tiefgegabelten Stoß zu erkennen. Bis vor wenigen Jahrzehnten war der Rotmilan ein obligatorischer Zugvogel, der im Mittelmeergebiet überwinterte. Im Zuge der Klimaerwärmung und der damit einhergehenden besseren Nahrungssituation im Winter hat sich das Zugverhalten geändert und immer häufiger bleiben Rotmilane auch ganzjährig in unseren Breiten.

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Größer als Mäusebussard
  • Gefiederfärbung oberseits rostbraun mit helleren Federsäumen, unterseits rostrot mit schwarzen Schaftstrichen

Merkmale im Flug:

  • Lange gewinkelte Schwingen mit hellen Flecken im dunklen Handschwingenbereich
  • Langer, tief gegabelter fuchsroter Stoß

Häufigkeit:

  • Relativ häufiger Brutvogel im westlichen Teil Bayerns
  • Das Hauptverbreitungsgebiet der Art liegt in Mitteleuropa
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Lage des Horstes:

  • Meist waldrandnah, in Feldgehölzen oder bis 500 m im Wald
  • Meist in einer Höhe von 18 – 30 m
  • Häufig auf Altbäumen

Zeitraum der Balz:

  • Ende Februar bis Anfang März

Typische Horstmerkmale:

  • Keine Begrünung des Horstes
  • Horste können über die Jahre sehr groß werden
  • Häufig sind Plastikteile/Folien/Stofffetzen etc. in den Horst eingebaut oder befinden sich im unmittelbarem Umfeld

Der Rotmilan - die Gesundheitspolizei

Im Wald ist der Rotmilan meist nur am Horst zu beobachten, seine Nahrung sucht er überwiegend im Offenland. Neben selbstgeschlagenen Kleinsäugern, Vögeln oder ausnahmsweise auch Fischen nehmen Aas und Abfälle einen bedeutenden Anteil der Nahrung ein.

Am Bettelruf können Sie den Rotmilan sehr gut erkennen:

Der Schwarzmilan

Neben dem Rotmilan kommt in Bayern auch der Schwarzmilan vor. Er ist ein Weltenbürger, der nur in wenigen Teilen der Erde nicht vorkommt.

Merkmale

Merkmale

Allgemein:

  • Gefiederfärbung überwiegend dunkelbraun, nur der Kopf ist etwas heller
  • Insgesamt dunkler als der Rotmilan und geringfügig kleiner (etwa Bussardgroß)
  • Stoß ist am Ende nur schwach eingekerbt

Häufigkeit:

  • Regional verbreitet mit zunehmender Häufigkeit in Bayern; gerne in Gewässernähe

Lage des Horstes:

  • Häufig waldrandnah
  • In Feldgehölzen oder bis 500 m im Wald

Indizien für einen Horst:

  • Oft befindet sich Müll oder Wolle auf oder unter dem Horst
  • Gelegentlich auch Fischreste

Flugbild Schwarzmilan

Gerades oder nur schwach gegabeltes Stoßende, dunkelbraune Grundfärbung; Kopf nur wenig heller als der Körper

Flugbild Rotmilan

tief gegabelter Stoß; rotbraune Grundfärbung
mit kontrastreicher Unterseite und schiefergrauem Kopf; häufiges Drehen des Stoßes im Flug

Der Uhu

Der Uhu
Der Uhu

Der Uhu als unser größter Eulenvogel wurde in der Vergangenheit stark durch den Menschen verfolgt. Dank der Schutzbemühungen ist die Art heute wieder in ihre historischen Verbreitungsgebiete zurückgekehrt. Dabei hat der Felsenbrüter auch zunehmend Nistplätze an Gebäuden, auf Baumhorsten oder sogar am Boden besetzt. Nicht selten ruft der Uhu in der Dämmerung und kann dann mit Glück auf einem Baum oder Felsen sitzend beobachtet werden. Die Rufe des Uhus sind relativ weit zu hören. Männchen und Weibchen lassen sich an der Tonhöhe unterscheiden.

