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Winterfütterung von Wild

17.11.2017, Sonthofen - Der Forstbetrieb Sonthofen der Bayerischen Staatsforsten unterhält auf seinen Flächen derzeit drei Wildfütterungen, die es dem Rotwild ermöglichen, in angemessener Zahl in den Bergen zu überleben. Früher ist das Rotwild im Winter in die weniger schneereichen Tieflagen, z.B. die Illerauen gewandert. Die moderne Infrastruktur hat die Rotwildwanderung unmöglich gemacht. Teilweise sind die Winterlebensräume auch völlig verschwunden. Deshalb ist das Rotwild als einzige der bei uns vorkommenden Schalenwildarten heute auf Hilfestellung angewiesen. Weil es nicht mehr – wie früher üblich – den unwirtlichen Winterlebensraum Gebirge verlassen kann. 

Die Revierinhaber sind in der sogenannten „Notzeit“ gesetzlich verpflichtet, für das Wild zu sorgen. Wann diese Zeit eintritt, muss vor Ort entschieden werden. „Das ist auch sehr sinnvoll, weil die Situation örtlich sehr verschieden sein kann – Schneehöhe, Schneeart – ob locker oder gefroren, Nord- oder Südlage, Beunruhigung, Wilddichte – all das spielt eine Rolle und muss vom Revierinhaber bedacht werden, bevor er sich entscheidet“, erklärt Forstbetriebsleiter Jann Oetting.

Staatsforsten-Berufsjäger Josef Günster ergänzt: „Ein Hauptfaktor ist das Eintreten einer hohen und gelichzeitig fest gefrorenen Schneelage. Die macht es den Tieren unmöglich, an die verbliebene Vegetation, welche im Winter natürlicherweise die einzige Nahrungsgrundlage darstellt, zu gelangen. Dieser Punkt ist meist erst relativ spät im Jahr erreicht. Bis dahin scharrt sich das Wild die notwendige Nahrung aus dem Schnee oder verbeißt die Knospen junge Bäume und Sträucher welche es noch erreichen kann. Bis zu einem gewissen Maß ist dieser Verbiss also durchaus natürlich“.

Voraussetzung ist aber, dass genügend Bodenvegetation und nicht zu viel Wild auf den Flächen vorhanden ist. Beides zusammen schließt sich gegenseitig aus: Zu viel Wild auf der Fläche lässt nicht genügende Menge Nahrung übrig oder gar nicht erst aufwachsen. Die Folge ist eine übermäßige, nicht mehr tolerierbare Schädigung der jungen Bäume. Forstbetriebsleiter Jann Oetting: „Hier sollte der Jäger mit dem richtigen Augenmaß vorgehen. Es dürfen also nicht mehr Tiere in einem Gebiet leben, als dieses im Winter Nahrung zur Verfügung stellen kann. Aus diesem Grund muss während der Jagdzeit auch konsequent gejagt werden. Ziel ist ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Wildlebensraum und der Anzahl der dort lebenden Wildtiere.“

Dass der Winter einen natürlichen Flaschenhals darstellt, in denen schwache und kranke Stücke sterben und somit eine gesunde Population in das nächste Jahr tritt, ist eine naturgegebene Tatsache. Reh- und Gamswild werden vom Forstbetrieb Sonthofen nicht gefüttert, weil diese Wildarten nicht wandern und gesunde Individuen den Winter auch ohne menschliche Hilfe überstehen. Winterverluste gehören dabei zur natürlichen Lebenswirklichkeit aller Wildarten.

Durch die Vorlage von artgerechten Futtermitteln, also Heu und Grassilage, wird Rotwild davon abgehalten, den Wald übermäßig zu schädigen. Auf eine Kraftfuttergabe wird bei den Bayerischen Staatsforsten ebenso konsequent verzichtet wie auf die Gabe von Medikamenten. Berufsjäger Josef Günster wirbt: „Am besten gefällt es allen Wildarten in einem gesunden Bergmischwald: Damit dieser entstehen und gedeihen kann, jagen wir und erhalten gleichzeitig ein sehr gesundes Lebensmittel: Das Wildfleisch aus den Revieren der Bayerischen Staatsforsten ist feinaromatisch im Geschmack, weil würzige Kräuter und Waldpflanzen die Wildnahrung sind. Es ist reich an Mineralstoffen und B2-Vitaminen, überwiegend fettarm und durch die naturgemäße und artgerechte Muskelentwicklung kernig in seiner Struktur!“