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Vulkane in der Kürnach?

Vulkane in der Kürnach? Nein, hier dampfen nur die Hackschnitzel (Foto: Johann Mayr, BaySF)

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Er ähnelt einem Vulkan, besonders an kalten Wintertagen: Der Hackschnitzelberg im Kürnachtal gleich neben der Staatsstraße. Dann dampft er geheimnisvoll an seinen Flanken und aus seinem Krater. Eben wie ein Vulkan in Miniaturformat. 

Bereits 30 Zentimeter unter der Oberfläche sorgen Gärungsprozesse für handwarme Temperaturen, die an exponierten Stellen selbst Schnee zum Tauen bringen. „Man kann hier die Energie regelrecht erfühlen!“, freut sich Revierleiter Johann Mayr, der für einen Teil des Staatswaldes der Kürnach verantwortlich ist. „Im Laufe des Sommers wird auf diesem besonders ausgebauten Hackschnitzelplatz der Bayerischen Staatsforsten eine Art „Akku“ für die kalte Jahreszeit aufgeladen: Gehackte Baumwipfel aus der  Forstwirtschaft, welche nicht sofort in den umliegenden Heizkraftwerken Verwendung findet, warten auf den Abtransport“, so Mayr weiter.

Gerade im Winter ist der Bedarf an Wärme und Energie besonders hoch und deshalb ist ein verkehrsgünstig gelegenes Vorratslager ein Vorteil für alle: Für die Bayerischen Staatsforsten, die mit ihrem „Zentrum für Energieholz“ viele Heizkraftwerke möglichst regional beliefern und über eine Million Schüttraummeter Hackgut bewegen. Und für die Region, weil dann das Hackgut nur kurze Strecken auf der Straße ist. Nochmal Staatsforsten-Revierleiter Mayr: „Wenn im Winter die Abfuhr direkt aus dem Wald ins Stocken gerät, weil zu viel Schnee liegt, muss eben der Akku herhalten: Wir räumen dann die straßennahen Lager und die Wärmeversorgung bleibt gesichert.“

Hackschnitzel gelten als besonders umweltfreundlich. Sie stammen aus nachwachsenden Rohstoffen, schonen Öl- und Kohlevorräte der Erde und wirken sich somit auf unsere CO2-Bilanz positiv aus, weil sie als nachwachsende Rohstoffe Öl oder Kohle ersetzen. Etwa 2.000 Schüttraummeter lagern in der Kürnach – gleichmäßig zerkleinerte Äste und Baumgipfel. Das entspricht etwa 150.000 Liter Heizöl. Genug, um etwa 100 moderne Einfamilienhäuser ein Jahr mit Heizenergie und Warmwasser zu versorgen. Zurzeit „schmilzt“ der Vulkan dahin, Schluss mit Vulkandampf - der Hackschnitzelplatz wird geräumt und der Akku füllt sich im kommenden Sommer wieder. Ganzjährig stellt alleine der Forstbetrieb Sonthofen im Durchschnitt 8.000 Schüttraummeter Hackschnitzel bereit – genug Energie, um ein mittleres Dorf im Allgäu umweltfreundlich mit Heizenergie zu versorgen.