Youtube Instagram Pinterest Flickr Google+
Headerimage

Spechtschutz im Forstbetrieb Sonthofen

In diesem stehenden Fichtentotholzstamm gibt es viele Wohnungen, die der Specht angelegt hat. (Foto: Jann Oetting, BaySF)

10.11.2017, Sonthofen - Der Schutz der Spechte und ihrer Bruthöhlen ist dem Staatsforstbetrieb Sonthofen ein besonderes Anliegen. Deshalb werden Bäume mit Spechthöhlen bei Holzerntemaßnahmen besonders gekennzeichnet und stehen gelassen. Diese mit einer Wellenlinie gekennzeichneten Bäume zeigen dem Praktiker im Wald, dass der Baum erhalten werden soll. Denn die Höhlenbäume sind oft nicht leicht erkennbar.

Beim Auszeichnen der Bestände legt der Förster fest, welche Bäume gefällt werden und welche Bäume für die Zukunft weiter wachsen sollen. Gleichzeitig werden die Bäume markiert, die ökologisch wertvoll sind und als Biotopbäume erhalten bleiben. Sie werden dem natürlichen Zerfall überlassen. Dabei handelt es sich um verschiedene Baumarten und verschiedene Merkmale wie Horstbäume, Bäume mit Faulstellen oder tiefen Spalten und Höhlen. „Im Forstbetrieb Sonthofen kennzeichnen wir solche Bäume mit einer Wellenlinie“, klärt Forstbetriebsleiter Jann Oetting auf.

Eine Sonderstellung haben hierbei die Höhlenbäume der Spechte, besonders die Höhlen der Schwarzspechte. Der Schwarzspecht baut seine Höhlen oft über Jahre hinweg und dabei sogar gleichzeitig an verschiedenen Höhlen. Die Bäume mit angefangenen Höhlen werden als Anschlagbäume bezeichnet und sind oft sehr schlecht zu sehen. „Wir erfassen im Rahmen der Inventur Biotopbäume. Die Bedeutung der Anschlagbäume wurde in den letzten Jahren erkannt“ so Förster Jörg Tarne vom Revier Oberstaufen-Lindau. Denn wird so ein Baum versehentlich gefällt, muss der Specht an anderer Stelle von neuem anfangen. Verlassene Spechthöhlen sind für weitere geschützte Arten wichtig. So werden sie von Hohltaube, Rauhfußkauz, Siebenschläfer, Hornissen und Wildbienen genutzt. „Die Fachleute nennen das Kaskadennutzung“, erklärt Staatsförster Jörg Tarne die Vielfachverwendung der Waldwohnungen.

Die Bayerischen Staatsforsten haben seit 2008 ein Naturschutzkonzept, das als eine wesentliche Komponente den Schutz der Biotopbäume und Totholz beinhaltet. „2014 wurde das Konzept für den Forstbetrieb Sonthofen regionalisiert. Seitdem ist offizielle Vorgabe, was viele unserer Försterinnen und Förster schon seit Jahren machen: Schützen und Nützen auf gleicher Fläche zu realisieren“, freut sich Jann Oetting. Mit dem Schutz der Höhlenbäume, der Anschlagbäume und des Belassens des Totholzes im Wald tragen die Bayerischen Staatsforsten zum Erhalt vieler seltener Tierarten bei.