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Mit Volldampf in den Klimawandel

Forstwirt Rudolf Pritschet bereitet die Tannenpflanzung im Hirschwald vor

Bayerische Staatsforsten starten Tannen-Offensive

Burglengenfeld, 27. Oktober 2016 – Mit dem Herbstnebel ist Pflanzzeit. Nach dem regenreichen Frühsommer herrschen trotz der mehrwöchigen Spätsommertrockenheit gute Pflanz- und vor allem Anwuchsbedingungen. Der Waldboden ist mal wieder gut durchfeuchtet. Deshalb nutzen die Bayerischen Staatsforsten derzeit alle Möglichkeiten der Neuanpflanzung. Gilt es doch die letzten Reste der Wurfflächen aus Sturm „Niklas“ und die nachfolgenden Borkenkäfer-Schadflächen wieder zu bestocken. Dabei sind Baumarten gefragt, die den künftig sich verändernden Klimabedingungen trotzen. Neben der Buche ist dies vor allem die Tanne. Der stabile Pfahlwurzler kommt auch mit zwischenzeitlichen Trockenperioden gut klar. Deswegen setzen die Bayerischen Staatsforsten auf dieses notwendige Mischelement und starten eine regelrechte Tannen-Offensive. Der Naturpark Hirschwald wird damit noch artenreicher und langfristig stabil gesichert.

Die Schadflächen sind deutliche Boten des in Gang gekommenen Klimawandels. Der ehemalige Brotbaum des Waldbesitzes, die Fichte, verabschiedet sich zunehmend aus dem hier sehr niederschlagsarmen Raum. Die dürstende Fichte wird zudem leicht schwächelnd vom Borkenkäfer angepackt. Deutliche Weiser sind die rotbraun werdenden Kronen. Was tun, um diese Verluste auszugleichen? Die einzige Chance wird in der vorausschauenden Vorsorge auf die klimatischen Veränderungen gesehen. Hierfür entwickelten Wissenschaftler Baumarteneignungsprofile. Dabei stellte sich die Buche als die für unseren Raum passenste Baumart heraus. Für sie werden die Wuchsbedingungen im Zuge des Klimawandels eher noch besser werden. Eichen und die der Fichte ähnliche Nadelbaumart Tanne stehen da nicht weit nach. Grund genug für die Bayerischen Staatsforsten sich in der neuen Waldgeneration auf diese Pflanzen zu konzentrieren.

Dies sind auch die Baumarten der von Natur aus im Burglengenfelder Forstbetrieb vorherrschenden Waldgesellschaften. Der Ursprung ist in einer länger andauernden Zwischenphase durch menschliche Einflüsse wie die Eisenindustrie und das Streurechen verändert worden. Heute weist ein klarer Weg zurück zur Natur. „Vorausschauend haben wir Forstleute bereits über 20 Jahre lang durch permanente Laubholzpflanzung in die vorwiegend reinen Nadelholzwälder entsprechende Zukunftsvorsorge betrieben. Dies kann der Waldbesucher gerade jetzt mit der herbstlichen Laubverfärbung aller Orten erleben“, so Forstbetriebsleiter Thomas Verron. Die Tanne soll dabei die Komponente Nadel- und Bauholz hochhalten. Tannenholz gilt als zwar etwas schwieriger verarbeitbar, aber als äußerst robust und dauerhaft.    

„Um das günstige Zeitfenster für die Pflanzung zu nutzen, sind momentan alle Mann an Deck“, begründet Servicestellenleiter Harald Hölzl die Aktivitäten beim Besuch der Pflanzarbeiten. Im gesamten Forstbetrieb pflanzen derzeit mit Lehrlingen und Praktikanten 30 Arbeitskräfte. Je nach Pflanzengröße pflanzt jeder etwa 30 bis 100 Pflanzen pro Stunde. In dieser Herbstsaison müssen schließlich über 80.000 Pflanzen in den Waldboden kommen. Die Masse davon sind Buchen, Tannen, Eichen und Ahörner.  

„Seit über zwei Jahrzehnten haben wir in Burglengenfeld keine Fichten und Kiefern mehr gepflanzt. Diese kommen allein aus Naturverjüngung“, so berichtet Verron stolz. Ebenso sind für die weitreichenden Laubholz- und Tanneninvestitionen seit Jahren keine teuren Zäunungsmaßnahmen mehr notwendig. Der Wildbestand ist trotz aller Schwierigkeiten und Diskussionen den waldbaulichen Bedingungen angepasst. „Für die Zukunft muss dem unaufhaltsamen Klimawandel weiter mit einem uneingeschränkt möglichen Waldumbau begegnet werden. Das neue Forstliche Vegetationsgutachten hat dazu grünes Licht gegeben“, stellt Verron fest. Schließlich gehört die Tanne zu den verbissempfindlichsten Leckerbissen. Um manche Einzelschutzmaßnahmen wird man deshalb nicht herum kommen. Zu wichtig ist der Klima- und Artenschutz „Tanne“.