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Größte Eule Europas
  • Auffällige Federohren

Merkmale im Flug:

  • Kurzer Stoß
  • Breite Flügel und runder Kopf

Häufigkeit:

  • Seltener Brutvogel in Bayern; das Brutareal hat sich seit Ende der 1990er Jahre vergrößert

Zeitraum der Balz:

  • Febr./März; Revierrufe (gleich dem Balzruf)
  • Auch ab Sept. bis Nov., wenn die Junguhus das Revier der Eltern verlassen haben und die Altvögel ihr Revier abgrenzen
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Lage des Horstes:

  • Brutplätze in Felswänden und Steilhängen oder in alten Greifvogelhorsten in Bäumen; selten befindet sich das Nest auch am Boden
  • Meist in der Nähe eines Stammfußes

Typische Horstmerkmale:

  • Baut seinen Horst nicht selbst, sondern nutzt alte Horste von z.B. Habicht, Schwarzstorch oder Mäusebussard

Indizien für einen Horst:

  • Kot
  • Gewölle
  • Überreste von Igeln (beliebte Beute) und Rupfungsreste in Horstnähe

Dumpfe Rufe aus der Felswand

Der Uhu war in historischer Zeit wohl weitgehend in den Felsengebieten der Alpen, der Mittelgebirge oder im fränkischen Jura verbreitet.

Das Potential hat sich durch Steinbrüche fernab natürlicher Felsstandorte erheblich erweitert. So empfindlich der Uhu gegenüber Störungen durch Kletterbetrieb an den Felsen ist, zeigt er sich gegenüber Betriebsarbeiten selbst bei Sprengungen in den Steinbrüchen recht tolerant.

In Hangwäldern brütet der Uhu nicht selten am Fuß kleinerer Felsen, an Wurzeltellern oder am Stammfuß von Bäumen, wo er dann sehr anfällig gegenüber Feinden wie dem Fuchs oder Störungen durch den Menschen ist. Baumbruten sind noch recht selten in Bayern.

Bei der Nahrung ist der Uhu nicht wählerisch: Von kleinen Hasen, Ratten, Eichhörnchen, Igeln, Rabenvögeln bis zu Mäusen nimmt er alles. Relativ häufig landet sogar die kleinere Verwandtschaft, die Waldohreule, auf der Beuteliste.

Bei der Nahrung ist der Uhu nicht wählerisch: Von kleinen Hasen, Ratten, Eichhörnchen, Igeln, Rabenvögeln bis zu Mäusen nimmt er alles. Relativ häufig landet sogar die kleinere Verwandtschaft, die Waldohreule, auf der Beuteliste.

 

Flugbild Uhu

Breite Flügel, kurzer Stoß. In der Dämmerung oft nur als Silhouette zu sehen.

Der Schwarzstorch

Der Schwarzstorch
Der Schwarzstorch

Seit einigen Jahren ist der scheue Schwarzstorch erfreulicherweise wieder Brutvogel und Sommergast in den Wäldern Bayerns. Als überwiegend schwarzer Vogel wurde er über Jahrhunderte als „Unheil-Bringer“ verfolgt und zeitweise ausgerottet. Mittlerweile hat sich dieses Bild glücklicherweise verändert und er genießt ähnlich wie der Weißstorch große Sympathien.

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Etwa so groß wie ein Weißstorch
  • Schwarzes schimmerndes Gefieder
  • Bauch und Teile der Brust sind weiß
  • Bei erwachsenen Vögeln auffallend rote Beine und Schnabel

Merkmale im Flug:

  • Der Hals ist im Flug gestreckt (im Gegensatz zum Graureiher)

Häufigkeit:

  • Sehr seltener Brutvogel, der versteckt lebt und sehr sensibel auf Störungen reagiert. In Mitteleuropa nach vorherigem Rückgang nun wieder Zunahme, dennoch ist er nirgends häufig
  • Bedeutende Population und Bestandesdichte im Frankenwald

Zeitraum der Balz:

