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Waldsamen im Frankenwald

Große Hoffnung für die Laubholzverjüngung: In den mittleren Lagen des Frankenwaldes trägt fast jede Rotbuche reichlich Früchte.

Rothenkirchen, 05. September 2016 - Der Frankenwald ist dabei, aus einem Fichtenforst zu einem artenreichen, stabilen Mischwald zu werden. Förster und Waldbesitzer sprechen gern vom „Waldumbau“, wenn sie ihren Beitrag an dieser Zukunftsaufgabe beschreiben. Aber ohne die Natur geht es nicht: Die Waldbäume müssen Früchte tragen um Nachwuchs zu produzieren. Und dafür sieht es in diesem Jahr besonders gut aus.

„Vollmast“ nennen es die Förster, wenn bei einer Baumart praktisch jeder Baum Frucht trägt. - Woher der Name? Peter Hagemann vom Forstbetrieb Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten gibt Auskunft: „Der Ausdruck geht auf Zeiten zurück, in denen das Vieh im Herbst in die Wälder getrieben wurde, um es mit Eicheln oder Bucheckern zu mästen. Volksweisheiten wie „Auf den Eichen wachsen die besten Schinken“, gehen darauf zurück.“ Heute würde die Bezeichnung auch für andere Waldbäume verwendet: „Echte Vollmasten sind bei den meisten Baumarten relativ selten, häufiger sind sogenannte Halbmasten oder Sprengmasten mit entsprechend weniger samentragenden Bäumen“.

Im bevorstehenden Herbst können sich die Waldbesitzer im Frankenwald über besonders reichen Samenbehang bei den Laubbäumen freuen: „Bei der Buche können wir sicher von einer Vollmast sprechen, ebenso beim Bergahorn, der Linde und der Hainbuche“, sagt Hagemann. „Nadelbäume wie Tanne, Douglasie und Fichte sind zumindest mit Sprengmasten beteiligt.“ Zu wünschen wären jetzt noch ideale Bedingungen für die natürliche Samenverbreitung im Winterhalbjahr: „Leichte Samen aus den Nadelholzzapfen oder die mit Flughilfen ausgestatteten Ahorn- und Eschensamen können bei gutem Wind sehr weit getragen werden. Die schwereren Früchte von Eichen, Buchen oder Tannen bekommen sozusagen ebenfalls Flügel: Hier hilft uns der Eichelhäher oder – typisch für den Frankenwald – der Tannenhäher.“ Beide Vogelarten legten Samendepots für den Winter an, weit mehr als hinterher genutzt oder wiedergefunden würden. Genauso spielten auch Nagetiere wie Eichhörnchen oder Waldmaus eine wichtige Rolle bei der Samenverbreitung.

Der Nutzen für die Zukunft des Frankenwaldes besteht aber nicht nur in der natürlichen Verjüngung der Baumarten. Auch für die Nachzucht von Forstpflanzen in Pflanzgärten und Baumschulen werden dringend Samen benötigt. „Herkunftsgerecht“ heißt hier das Stichwort. Das heißt, für Aufforstungen darf nur Pflanzmaterial zum Einsatz kommen, das aus Saatgut passender Region und Höhenlage gewonnen wurde. Für den Frankenwald von morgen am besten natürlich direkt aus dem Frankenwald von heute. Hagemann: „Dafür haben wir spezielle Erntebestände, die nach hohen Qualitätsstandards ausgewählt und gesetzlich zugelassen wurden. Die Ernte im nordbayerischen Staatswald wird vom Pflanzgartenstützpunkt Bindlach der Bayerischen Staatsforsten organisiert, ebenso die Abgabe an  Baumschulen aus ganz Deutschland“.     Und wann geht´s los mit der Ernte? – „Wir sind schon mitten drin“, so der Forstbetriebsleiter, „das Pflücken der Douglasienzapfen ist bereits abgeschlossen, als Nächstes ist die Weißtanne dran.“ Bei beiden Nadelbaumarten müsse man rechtzeitig dran sein, weil sie ihre Samen sehr früh verbreiten. Erst im Oktober schließe sich dann die Bucheckernernte an. „Jede Ernteaktion im Wald und der weitere Weg vom Samen bis zur fertigen Forstpflanze wird von den Kollegen der Bayerischen Forstverwaltung nach dem Forstsaatgutgesetz streng kontrolliert. Damit wird sichergestellt, dass die nächste Waldgeneration im Frankenwald den speziellen Wuchsbedingungen hier angepasst und damit gesund und leistungsfähig ist. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung.“      

Wenn Forstleute von „Vollmast“ sprechen, hat das nichts mit dem häufig zitierten „Vollpfosten“ zu tun. Vielmehr handelt es sich um ein altes Maß für den Samenbehang an Waldbäumen.

 

  • Vollmast: Nahezu alle Bäume einer Art haben starken Zapfen- oder Fruchtbehang.
  • Halbmast: Bestandesränder und vorwüchsige Bäume haben guten Behang.                        
  • Sprengmast: Nur einzelne Bäume haben guten Behang.                                                          
  • Fehlmast: Guter Behang bei keinem oder fast keinem Baum.

Je nach Baumart schwankt der Abstand zwischen den sogenannten „Mastjahren“. Echte Vollmasten kommen bei Eiche oder Buche im Durchschnitt nur etwa alle zehn Jahre vor, bei Birke oder Ahorn manchmal in mehreren Jahren nacheinander.                                                                                

Ob ein Baum blüht und dann Frucht trägt, entscheidet sich bereits ein Jahr zuvor, wenn die Blütenknospen angelegt werden. Oft folgen auf Trockenjahre gute Samenjahre. Über den Erfolg von Blüte und Fruchtbildung entscheiden dann im Reifejahr noch Witterungseinflüsse wie Spätfröste oder Sommertrockenheit.