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Nasse Füße erwünscht

Arbeitsbesprechung auf der Königsheide: Baggerfahrer Andreas Robisch, Peter Schöffel, Förster beim Forstbetrieb Fichtelberg, Matthias Huttner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth und Markus Kölbel, Teilbereichsleiter Naturschutz an der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten in Regensburg (v.l.n.r.) planen das weitere Vorgehen bei der Moorrenaturierung.

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Forstbetrieb Fichtelberg vergrößert Moorflächen auf der Königsheide

Goldkronach, 17. August 2017 – Um fast drei Hektar vergrößert sich die Moorfläche auf der Königsheide. Dazu verschließt gerade im Auftrag der Bayerischen Staatsforsten ein Moorbagger die alten Entwässerungsgräben. Mitarbeiter von Forst und Naturschutz erläuterten vor Ort Ziele und Hintergründe der Maßnahme.

Quietschend und ächzend schiebt sich ein mächtiger Kettenbagger durch den Wald bei Goldkronach. Seine meterbreiten Bänder helfen ihm, hier auf dem schwarzen, feuchten Moorboden nicht einzusinken. Baggerführer Andreas Robisch dirigiert das tonnenschwere Gerät gezielt an eine tiefe, nasse Rinne, die er anschließend umgräbt.

Findet hier ein Naturfrevel allergrößten Ausmaßes statt?

„Hier findet kein Naturfrevel statt“, betont Peter Schöffel, der zuständige Förster vom Forstbetrieb in Fichtelberg „Die Bayerischen Staatsforsten renaturieren nach und nach auf der Königsheide alle Moorflächen, die die Menschen in früherer Zeit entwässert haben. Aktuell verfüllen wir hier in der Tümpfellohe auf einer Fläche von 2,5 ha die alten Entwässerungsgräben. Damit halten wir zukünftig das Niederschlagswasser im Moor zurück und heben den Wasserspiegel.“

Geschickt legt Andreas Robisch mit scharrenden Bewegungen seiner Baggerschaufel den Entwässerungsgraben frei und füllt ihn systematisch mit lehmig-tonigem Erdreich auf, das er vor Ort findet. Dadurch ist der Wasserabfluss dauerhaft gestoppt und das Moor kann sich wieder entwickeln.  Insgesamt hat der Forstbetrieb Fichtelberg in den letzten Jahren auf diese Weise mehr als 100 ha Moorflächen in einen naturnahen Zustand zurückversetzt.

Matthias Huttner, Naturschutz-Spezialist beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth ist sichtlich angetan von der Aktion. „Solche Moore sind Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Sie speichern das Treibhausgas Kohlendioxid und sind in der Lage, wie ein Schwamm Starkregen aufzusaugen und später langsam weiterzugeben. Damit helfen sie, Hochwasserspitzen zu vermeiden.“ Wegen dieser großen Bedeutung für Mensch und Natur fördert die Forstverwaltung die Maßnahme mit einem Zuschuss von 3.600,- €. Im Vorfeld der Renaturierungsmaßnahme stimmte sich der Forst intensiv mit Wolfgang Wurzel, Mitarbeiter bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Bayreuth ab.

Und wie geht es weiter mit den Mooren auf der Königsheide?

Peter Schöffel gibt eine kleine Vorschau der Moorentwicklung auf einer angrenzenden Fläche, die bereits vor acht Jahren bearbeitet wurde. Hier fühlen sich Kreuzotter und Auerhahn wohl, Smaragdlibelle und Moosjungfer schwirren über kleine Tümpel, Torfmoose und Heidelbeersträucher bedecken den Boden. An nassen Mulden wächst Wollgras und Sonnentau, eine kleine, fleischfressende Pflanze – Charakterart für Hochmoore.

„Auf solchen Moor-Standorten verzichten die Bayerischen Staatsforsten gerne auf zukünftige Erträge aus der Bewirtschaftung des Waldes. Denn die ökologische Aufwertung hat für uns eine höhere Priorität“ verspricht Peter Schöffel. Und mit einem Blick auf seine Gummistiefel versichert er: „Nasse Füße sind hier erwünscht!“