  • März und Anfang April
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Lage des Horstes:

  • Tendenziell eher im Wald, vor allem in älteren Waldbeständen in ruhiger Lage
  • In Höhen von 20 bis knapp 30 m
  • Häufig auf großkronigen Altbäumen. In Nadelbäumen oft schwer zu entdecken

Typische Horstmerkmale:

  • Meist sehr große Nester, manchmal aber auch nur Habichtsgröße
  • Häufig rundovale Form wie beim Mäusebussard

Eine Erfolgsgeschichte in Nordostbayern

In den vergangenen 20 Jahren hat der scheue Waldbewohner in einigen Teilen Bayerns wieder Einzug gehalten. Besonders in den Nordbayerischen Mittelgebirgen sowie im Alpenvorland ist der Schwarzstorch heute glücklicherweise wieder heimisch. Da den Vögeln heute nicht mehr nachgestellt wird und sich in vielen Bereichen die Lebensbedingungen verbesserten (Wasserqualität in Fließgewässern, Anlage von Nahrungstümpeln) konnte der Brutbestand kontinuierlich anwachsen.

Dennoch ist der Schwarzstorch immer noch ein sehr seltener Brutvogel, dessen Anwesenheit eine besondere Rücksicht verlangt. Nach der Rückkehr aus den afrikanischen Winterquartieren darf er in der Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit an den bekannten Horststandorten nicht gestört werden.

Besonders erfolgreich brütet der Schwarzstorch im Frankenwald. In diesem gewässerreichen Mittelgebirge hat er die derzeit höchsten Dichten innerhalb Deutschlands. Insgesamt liegen die bayerischen Vorkommen jedoch am Westrand des zentraleuropäischen Verbreitungsgebiets. In vielen Bereichen Bayerns wurde der Schwarzstorch mit dem Bau von künstlichen Nistplattformen unterstützt. Bei vorhandenen Altbäumen in geeigneter Lage bevorzugt dieser jedoch meistens den selbstgebauten Naturhorst.

Flugbild Schwarzstorch

gestreckter Hals, Bauch und Unterstoß weiß; rote Beine und roter Schnabel.

Der Seeadler

Der Seeadler
Der Seeadler

Der Seeadler war bis ca. 1860 Brutvogel in Bayern, dann wurde er ausgerottet. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts hat er nach ersten Bruten in Mittelfranken und der Oberpfalz Bayern wieder besiedelt.

Die meisten Brutpaare siedeln in der Oberpfalz. Inzwischen tauchen brutfähige Paare in mehreren gewässerreichen Regionen mit ausreichend störungsarmen Wäldern in ganz Bayern auf. Auch in Oberfranken und Niederbayern hat er schon gebrütet. Weitere Brutansiedlungen sind zu erwarten.

Er ist der größte heimische Greifvogel mit einer Spannweite von bis zu 2,5 m. Trotz seiner Körpergröße und Masse ist er ein äußerst gewandter Jäger und Flieger. Neben Fischen und Wasservögeln stehen zudem Säugetiere auf seinem Speiseplan. Im Winter frisst er auch Aas.

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Auffälliger weißer Stoß bei Altvögeln, mächtiger gelber Schnabel und gelblich-weißer Kopf und Hals
  • Die sonstige Gefiederfärbung ist braun
  • Größte europäische Adlerart

Merkmale im Flug:

  • Mit fast 2,5 Metern Spannweite ist er auffallend groß
  • Breite, brettartige Schwingen, die an der Spitze stark gefingert sind
  • weit vorgestreckter Kopf
  • relativ kurzer, keilförmiger Stoß

Zeitraum der Balz:

  • Ab Januar
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Lage des Horstes:

  • Alte und hohe Bäume
  • Meist in Gewässernähe

Typische Horstmerkmale:

  • Ein Adlerhorst kann über die Jahre Durchmesser und Höhen von bis zu zwei Metern erreichen
  • Nicht an der Spitze des Baums gelegen

