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Kreuzotterparadies Kempter Wald

Kreuzotter unterwegs auf Beutefang (Foto: Franz Laumer, Bayerische Staatsforsten)

Kempten, 28. August 2017 - Der Kempter Wald von den Bayerischen Staatsforsten zwischen Bodelsberg, Görisried und Betzigau ist durch seine großen, lichten Spirkenmoorwälder ein „Paradies“ für die wärmeliebende Kreuzotter.  

Kreuzottern sind wie alle Reptilien sehr abhängig von einer günstigen Umgebungstemperatur. Sie brauchen sehr abwechslungsreiche Lebensräume: Viel Wärme, also sonnige Orte, aber auch Schutz vor Wind wegen Auskühlung oder Schatten als Schutz vor Überhitzung. Sie bevorzugen ein Gelände mit vielen Rand und Übergangsstrukturen. „Idealer Lebensraum sind deshalb die Spirkenmoore des Kempter Waldes. Dort sind niedrige Strukturen durch Beersträucher, Rosmarinheide und Heidekraut, aber auch schattenspendende große Spirken flächig vorhanden. Der dunkle Torfboden erwärmt sich bei Sonneneinstrahlung sehr schnell und durch das viele Totholz sind auch zahlreiche Schattenplätze und Verstecke vorhanden“, freut sich der zuständige Berufsjäger Joachim Hoffmann vom Forstbetrieb Sonthofen.  

Forstbetriebsleiter Jann Oetting ergänzt: „Allerdings müssen wir aufpassen, dass wir unsere Spirkenmoorwälder erhalten. Das Problem dieser Moore ist, dass durch den erhöhten Nährstoffeintrag durch die Luft und die langsame Austrocknung in Folge des Klimawandels das Ökosystem Spirkenmoor in Gefahr ist. Deshalb ist die Pflege dieser Moorwälder durch eine kontinuierliche, vorsichtige Holznutzung so wichtig!“

Bereits vor zehn Jahren pflegten die Bayerischen Staatsforsten daher bereits einige Moorflächen gezielt so, dass die Spirken sich in diesen Bereichen positiv erholen konnten. Diese Pflege half darüber hinaus auch vielen anderen Pflanzen- und Tierarten. Ein Beispiel ist der seltene Hochmoorgelbling, ein Relikt aus der letzten Eiszeit. Die Raupen dieses Falters sind auf intakte Moorwälder mit Zwergsträuchern, insbesondere der Rauschbeere angewiesen. Auch die Anzahl anderer Tiere wie Amphibien oder Kleinsäugern, welche im Nahrungsspektrum der Kreuzotter liegen, nahm durch diese Maßnahme wieder entsprechend zu. Denn während die ausgewachsene Kreuzotter vorwiegend Jagd auf Mäuse und Frösche macht, sind die Jungtiere sehr auf das Vorhandensein von Eidechsen und Kleinfröschen angewiesen.

„Aufgrund der positiven Wirkungen dieser Maßnahmen der Bayerischen Staatsforsten im FFH-Gebiet Kempter Wald mit dem Naturschutzgebiet „Teufelsküche“, werden wir diese fortführen“, so Forstchef Oetting weiter, „denn diese sind für den Erhalt von intakten Spirkenmoorwäldern für viele seltene Tiere einschließlich der Kreuzotter unerlässlich.“  

Die Kreuzotter (Vipera berus) ist eine kleine bis mittelgroße Giftschlange. Ihre Farbvarianten reichen von hellgrau über kupferrot bis hin zu schwarz. Daher auch der umgangssprachliche Name Kupfer- oder Höllenotter. Im Kempter Wald ist zu 95% die schwarze Form der Kreuzotter zu finden, die nicht mit der  Ringelnatter zu verwechseln ist. Die Ringelnatter hat im Gegensatz zur Kreuzotter einen ovalen Kopf, mit deutlichen weißen Halbmonden im Hinterkopfbereich. Die Kreuzotter gehört zur Familie der Vipern und besiedelte früher große Teile unserer Heimat. Sie ist unsere einzige, heimische Giftschlange. Die Tiere sind sehr scheu und flüchten bei Gefahr sofort. Ein Biss dieser Schlange erfolgt nur zur Nahrungsbeschaffung oder unter massiver Bedrohung als Abwehrreaktion. Obwohl das Gift toxischer wirkt als das mancher Klapperschlangen, ist es aufgrund des geringen Giftvorrats der Kreuzotter nur für Kinder oder ältere Menschen gefährlich. Das häufigste Problem bei einem Kreuzotterbiss ist allerdings meistens eine dadurch hervorgerufene Blutvergiftung.