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Schützen und Nutzen

Das Prinzip des Schützen und Nutzen auf ganzer Fläche bewährt sich in Bayern seit vielen Jahren

Der Königsweg für den Wald

Wir Bayern sind ja nicht gerade als harmoniesüchtig verschrien, die Bereitschaft zur eigenen Meinung – um es mal vorsichtig zu formulieren - ist uns von Ethnologen geradezu ins Stammbuch geschrieben. Sicher nicht ganz zu unrecht. Man sollte in Punkto Meinung aber nicht den Fehler machen, Überzeugung mit Dickköpfigkeit zu verwechseln. Während letzteres oft das Ergebnis mangelnder geistiger Flexibilität und eines übersteigerten Selbstbewusstseins ist, resultiert die Überzeugung aus Nachdenken, abwägen und kritischem Diskurs. In diesem Sinne – das können wir ganz unbescheiden sagen – sind die Bayerischen Staatsforsten ein sehr bayerisches Unternehmen. Denn wenn es um unsere Überzeugungen geht, können wir sehr bestimmt und klar auftreten. An der Diskussion um die Zukunft der Forstwirtschaft beteiligen wir uns daher leidenschaftlich gerne. Nüchtern, sachlich, unaufgeregt – aber voller Engagement. Denn als Forstbetrieb mit klarem gesetzlichem Auftrag ist uns die Zukunft des Waldes eine echte Herzensangelegenheit.

Die größte forstpolitische Gretchenfrage kreist seit einigen Jahren um das Thema, wie man den Wald am besten schützen kann. Die Diskussion verläuft dabei zwischen zwei unterschiedlichen Ansätzen: Die einen wollen den totalen Schutz von Wäldern und haben den Begriff der Wildnis als Idealbild für Deutschlands Wälder wiederbelebt.  Gerade so, als wären das Gegensätze, das Schützen und das Nutzen. Auf der anderen Seite sieht man die größten Vorteile für Wald und Mensch in einem Verbinden von Schützen und Nutzen auf der gleichen Fläche. Fachleute sprechen von „Segregation“, also dem Trennen von Schützen und Nutzen auf der einen Seite, und „Integration“, also dem Verbinden von unterschiedlichsten Ansprüchen an den Wald andererseits.

Die Bundesregierung spricht sich in ihrer Biodiversitätsstrategie zum Beispiel dafür aus, zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche nicht mehr zu nutzen und nennt das „Stilllegung“. Auf diesem Gebiet soll sich der Wald „natürlich“ entwickeln. Eine Forderung, die erst einmal konsensfähig klingt, sollen doch 90% weiter bewirtschaftet werden. Denkt man den Gedanken aber fertig, heißt das, dass immerhin jeder zehnte Quadratmeter Waldfläche überhaupt nicht mehr bewirtschaftet wird. Der Verlust an Holz, auch an ökologischen Vorteilen für die Gesellschaft wäre enorm, zumal die Nachfrage nach Holz weiter steigt.

Woher sonst  also den Rohstoff nehmen? Aus Ländern importieren, in denen es mit Waldschutz oder Nachhaltigkeit nicht weit her und Raubbau an der Natur an der Tagesordnung ist? Das heißt nichts anderes als: Wir legen uns hierzulande grüne Oasen an und beuten dadurch gleichzeitig die Rohstoffe anderer Länder aus. So ein Vorgehen könnte man auch Neokolonialismus nennen.

Wäre es da nicht besser, den nachwachsenden und ökologischen Rohstoff hierzulande zu erzeugen und auch zu nutzen? Naturnahe und integrative Forstwirtschaft ist dasjenige Modell, das in Bayern seit Jahrzehnten praktiziert wird.

Wir glauben, dass der Wald allen Nutzern gleichermaßen offen stehen sollte und dass Forstwirtschaft, Erholungssuchende, Jäger, Buche, Douglasie, Reh, Juchtenkäfer, Halsbandschnäpper und Schwarzspecht auf der gleichen Fläche gut miteinander auskommen – vorausgesetzt natürlich, dass gewisse Regeln beachtet werden.

Über 700 000 private Waldbesitzer in Bayern und die Bayerischen Staatsforsten sind überzeugt: Das Modell der integrativen Waldwirtschaft ist richtig. Es herrscht – eigentlich fast untypisch für uns Bayern – ungetrübte Einigkeit. Den Streit um unser Modell führen wir gerne ... und aus Überzeugung!