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Der Frankenwald und seine Eichen

Auch im oberen Frankenwald ist die Eiche eine Baumart der Zukunft: Förster Max Heindl nimmt Maß an einem stattlichen Exemplar im Forstrevier Ködel.

Rothenkirchen, 17. März 2016 - Von allen Bäumen in Deutschland ist wohl die Eiche am engsten mit der menschlichen Geschichte verbunden. Eiche und Mensch – bis heute eine Symbiose, von der beide Seiten profitieren. 

Den Herrschenden zu allen Zeiten diente die Eiche als Symbol: Keltische Druiden schnitten die magischen Misteln aus ihrer Krone. Germanische Priester weihten sie ihren Göttern, christliche Missionare legten in der Folge Axt und Feuer an die Heiligtümer. Jahrhunderte wurde Recht unter Eichen gesprochen. Später sollte die „Deutsche Eiche“ nationale Gefühle wecken. Dass sie noch heute die die deutschen Euro-Centmünzen ziert, ist davon ein vergleichsweise harmloses Relikt. 

Dem einfachen Volk zu allen Zeiten diente die Eiche ganz handfest: Mit Früchten für die Schweinemast, mit Gerbrinde für die Lederherstellung, mit Holz für Hausbau, Werk- und Fahrzeuge und als Brennstoff.

Entsprechend groß war zu allen Zeiten der menschliche Einsatz und Aufwand für das Gedeihen der Eiche: Von Natur aus meistens konkurrenzschwach gegen andere Baumarten, wird sie bis heute meistens gepflanzt oder gesät, dann immer wieder freigestellt und durchforstet. Sie braucht Schutz vor Wild- und Viehverbiss. Die Eiche ist der typische „Försterbaum“.

„Vor über 1000 Jahren gab es auch im Frankenwald große Eichenbestände“, sagt Peter Hagemann vom Forstbetrieb Rothenkirchen der Bayerischen Staatsforsten. Das wisse man aus uralten Waldbeschreibungen. Die Eichen seien dann nach und nach für Landwirtschaftsflächen gerodet worden. In den verbleibenden Wäldern wurden sie bevorzugt als Brenn- oder Bauholz genutzt und mussten dann den hier ebenfalls heimischen Buchen und Tannen Platz machen. „Ab dem 16. Jahrhundert gab es wohl kaum noch Eichen im Frankenwald“, so Hagemann. Die künstlich eingebrachte Fichte habe dann mehr und mehr ihren Siegeszug angetreten, zusätzlich begünstigt durch eine Kaltzeit während mehrerer Jahrhunderte. „Wetterkundler nennen das die „Kleine Eiszeit“. Der Eiche wurde es einfach zu kalt im Frankenwald.“

Und heute? – „Schon die Eichenpflanzungen unserer Vorgänger aus den letzten Jahrzehnten haben gezeigt, dass sich die Eiche im Frankenwald in Höhenlagen bis 600 Metern durchaus wieder wohlfühlt“, sagt Hagemann. Besonders Bestände in südexponierten Hanglagen ließen bereits gute Stammholzqualitäten erwarten. Und in Zukunft könnte die Eiche eine Gewinnerin der Klimaerwärmung werden. „So sehr uns sonst im Wald der Klimawandel Sorgen bereitet, für die Eiche im Frankenwald scheint es in die richtige Richtung zu gehen.“ Experten gingen in wenigen Jahrzehnten von Durchschnittstemperaturen aus, wie sie im Hochmittelalter geherrscht haben könnten - eben zur Zeit des Eichenoptimums.

Waldbaulich und aus Sicht der Ökologie sei die Eiche im Frankenwald jedenfalls sehr willkommen, so Forstbetriebsleiter Hagemann weiter. Gerade auf den meist flachgründigen Hängen könnte sie als langlebige und besonders tiefwurzelnde Baumart dauerhaft stabilisierend wirken. Und neben ihrem hohen Nutzwert stehe vor allem ihr Naturschutzwert außer Frage: Kaum ein anderer Baum biete während seines langen Lebens so vielen Tieren und Pflanzen Heimstatt wie die Eiche. „Gründe genug, dass sie in unserer waldbaulichen Planung im Staatswald in den nächsten Jahren künftig eine wichtige Rolle spielt. Wir Förster arbeiten daran, dass die Eiche die Vielfalt im Frankenwald in Zukunft wieder mehr und mehr bereichert.“