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Protokoll Unternehmertag 2016

Da den Bayerischen Staatsforsten ein enger Kontakt zu den Forstunternehmen sehr wichtig ist, lud man auch in diesem Jahr wieder zu einem Unternehmertag nach Regensburg ein. Heinz Läufer, Leiter Strategischer Einkauf, konnte dann am 03. Juni gut 100 Personen von ca. 60 Forstunternehmen begrüßen.

Läufer berichtete kurz über das aktuell noch anstehende Thema einer DIN für Ausschreibungen. Dazu traf sich in den letzten Monaten eine Arbeitsgruppe, die mit jeweils fünf Vertretern der Auftragnehmerseite und der Auftraggeberseite besetzt war. Mittlerweile konnte man sich darauf einigen, dass man für Ausschreibungen keine DIN benötigt, da vereinzelt auftretende Probleme in der Praxis weniger an der Vergabe liegen, als an der Vertragsabwicklung. Dies sollte jedoch mit einer besseren Kommunikation zu regeln sein, weshalb sich die Arbeitsgruppe darauf verständigte, hierfür ein Merkblatt zu erstellen. Als Ergebnis der Workshops wird das KWF dazu im September 2016 ein Merkblatt zur „Vergabe von Holzerntemaßnahmen“ veröffentlichen.  

Auch dem Vorstandsvorsitzenden Martin Neumeyer war es wichtig, persönlich die Forstunternehmerinnen und Forstunternehmer zu dieser Veranstaltung willkommen zu heißen und begrüßte darüber hinaus die Herren Faltl (Leiter Bereich Waldbau, Naturschutz, Jagd und Fischerei), Tausch (Leiter Bereich Finanzen, Rechnungswesen, Controlling) und Läufer.

Neumeyer sprach den Damen und Herren der Forstunternehmen zu Beginn seines Vortrags Dank und Anerkennung für die erbrachten Leistungen aus, insbesondere für die Einhaltung der von den Bayerischen Staatsforsten geforderten Qualitätsansprüche. Nur durch eine ökologisch verträgliche und nachhaltige Forstwirtschaft sei sichergestellt, dass die BaySF auch künftig den Auftrag für die Bewirtschaftung des Staatswaldes bekommt. Er betonte darüber hinaus, dass die überwiegende Zahl der BaySF-Auftragnehmer bayerische Unternehmen sind. Aufgeteilt nach Auftragsart sind dies derzeit ca. 88% bei Einschlag und Bringung, ca. 96% bei der reinen Rückung und rund 63% bei seilunterstützten Holzernteverfahren.

Bei einem Treffen mit den Forstunternehmerverbänden im Oktober 2015 wurde vereinbart, dass man das Thema künftiger Umgang mit Zuschlägen in der Holzernte gemeinsam vorantreiben und voraussichtlich noch im Sommer 2016 zu einem Ergebnis kommen möchte. Dabei ist ein +/- BaySF-einheitliches Vorgehen zielführend.

Die Wettbewerbssituation der Forstunternehmen ist nach wie vor nicht mit einer Aussage zu beschreiben. Der Wettbewerb in der Holzernte ist gleichbleibend hoch. In der Bringung von BaySF-Waldarbeiterholz und auch der seilunterstützten Holzernte sind Angebot und Nachfrage eher im Gleichgewicht.

Zur Nachwuchssituation bei den Forstwirten ist die Situation so, dass bei den Bayerischen Staatsforsten die Zahl der Ausbildungsbetriebe bereits erhöht wurde und auch gemäß NHK III die Personalstrategie vorsieht, weiterhin ein wenig über Bedarf auszubilden. Somit wäre ein gewisses Potential an gut ausgebildeten jungen Leuten auch für die Forstunternehmen vorhanden. Für zusätzliche Qualifikationen zum Maschinenführer wären jedoch die Unternehmerverbände zuständig.

