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Kein Holzweg

Holz ist der älteste Werkstoff des Menschen. Und der modernste!

Der Mensch hat sich wirklich viel Mühe gegeben: Er hat Energie, Zeit und Geld investiert. Er hat Millionen von Tagen und Nächten vor Lehrbüchern, Mikroskopen und Bunsenbrennern verbracht. Er hat das Periodensystem der Elemente erstellt, die Vulkanisierung und die Polymerisation erfunden, und sich darüber den Kopf zerbrochen, wie man Ton und Kalkstein mahlen und zu Zement verwandeln kann. Aber alle diese Mühen und Anstrengungen und Ideen ändern nichts an der Tatsache, dass der vielfältigste und modernste Werkstoff nicht in Hochöfen oder Hightech-Laboren entsteht. Sondern in der Natur.

Es stehen etwa drei Billionen Bäume auf der Erde und bedecken gut ein Drittel der gesamten Landfläche. Eine Fichte bei uns wächst im Jahr etwa 30 bis 40 Zentimeter in die Höhe. Ein Gratisgeschenk der Schöpfung. Gerade  sind  die  Menschen  dabei,  dieses  Geschenk  neu  für  sich  zu entdecken – nachdem sie sich mehrere Jahrzehnte lang vor allem für die von ihnen selbst geschaffenen Kunststoffe begeisterten und ihre Wohnzimmer und ihr Leben mit Beton, Chrom und Plastik anreicherten.

Mit Holz bauen wird wieder modern

Holz ist ein hochmoderner Werkstoff. Das sieht man zum Beispiel beim Hausbau. Balken und Latten waren früher in Länge und Breite auf die Maße eines Baumes begrenzt. Heute kann man Holzmodule in jeder gewünschten Größe herstellen. Beim Brettsperrholz zum Beispiel werden mehrere Lagen aus dünnen Schnitthölzern jeweils rechtwinklig zueinander verleimt. So lassen sich Wand- und Deckenelemente  mit  bis  zu  acht  Metern  Spannweite  und  sogar  ganze Zimmer bereits in der Fabrik konstruieren und anschließend  zur  Baustelle  verfrachten.  Mit  Beton  ist ein solches Vorgehen nicht möglich, die bis zu fünfmal schwereren Betonelemente eigenen sich nicht für den Transport. Arbeitet man mit Holz, kann man also auf der Baustelle enorm Zeit sparen.

Auch für das Bauen im Bestand bietet sich Holz an. Wegen der modularen Bauweise sind die Beeinträchtigungen für die Anwohner viel geringer. Der Berliner Architekt Tom Kaden gilt als Pionier des mehrgeschossigen Holzbaus in Deutschland. Er sagt: „Ich bin kein Ideologe, aber Holz ist den meisten anderen Materialien bauphysikalisch einfach überlegen.“ Der moderne Konsument studiert nicht nur das Preisschild, sondern liest auch das Groß- und Kleingedruckte der Produktbeschreibung und will nicht nur sein Haus, sondern auch die Welt zu einem grüneren, besseren und schöneren Ort machen. Auch das macht Holz so attraktiv. Während ein Baum wächst, lagert er Kohlenstoff ein. Durchschnittlich filtert ein Hektar Wald jährlich rund 10 Tonnen Kohlendioxid. Eine hundert Jahre alte, circa 35 Meter hohe Fichte mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern hat 2,6 Tonnen CO2 aufgenommen. Der Kohlenstoff bleibt gebunden. Gleichzeitig wird bei der Holzverarbeitung verhältnismäßig wenig Kohlendioxid ausgestoßen. So fällt nach Untersuchungen der Technischen  Universität  München die Kohlendioxid-Bilanz beim Holzbau um bis zu 70 Prozent besser aus als bei den üblichen Standardbauweisen.

Bayerische Staatsforsten als Wegbereiter

Bereits heute können die Bayerischen Staatsforsten eine ganze Reihe von Beispielen liefern, wie moderner und innovativer Holzbau umgesetzt werden kann. Der Baumwipfelpfad Steigerwald ist ein gutes Beispiel. Dort wurde nicht nur der eigentliche Pfad in Holzbauweise realisiert, sondern auch die Verwaltungsgebäude, der Shop und das Gastronomiegebäude.

