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Auf dem richtigen Weg - Wegebau im bayerischen Staatswald

Um in den Wald zu gelangen, Holz zu ernten und heraus zu bekommen, reicht es nicht, zwei, drei Bäumchen aus dem Weg zu räumen. Die Forstwirtschaft baut Wege für die Forstwirtschaft, die aber allen Waldbesuchern zu Gute kommen. Die Erschließung des Waldes durch verschiedene Arten von Wegen ist das zentrale Nervensystem der Waldbewirtschaftung.

Nicht mehr vom Wetter abhängig

Es ist noch gar nicht so lange her, da gehörte Schlamm einfach dazu, wenn man einen Fuß vor die Tür setzte. Regen oder Schnee konnten einen Weg in kürzester Zeit in eine unpassierbare Rutschbahn verwandeln und so Handel, Verkehr und auch Waldarbeiten unmöglich machen. Tausende von Jahren war das Vorwärtskommen vom Wetter abhängig. Heute ist dies nicht mehr so – dennoch bleibt Wasser der Hauptfeind jedes (Wald-)Weges.

Das ist die ideale Forststraße für professionellen Waldbau, Holztransport und Jagd.

Systematisches Netz aus Wegen

Der bayerische Staatswald ist von einem systematischen Netz aus Wegen durchzogen, um möglichst jeden Baum in angemessener Zeit erreichen zu können. 33 laufende Meter Weg gibt es im Schnitt pro Hektar im Staatswald – in Unterfranken etwas mehr, in den Alpen etwas weniger. Zusammengenommen ergibt das rund 23.000 Kilometer Forststraßen, die einen LKW aushalten, und knapp 16.000 Kilometer Rückewege sowie unbefestigte Rückegassen. Dazu kommen noch ein paar tausend Kilometer Rad- und Wanderwege. Jeder Typ Weg hat seinen eigenen Charakter und muss spezielle Anforderungen erfüllen, die an ihn gestellt werden.


Die sorgfältige Erschließung stellt sicher, dass die Stämme schonend und zügig aus dem Wald gebracht werden können.


Wenn man durch den bayerischen Staatswald streift, passiert man alle 30 Meter eine Rückegasse, quasi den ersten Weg des Stammes, der den Wald verlässt. Früher fuhr man kreuz und quer durch den Bestand, heute konzentriert man die Belastung durch die Fahrzeuge auf diese Gassen, um den Druck auf den empfindlichen Waldboden zu minimieren. Dabei werden 85 Prozent des Bodens überhaupt nicht befahren.

Rückung gefällter Bäume über Rückegasse. Nur auf diesen dürfen die Maschinen in den Wald fahren.

Die Steine sind entscheidend

Nachdem die Bäume über Rückegassen und -wege aus dem Bestand gebracht wurden, werden sie mit Holz-LKW auf Forststraßen aus dem Wald transportiert. Und auch wenn sie 40-Tonner klaglos erträgt, ist die Forststraße ein für Wasser anfälliges Sensibelchen. Deshalb ist die ganze Straße darauf ausgelegt, das Wasser schnell loszuwerden: Zunächst ist sie alles andere als eben. Im Profil zeigt sich ein sanfter Bogen mit einem Gefälle von mindestens fünf Prozent. So wird das Wasser in die Gräben rechts und links des Bogens abgeleitet.


Wege sind mittlerweile mehrdimensionale Gesamtkunstwerke und eine Wissenschaft für sich. Forststraßen brauchen Erfahrung und Sachverstand sowie Pflege, Pflege und nochmals Pflege. Dann sparen sie Geld und helfen, den Wald zu schützen.


Genauso wichtig sind die Steine der Forststraße, diese müssen nämlich scharfkantig sein. Runde Kiesel würden sich nicht verhaken, sondern ständig gegeneinander rollen. So könnte der Weg niemals stabil werden. Nur durch die Ecken und Kanten bilden sie eine dauerhafte Unterlage. Oder vielmehr mehrere Unterlagen, denn auf die gut 30 Zentimeter starke sogenannte Tragschicht der Trasse aus bis zu 55 Millimeter großen Steinen kommt eine Deckschicht aus etwas feinerem Material.

Sechs Punkte für eine gute Forststraße [Bitte auf das Bild klicken]

Pflege, Pflege und nochmals Pflege

Regelmäßig müssen diese Steine wieder zusammengekehrt werden, denn jeder LKW und jedes Auto, die auf der Forststraße unterwegs sind, bringen die Lagen etwas durcheinander. Deswegen gehört zur Pflege das regelmäßige Befahren mit dem so genannten R2-Gerät. Dabei zieht ein Trecker das Gerät über den Weg, die losen Kiesel werden zur Mitte hin geschoben und so das Profil wieder auf Idealmaße gebracht.

Das Befahren mit einem R2-Gerät gehört zu den regelmäßigen Pflegemaßnahmen. Hierbei werden lose verteilte Steine zurechtgerückt und das Profil wiederhergestellt.

In schlimmen Fällen, wenn ein Weg Löcher und Pfützen hat, muss der Schotter ergänzt und der Weg neu profiliert werden. Dabei hilft eine andere Maschine, der Grader. Nach seinem Einsatz sieht die Forststraße wieder aus wie neu. Die Pflege, das Im-Auge-behalten und rechtzeitige Reparieren sind in diesem Bereich die Hauptaufgaben.

Der Wegebau im Staatswald ist grundsätzlich abgeschlossen.

Gut 20 Kilometer Forststraßen werden im gesamten bayerischen Staatswald pro Jahr neu gebaut. Angesichts von 23.000 Kilometer bestehenden Straßennetzes nicht viel. Der größte Teil der Erschließung ist heute fertig.

Den kompletten Text sowie weitere Informationen finden Sie in unserem Magazin „Zahlenwald“.