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WBV im Frankenwald

Wie sieht der Weg hin zum Zukunftswald aus? Waldbesitzer vom Obermain informierten sich über den laufenden Waldumbau im Frankenwald.

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Rothenkirchen, 4. Dezember 2017 - Der Frankenwald als „Waldgebiet des Jahres“ zieht zunehmend das überörtliche Interesse auch von Forstleuten und Waldbesitzern auf sich. Besonders die Bemühungen zum Waldumbau im Zeichen des Klimawandels stehen auf dem Programm fachlicher Exkursionen. Jetzt führte eine Fahrt der Waldbesitzervereinigung (WBV) Lichtenfels-Staffelstein zu diesem Thema in den Forstbetrieb Rothenkirchen.

Nachdem die Waldbesitzer aus dem Nachbarlandkreis sich bereits vor zehn Jahren ein aktuelles Bild von den damals frischen Folgen des „Kyrill“-Sturmes im Frankenwald gemacht hatten, war auch diesmal das Interesse groß. Der Einladung von WBV- Vorsitzendem Robert Hümmer und Geschäftsführerin Iris Götting-Henneberg zur Lehrfahrt der Obleute waren fast 50 Interessenten gefolgt. Auf dem Programm standen neben einem Überblick über die Aktionen im Jahr des „Waldgebietes 2017“ und ihren Folgeprojekten vor allem waldbauliche Themen. Vor allem Fragen zur künftigen Rolle der Fichte und zum Weg hin zu einem gemischten Zukunftswald standen dabei im Vordergrund.

Auf einer Exkursionsroute von Kronach in den Staatswald des Forstreviers Ködel stellte Forstbetriebsleiter Peter Hagemann die waldbaulichen Konzepte der Bayerischen Staatsforsten vor, die im Frankenwald besonders von der Vielzahl der Waldfunktionen und der wachsenden Borkenkäfergefahr geprägt sind. Mit Blick auf die Ködeltalsperre ging es um die Leistungen des Waldes für die Gesellschaft, die auf gleicher Fläche gleichzeitig zu erbringen sind: Naturschutz, Wasserschutz, Bodenschutz, Rohstoffversorgung der heimischen Sägewerke und Erholung der Bevölkerung müssen auch in Zukunft sichergestellt sein. Dafür müssten die noch stark von der Fichte geprägten Waldbestände in Mischwälder umgewandelt werden, so Hagemann: „Der Klimawandel lässt uns keine Wahl. Die Fichte allein wird all diese Aufgaben künftig nicht mehr erfüllen können.“

Wie man praktisch Fichtenbestände mit zusätzlichen Baumarten für die künftige Waldgeneration anreichert, darum ging es am zweiten Exkursionspunkt. Besonders die großflächigen Fichtenreinbestände, die in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts im Frankenwald entstanden, seien hier eine große Herausforderung. „Unsere Vorgänger haben damals große Sturmflächen wieder aufforsten und haben dabei erfolgreich auf die robuste Fichte setzen müssen. Vom heutigen Klimawandel konnten sie noch nichts wissen“, so Hagemann. „Wir wissen heute, dass der Frankenwald in Zukunft ein Mischwald sein muss, wenn er überleben soll.“ Ziel im Staatswald sei es, mindestens vier verschiedene Baumarten in den künftigen Beständen zu haben. Das seien auf den meisten Standorten neben der Fichte die Buche, die Tanne und oft die Douglasie oder die Lärche. Eine möglichst breite Baumartenpalette mit zusätzlich noch Birke, Schwarzerle und Vogelbeere und den Edellaubhölzern Bergahorn und Linde stünden im Frankenwald zur Streuung des Klimarisikos zur Verfügung. Auch wärmeliebende Arten wie Eiche oder Kirsche würden eingebracht. Ausführlich diskutiert wurden von den Teilnehmern der Lehrfahrt besonders die waldbaulichen Techniken, um die gewünschten Mischbaumarten bereits frühzeitig unter dem Schirmschutz der Fichtenbestände einzubringen. Einig war man sich beim gemeinsamen Ziel: Künftigen Generationen einen stabilen, in jeder Hinsicht leistungsfähigen Wald zu hinterlassen.