Youtube Instagram Pinterest Flickr Google+
Headerimage

Bayerns Wilde Wälder: Trittsteine der Natürlichen Waldentwicklung

Anlässlich der Entscheidung zu einem Dritten Nationalpark in Bayern, der auf Staatswaldflächen entstehen soll und von unserem Unternehmen durch fachliche Hilfestellung konstruktiv begleitet wird, stellt sich die Frage: Wo steht der Bayerische Staatswald heute bei der Natürlichen Waldentwicklung?  Das sind Wälder, die sich weitgehend unbeeinflusst vom Menschen natürlich entwickeln können mit einem dauerhaften Verzicht auf Holznutzung.

Schützen und Nutzen führt zu einer Vielzahl trittsteinartiger Naturschutzbereiche

Richtschnur für die Unternehmenspolitik der Bayerischen Staatsforsten ist die im Waldgesetz festgelegte vorbildliche Bewirtschaftung des Staatswaldes. Dabei kommt der von der Bayerischen Staatsregierung 2008 beschlossenen Bayerischen Biodiversitätsstrategie mit ihrem Leitbild des Schützens und Nutzens auf der ganzen Fläche besondere Bedeutung zu.

Wer den Grundsatz Schützen und Nutzen ernst nimmt, kommt ganz automatisch zu einer Vielzahl trittsteinartiger Naturschutzbereiche im nachhaltig genutzten Wald. Dabei untermauern in den letzten Jahren auch immer mehr Forschungsergebnisse die Richtigkeit des bayerischen Wegs Schützen und Nutzen auf der ganzen Fläche (Quellen unten aufgeführt).

Integrativer Verbund für den Natur- und Artenschutz

Eine Vielzahl kleiner und mittlerer Naturschutzbereiche trittsteinartig auf der ganzen Fläche verteilt, führt häufig zu größerer Biodiversität und Artenvielfalt als wenige Großschutzgebiete. Die Bayerischen Staatsforsten haben das Schützen und Nutzen auf der ganzen Fläche sehr ernst genommen und konsequent umgesetzt. Ergebnis: Eine große Fläche, nämlich mehr als zehn Prozent des Bayerischen Staatswaldes, sind in der Zwischenzeit der Natürlichen Waldentwicklung überlassen. Diese Flächen in natürlicher Waldentwicklung bilden ein bayernweites Netz aus einer Vielzahl von Trittsteinen, die anhand von fachlichen Kriterien sorgfältig ausgewählt wurden.

Bayern bei der Natürlichen Waldentwicklung im Staatswald Spitze in Deutschland

Mit der Bayerischen Biodiversitätsstrategie bekennt sich der Freistaat Bayern zu seiner wichtigen Aufgabe, die Biodiversität für die folgenden Generationen zu sichern. Ein wichtiger Fokus liegt dabei auf Flächen mit Natürlicher Waldentwicklung. Die Bayerischen Staatsforsten haben die Fläche mit Natürlicher Waldentwicklung im Staatswald erhoben: Im Ergebnis liegt Bayern mit einem aktuellen Anteil von 10,4 % an seiner Staatswaldfläche oder absolut einer Fläche von mindestens 81.800 Hektar in Natürlicher Waldentwicklung bundesweit in der Spitzengruppe. Kein anderes Bundesland hat so viele wilde Wälder wie Bayern! Die Fläche mit Natürlicher Waldentwicklung im Bayerischen Staatswald setzt sich wie folgt zusammen:

Ein etwaiger Dritter Nationalpark, der die Fläche Natürlicher Waldentwicklung im Bayerischen Staatswald zusätzlich um mehrere tausend Hektar erhöhen würde, ist dabei noch nicht berücksichtigt. Mit einem Dritten Nationalpark würde der Anteil von Flächen mit Natürlicher Waldentwicklung auf über 11 % ansteigen. Im Vergleich betragen die Anteile solcher Waldflächen in anderen Bundesländern nach deren Angaben: Sachsen: 6 %, Thüringen: 6,3 %, Sachsen-Anhalt: 9,3 %, Niedersachsen: rund 10 %, Hessen: 8 %, Nordrhein-Westfalen: 11,7 % und Rheinland-Pfalz: unter 10 %.