Zum Schluss seiner Ausführungen ging der Vorstandsvorsitzende noch auf die mechanisierte Holzernte im Buchen-Stammholz ein, die eine Reihe von Vorteilen bringt. Versuche wurden bereits mit positiven Ergebnissen durchgeführt und eine erste Ausschreibung soll in Kürze folgen. Die Holzernte erfolgt dabei durch Baggerharvester mit Baumhalter. Wegen des hohen Gewichts von belaubten Buchen können die Stämme zwar nicht mit der sonst üblichen Hebetechnik geerntet werden, jedoch mit dem Baumhalter in die gewünschte Fällrichtung gelenkt werden.

Vorstand Martin Neumeyer bedankte sich nochmals bei den Gästen und wünschte der Veranstaltung einen guten Verlauf sowie ein anschließendes geselliges Beisammensein.  

Im Anschluss an die Worte des Vorstandsvorsitzenden berichtete Walter Faltl zum Thema „Waldbewirtschaftung im Zeichen des Klimawandels – Gemeinsame Herausforderung für Waldbau und Forsttechnik“. Dieser sehr interessante Vortrag verdeutlichte anhand von Zeitreihen und Statistiken insbesondere am Klimarisiko der Fichte, welches bis zum Jahr 2100 auf vielen Standorten in Bayern erheblich ansteigen wird, die Notwendigkeit des Waldumbaus. Der allgemeine Temperaturanstieg, eine Umverteilung der Niederschläge im Jahresverlauf, die Zunahme von Wetterextremen, ungewöhnlich milde Winter mit Abnahme von Schneebedeckung und Frostperioden, Veränderungen im Wasserhaushalt der Standorte sowie eine Verschiebung der Jahreszeiten (Vegetationszeiten) machen eine integrative und naturnahe Waldbewirtschaftung auf ganzer Fläche unumgänglich. Der Aufbau stabiler, klimatoleranter und wirtschaftlich leistungsfähiger Mischwälder ist erklärtes Ziel. Im Zentrum des Waldumbaus stehen dabei Nadelholz-Reinbestände (insbesondere Fichte und Kiefer) auf Standorten, auf denen sie von Natur aus nicht reinbestandsbildend vorkommen. Bei einer bereits zielgemäß vorausverjüngten Fläche von ca. 70.000 Hektar (2/3 Nadelholz und 1/3 Laubholz) verbleibt somit noch eine notwendige Waldumbaufläche von rund 130.000 Hektar. Dabei setzen die Bayerischen Staatsforsten - wo möglich und sinnvoll - in erster Linie auf Naturverjüngung, jedoch muss auch in den kommenden Jahren aktiver Waldumbau durch Pflanzung und Saat betrieben werden.

Im Zuge des Waldumbaus wird es umso wichtiger, dass qualifizierte BaySF-Mitarbeiter und qualifizierte, innovative forstliche Unternehmen eng zusammenarbeiten und mit moderner, pfleglicher Forsttechnik durch bestmöglich angepasste Holzernte den Wald bewirtschaften. Dabei sollte man forsttechnischen Weiterentwicklungen und neuen Produktionsverfahren aufgeschlossen gegenüberstehen. Bereits heute ist man diesbezüglich mit Verfahren und Techniken, wie Stehendentnahme über Verjüngung, Kombiaggregat, Superbreitreifen, Moorbänder oder Traktionsseilwinden, auf einem guten Weg.  

Nach der Kaffeepause berichtete Christoph Kropp vom Strategischen Einkauf zu den aktuellen Änderungen im Vergaberecht und gab Informationen zur elektronischen Vergabe („eVergabe“).

Zum 18. April mussten die EU-Richtlinien für Vergaben über den Schwellenwerten in nationales Recht umgesetzt werden. Die Regelungen im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) und in der Vergabeverordnung (VgV) haben in Zahl und Umfang deutlich zugenommen. Lieferungen/ Dienstleistungen und freiberufliche Leistungen wurden zusammengeführt, d.h. die VOL/A und die VOF gibt es über den Schwellenwerten nicht mehr. Der aktuelle Schwellenwert liegt derzeit für Lieferungen/Leistungen bei netto Euro 209.000. Die bisher gültige Einstufung von forstlichen Dienstleistungen über dem Schwellenwert als „Nachrangige Dienstleistungen“ ist jetzt entfallen, so dass sich für Ausschreibungen in der Holzernte die Angebotsfrist/Veröffentlichungsdauer auf mindestens 35 Tage erhöht.

