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Inventur des Waldnachwuchses beim Forstbetrieb Sonthofen

Wertach/Bad Hindelang, 27.04.2018 – In diesen Wochen schmilzt nach einem langen Winter der viele Schnee auch in den höhergelegenen Staatswäldern des Forstbetriebes Sonthofens. Die zuständigen Förster sind unterwegs, um nach dem Rechten zu schauen. Wo gibt es Windwurf, Schneebruch oder Käfer und wie ist der Waldnachwuchs, die Verjüngung der Waldbäume über den Winter gekommen? Insbesondere der Verbiss durch Reh, Rotwild und Gems interessiert die Forstleute. 

„Unser Auftrag ist es, den Staatswald vorbildlich zu bewirtschaften“, erläutert Forstbetriebsleiter Jann Oetting. „Wir sind gehalten, standortsgemäße, gesunde und stabile Wälder zu erhalten und zu schaffen“, so Oetting weiter. „Hierzu soll die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen möglich sein. Das geht nur mit einer entsprechenden Bejagung der vorkommenden Schalenwildarten“. Somit kommt der zielgemäßen Verjüngung des Waldes eine Schlüsselrolle im jagdlichen Handeln der Staatsforsten zu. Eine möglichst genaue Kenntnis der Verjüngungssituation ist also Grundvoraussetzung für zielgerichtete forstliche und jagdliche Entscheidungen.

Damit sich die Försterinnen und Förster nicht nur auf ihr Bauchgefühl bei der Beurteilung der Waldverjüngung verlassen müssen, haben sich die Staatsforsten ein Inventurverfahren, das sogenannte Traktverfahren als betriebsinternes Kontrollsystem überlegt. In möglichst gemischten, standortgemäßen Altbeständen mit Naturverjüngung werden permanente Aufnahmelinien – Trakte angelegt. Die ausgewählten Bestände sollen gleichmäßig über das Revier verteilt sein und die verschiedenen Wuchsbedingungen wiederspiegeln. Immer dieselben Trakte werden jährlich begutachtet, bis die Waldverjüngung dem Wildäser entwachsen ist. Dann wird ein neuer Trakt angelegt. An den jeweiligen Trakten werden auf einem Streifen bis 2 Meter Breite die jungen Bäume getrennt nach Baumarten auf vorhandenen Leittriebverbiss angesprochen. Durch die jährlichen Wiederholungsaufnahmen werden genaue Aussagen zur Entwicklung der Verbissbelastung, zu den Änderungen in der Baumartenverteilung und über die Höhenentwicklung der einzelnen Baumarten ermöglicht. Wichtig ist, dass dieses Inventurverfahren ein rein betriebsinternes Kontroll- und Steuerungselement ohne Anspruch auf statistische Absicherung ist. Nur die Zeitreihe kann Entwicklungen aufzeigen. Das Verfahren hat nichts mit den amtlichen Aufnahmen zum Vegetationsgutachten durch die Forstverwaltung zu tun.

Auch Revierförster Rainer Ruf ist derzeit unterwegs. Oft zusammen mit dem Berufsjäger. Sie nehmen die Trakte in seinem Zuständigkeitsbereich auf. Im Großen Wald, Retterschwanger Wald und in der Hintersteiner Sonnseite sind das 20 Aufnahmelinien. Von Bergmischwaldbeständen mit viel Tannen-, Buchen- und Bergahorn-Naturverjüngung über Schutzwalsanierungsflächen bis zum subalpinen Fichtenwald ist alles dabei. Manche Trakte liegen nahe an Forstwegen, andere erfordern einen Fußmarsch bis zu einer halben Stunde. „Anfänglich war ich sehr skeptisch, was uns dieses Aufnahmeverfahren an zusätzlicher Information verschafft“, so Rainer Ruf. Da ihn der Zustand des Waldnachwuchses aber immer schon interessiert hat und er auch vorher seine Verjüngungsflächen kontrolliert hat, sieht er das Verfahren mittlerweile positiv. Sein Chef Jann Oetting ergänzt: „Für die jagdbetriebliche Steuerung in einem so großen Forstbetrieb ist das Traktverfahren eine ganz wichtige Zusatzinformation und insbesondere die Zeitreihe zeigt gut die Entwicklung auf. Auch wenn es Arbeit macht: Ich will deshalb nicht darauf verzichten!“