Die oben in der Tabelle für den Freistaat Bayern aufgeführten Waldflächen bilden ein bayernweites Netz an Trittsteinen der Natürlichen Waldentwicklung. Gerade im Bayerischen Hochgebirge liegen ausgedehnte Waldflächen in natürlicher Entwicklung, die das im Bayerischen Biodiversitätsprogramm 2030 nur für diesen Naturraum definierte Kriterium einer großräumigen Nichtnutzung erfüllen. Eine forstliche Nutzung findet dort auf Grund extremer Verhältnisse, schwieriger Geländebedingungen und naturschutzfachlicher Aspekte dauerhaft nicht statt.

Die Erfassung von Flächen mit Natürlicher Waldentwicklung im Bayerischen Staatswald orientiert sich methodisch an der auch in anderen Bundesländern angewandten Definition des Forschungsprojektes NWE-5 („Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“). Dabei wurden bayerische Besonderheiten wie z. B. charakteristische Verhältnisse im Gebirgswald, der Schutz von eigentumsgleichen Rechten sowie spezielle Naturschutzbelange berücksichtigt. Entsprechend der NWE-5-Anforderungen wurden Wälder mit natürlicher Entwicklung identifiziert, bei denen der Schutzstatus rechtlich bzw. vertraglich gesichert ist sowie Flächen, bei denen eine dokumentierte Eigenbindung des Schutzstatus vorliegt. Letzteres stellen die Bayerischen Staatsforsten als öffentlich-rechtliches Unternehmen im 100%igen Eigentum des Freistaats Bayern durch klare Dokumentation in Fachplanungen sicher. Diese unterliegen der laufenden Kontrolle durch den Aufsichtsrat sowie durch die Rechtsaufsicht des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Volle Transparenz: Alle Trittsteine mit Natürlicher Waldentwicklung im Internet

Die Bayerischen Staatsforsten legen großen Wert auf Transparenz. Daher haben die die Bayerischen Staatsforsten eine kartenmäßige Darstellung der Trittsteine mit Natürlicher Waldentwicklung veröffentlicht. In dieser sind bereits Trittsteine im Umfang von rund 45.000 ha exakt verortet. Jeder Bürger kann diese Trittsteine mit Natürlicher Waldentwicklung dann im Internet einsehen und auch in der Natur aufsuchen. Die Integration der übrigen Trittsteine in die interaktive Karte wird sukzessive bis 2020 vorgenommen, da zunächst noch z. T. aufwendige Abgrenzungs- und  Vermessungsarbeiten auch im schwer zugänglichen Gelände erforderlich sind.

Mit den oben genannten Ergebnissen zu den bereits heute gesicherten Flächen mit Natürlicher Waldentwicklung im Bayerischen Staatswald, die in ihrer Größenordnung auch durch Auswertungen der Bundeswaldinventur III zu nutzungsfreien Staatswaldflächen in Bayern bestätigt werden, erfüllt der Freistaat Bayern im Übrigen die Anforderungen der Nationalen Biodiversitätsstrategie. Noch gar nicht berücksichtigt sind in den oben dargestellten Flächen-Berechnungen die mehrere Millionen über ganz Bayern im Staatswald verteilten Biotopbäume. Sie werden von den Bayerischen Staatsforsten gezielt als biotopvernetzende Elemente im nachhaltig und naturnah bewirtschafteten Staatswald erhalten.

Quellen

U. a. MaxPlanckForschung 2/15 S. 60 „Bilanzim Biotop“; Biol. Unserer Zeit 5/2015 (45) S.304 „Spannungsfeld Forstwirtschaft und Naturschutz“. Auch der renommierte Umweltpolitiker Josef Göppel gibt dem flächigen, trittsteinartigen Naturschutz den Vorrang vor Großschutzgebieten: „Es ist wichtiger, in die Fläche zu gehen, um dem Artensterben zu begegnen, statt einige wenige Leuchtturmprojekte zu begründen.“ [Interview „Der letzte Öko der CSU“, Süddeutsche Zeitung vom 22. / 23.07.2017]