Im Zusammenhang mit der Vergaberechtsmodernisierung müssen Ausschreibungen im Überschwellenbereich ab 18. April 2018 komplett elektronisch abgewickelt werden (= „eVergabe“). Dies bedeutet, dass die Bekanntmachung, das Einreichen von Angeboten, die Kommunikation bei Bieterfragen, die Auswertung von Angeboten, die Vorinformationen, Absagen und die Zuschlagserteilung vollständig papierlos und internetbasiert geschehen.

Die Pilotphase zur Einführung der eVergabe beginnt voraussichtlich am 01.07.2017. Um nicht zwei verschiedene Verfahren zu haben, werden bei den Bayerischen Staatsforsten ab diesem Zeitpunkt auch Ausschreibungen unter dem Schwellenwert elektronisch abgewickelt. Detaillierte Informationen zur eVergabe (erforderliche Ausstattung, Ausschreibungsplattform, Registrierung) erhalten die Forstunternehmen rechtzeitig durch die Zentrale sowie die Forstbetriebe.  

Beim letzten Tagesordnungspunkt ging es um die technische Maschinenausstattung bei der hochmechanisierten Holzernte. Seit geraumer Zeit werden von Forstmaschinen-Herstellern technische Verbesserungen angeboten, insbesondere geht es dabei um 800er Reifen bei Forwardern, Ablastung bei Forwardern, z.B.  auf 12 to, 8-Rad-Harvester und Kranreichweiten bei Rad-Harvestern. Jedoch nicht jede Investition in diese Richtung bringt auch für den Auftraggeber grundsätzlich Vorteile, d.h. bestimmte technische Eigenschaften werden ggf. nur einzelfallabhängig mit technischen Zusatzpunkten bewertet.  

Heinz Läufer erläuterte den Einfluss der verschiedenen Faktoren und deren Kombinationen auf die Vorder – und Hinterachsen/Lastachsen. Für den Bodendruck ist in jedem Fall entscheidend, dass das Arbeitsgewicht gleichmäßig auf die Anzahl der Räder verteilt wird.

Bzgl. einer Ablastung von maximal einer Stufe (z.B. von 14 to auf 12 to) verlangen die Bayerischen Staatsforsten einen Nachweis des Herstellers. Eine Ablastung bei Forwardern > 14 to ist nicht zielführend und wird künftig nicht mehr akzeptiert.

Eine höhere Kranreichweite bei Radharvestern bringt lediglich für die Forstunternehmer Vorteile (weniger Beifällung) und wird somit seitens der BaySF nicht zusatzbewertet. Darüber hinaus können nur leichtere Aggregate zum Einsatz kommen, was ggf. von Nachteil sein kann.  

Da das Thema Verkehrssicherung und deren Abwicklung immer wieder diskutiert wird, verwies Läufer zum Schluss der Veranstaltung noch auf die Bestimmungen der ZVU.  

Am Ende des fachlichen Teils der Veranstaltung bedankte sich Läufer für das zahlreiche Erscheinen sowie die interessanten Beiträge und Diskussionen. Die aufgetretenen Fragen (z.B. zu den Themen Ausbildung Forstwirte und Maschinenführer, Abrechnung von Zuschlägen, vermehrte Vor-Ort-Kontrolle der geforderten technischen Anforderungen) wurden aufgenommen und werden mit den zuständigen Stellen innerhalb der BaySF besprochen.  

Wie bei jedem Unternehmertag konnte man bei der anschließenden Brotzeit in persönlichen Gesprächen untereinander oder mit Vertretern der Bayerischen Staatsforsten das ein oder andere Thema noch vertiefen bzw. einfach gemütlich beisammen sein.