Flugbild Seeadler

breite, brettartige, an der Spitze deutlich gefingerte Flügel; weit vorgestreckter Kopf; keilförmiger Stoß

Der Fischadler

Der Fischadler
Der Fischadler

Der Fischadler ist eine Art mit weltweiter Verbreitung. In Bayern ist er jedoch erst seit einigen Jahren wieder erfolgreicher Brutvogel, vor allem in den Teichgebieten der Oberpfalz. Eierdiebe und Jäger stellten ihm bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nach, da der Fischjäger als Nahrungskonkurrent galt. Auf der Speisekarte des Fischadlers stehen fast ausschließlich Fische, für deren Erbeutung er eine hochspezialisierteJ agdmethode entwickelt hat. Im Stoßflug stürzt er sich auf die Fische im Wasser und greift sie mit seinen kräftigen Fängen. Dabei kann er sogar im Wasser untertauchen. Im Winter zieht der Fischadler nach Afrika, da hierzulande die Gewässer oftmals zugefroren sind. Speziell angelegte Kunsthorste werden vom Fischadler gerne angenommen.

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Etwas größer als Bussard
  • Oberseits dunkelbraun, unterseits weiß
  • Weißer Kopf mit dunklen Augenstreifen
  • Schwarze Flügelspitzen

Merkmale im Flug:

  • Sehr lange und schmale, meist etwas gewinkelte Schwingen und auffälliger reinweißer Unterseite

Häufigkeit

  • Sehr seltener Brutvogel

Zeitraum der Balz:

  • Beginn ab Ende März
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Lage des Horstes:

  • Am liebsten in der Krone hoher, alter Bäume in der Nähe von größeren fischreichen Gewässern
  • Bevorzugt in exponierten, überschaubaren Geländelagen

Typische Horstmerkmale:

  • Durch jahrelange Nutzung kann der Horst ein mächtiger Bau werden

Flugbild Fischadler

Weißer Bauch, dunkle Augenbinde, gewinkelte Flügel

Der Graureiher

Der Graureiher
Der Graureiher

Der Graureiher kann überall in Bayern beobachtet werden, gebrütet wird aber nur an ca. 160 Koloniestandorten. Einzelbruten sind selten. Es gibt auch gemischte Kolonien mit Kormoran oder Nachtreiher.

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Großer grauer Schreitvogel mit schwarzem Scheitel und langem Schnabel

Merkmale im Flug:

  • S-förmig eingezogener Hals, der bei der Landung ausgestreckt wird
  • Stark nach unten gebogene Flügel

Häufigkeit

  • In Bayern knapp 2.700 Paare (1995), seitdem abnehmend

Zeitraum der Balz:

  • Ende Januar bis März. Zu Beginn auffälliger Flugbetrieb mit Nistmaterial
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Lage des Horstes/Kolonien:

  • Brütet zumeist in Kolonien von wenigen bis zu mehreren hundert Paaren meist in Gewässernähe
  • An Waldrändern oder in kleinen Wäldern
  • Nutzt sowohl Nadel- wie Laubbäume, in Bayern bevorzugt auf Fichte
  • Nest in großer Höhe, selten aber auch am Wasser niedrig in Weidengebüsch

Typische Horstmerkmale:

  • Großer, wenig stabil wirkender Reisigbau
  • Häufig vom Kot deutlich weiß gefärbt, der Bäume zum Absterben bringt

Indizien für Horst/Kolonien:

  • Horste in winterkahlen Laubbäumen erkennbar
  • Deutliche Schmelzspritzer
  • Kolonien sind durch krächzende Vögel auffällig

Oft sieht man den Graureiher auf Wiesen stehen und nach Mäusen lauern. Daneben frisst er auch Amphibien und Fische. Letzteres brachte ihm auch den Namen „Fischreiher“ ein. Strenge Winter können zu massiven Einbrüchen beim Brutbestand führen.