2014 wurde in Vilshofen im Forstbetrieb Burglengenfeld das Vilstalzentrum fertig gestellt, in das gleich mehrere Nutzungsmöglichkeiten integriert sind. Lehrlingswerkstätte, Büros und Wildkammer - alles aus Holz - werden seither intensiv genutzt.


Ein drittes Beispiel ist der Holzanbau am Forstbetriebsgebäude in Heigenbrücken, der 2015 fertig gestellt wurde und der die Evolution der Baustoffe gut zeigt. Dort wurde an das alte, in traditioneller Steinbauweise errichtete Forstbetriebsgebäude ein moderner Holzbau gebaut. „In dem Multifunktionsgebäude sind Büroräume, Lehrlingswerkstätten und eine Wildkammer untergebracht – genau nach den Wünschen des Forstbetriebs.

Ein echter Hingucker ist auch unsere Zentrale in Regensburg. Aus einem schmucklosen 60er Jahre Bau wurde eine wahre Vorzeigezentrale der Bayerischen Staatsforsten. Es wurden 250 Kubikmeter Holz verbaut, vorwiegend Lärche und Eiche. Ein zusätzlicher vierter Stock entstand in Holzbauweise auf dem alten Dach, der Innenhof kommt fast ohne künstliches Licht aus.

Gesund durch Holz

Und: Holz hat nachweislich  positive  gesundheitliche  Effekte. Holz besteht aus unzähligen luftgefüllten Zellen, die Feuchtigkeit aufnehmen können, wenn wir beispielsweise in einem Raum kochen, die Wäsche aufhängen – oder einfach atmen. Ist es im Raum dagegen zu trocken, gibt das Holz die Feuchtigkeit wieder ab. Das ist gut für die Atemwege und beugt Erkältungen vor. Glatte Holzoberflächen können außerdem bei Allergien hilfreich sein: Hausstaub, Milben, Pollen, aber auch Bakterien lassen sich leichter von den feinporigen Oberflächen wischen. Das zeigt beispielsweise eine Studie der University of Wisconsin-Madison. Die Forscher hatten Schneidebretter untersucht. Auf feuchten Plastikbrettern überleben Bakterien sehr gut, lassen sich aber auch gut abwaschen. Ist das Plastikbrett verkratzt, kann man viele Erreger hingegen kaum mehr entfernen. Das ist sowohl bei neuen als auch bei alten und verkratzen Holzbrettern anders: Die Bakterien sterben schnell ab. Holz wirkt antibakteriell.

Einige wichtige  Untersuchungen zur therapeutischen Wirkung des Holzes hat das Joanneum-Institut in Graz durchgeführt. Eine Studie beschäftigt sich beispielsweise mit einer Hauptschule in der Steiermark. Im Rahmen einer Generalsanierung waren zwei Klassenräume komplett aus Holz errichtet worden. Schüler der Holzklassen hatten einen deutlich niedrigeren Puls, schliefen zu Hause besser und waren allgemein deutlich erholter als ihre Klassenkameraden in den herkömmlichen Klassenzimmern. Ähnliche Ergebnisse brachten Untersuchungen des Grazer Instituts, bei denen sich die Versuchspersonen in Räumen aus Zirbenholz aufhielten oder in Zirbenholzbetten schliefen.

Vor 300 Millionen Jahren wuchsen auf der Erde die ersten Bäume. Die ältesten Feuerstellen sind bis zu einer Million Jahre alt. Die ersten Werkzeuge des Menschen waren vermutlich aus Holz, denn Stein ist wesentlich schwerer zu bearbeiten. Holz hat den Menschen von Anbeginn begleitet und ihm erst ein menschliches Leben ermöglicht. Daran ändert sich auch in der modernen Welt von Nanotechnologie, Robotik und dem Internet der Dinge nichts. Das Holzzeitalter beginnt gerade erst richtig.