Flugbild Graureiher

eingezogener Hals, lange Beine und Schnabel, hier mit Nistmaterial

Der Baumfalke

Der Baumfalke
Der Baumfalke

Der Baumfalke ist ein Langstreckenzieher, der frühestens ab Ende April bei uns ankommt. Er bezieht alte Krähennester oder solche von anderen Greifvögeln, häufig in hohen Kiefern an Lichtungen, am Waldrand oder auf Überhältern, auch gerne in Pappelreihen oder Feldgehölzen und Baumgruppen.

Allgemeine Merkmale
Allgemeine Merkmale

Allgemein:

  • Etwa turmfalkengroßer Falke
  • Rote Hosen und kontrastreiche Gesichtszeichnung mit schwarzem Bartstreif

Merkmale im Flug:

  • Schlanke Silhouette mit langen spitzen Flügeln

Häufigkeit:

  • Großes Verbreitungsgebiet
  • Aber in Bayern mit 1.100 – 1.300 nicht häfig vorkommend

Zeitraum der Balz:

  • Kommt spät im Jahr aus Afrika
  • Balz ab Ende April
Horstmerkmale
Horstmerkmale

Lage des Horstes:

  • Meist kaum sichtbar im Wipfel hoher Bäume

Typische Horstmerkmale:

  • Nutzt Nester von Krähen oder anderen Greifvögeln

Indizien für Horst:

  • Rufende Altvögel („gjegjegje“ Rufreihen), später bettelnde Jungvögel
  • Schwalbenrupfungen

Der Baumfalke ist ein rasanter Jäger, der sogar Schwalben und Mauersegler, Libellen und in der Dämmerung Fledermäuse ausschließlich im Flug fängt. Er brütet gerne in Gewässernähe. Während der Brutzeit sehr heimlich. Oftmals fallen besetzte Reviere erst in der Bettelflugphase ab Ende Juli auf, wenn die Jungvögel lauthals und anhaltend betteln. Jungvögel können bis Ende August in den Nestern sein, danach verlässt der Baumfalke im Laufe des Septembers die Brutgebiete und zieht nach Afrika.

Flugbild Baumfalke

Schlanke Silhouette mit langen, spitzen Flügeln, rote Hosen, kontrastreiches Gesicht

Broschüre downloaden oder bestellen

Sie können die Broschüre mit Klick auf das Bild downloaden oder bestellen unter www.baysf.de/publikationen.

Fotocredits

Bilder: LBV-Fotoarchiv (www.naturfotos.lbv.de)

Christiane Geidel (Titel, Abb. "Warum erkennen und schützen", Abb. "Horst entdeckt - was tun?", Abb."Beuterest")
Frank Derer (Abb. "Horst Mäusebussard" im Slider, Abb. "Graureiher auf Wiese" und Abb. "Graureiher Flugbild")
Hans-Joachim Fünfstück (Abb. "Wespenbussard", Abb. "Sperber", Flugbild "Schwarzstorch")
Zdenek Tunka (Flugbild "Mäusebussard", Abb. "Habicht" , Flugbilder "Habicht" und "Sperber", Abb. Uhu, Flugbild "Seeadler", Abb. Graureiher, Abb. und Flugbild "Baumfalke")
Dr. Christoph Moning (Flugbild "Wespenbussard", Flugbild "Fischadler")
Wolfgang Lorenz (Abb. "Sperberhorst")
Kurt Wüthrich (Abb. "Horst Rotmilan")
Dieter Hopf (Abb. und Flugbild "Rotmilan")
Markus Bosch (Abb. und Flugbild "Schwarzmilan", Flugbild "Uhu", Abb. "Horst Seeadler")
Andreas Ebert (Abb. "Brutplatz Uhu")
Thomas Stephan (Abb. Uhu Horst")
Hans-Peter Schönecker (Abb. Schwarzstorch Horst)
Herbert Weny (Flugbild "Schwarzstorch")
Rosl Rössner (Abb. "Fischadler")

alle weiteren Abbildungen: Bayerische Staatsforsten
Axel Reichert, Bayerische Staatsforsten (Abb. "Gewölle", Abb. "Der Mäusebussard")