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Brutgebiet Frankenwald

Mit seinem prächtigen Federkleid ein „Hingucker“ im herbstlichen Frankenwald: Der Kernbeißer | Foto: A. Ebert

Rothenkichen, 8. Dezember 2016 - Der Frankenwald ist Brutgebiet für zahlreiche Vogelarten. Auch auf dem Zug in den Süden dient er ihnen als willkommener Ort für einen Zwischenstopp. Das gilt besonders, wenn die Vögel einen reich gedeckten Tisch an Waldfrüchten vorfinden. So, wie in diesem Jahr.

Die Förster im Frankenwald konnten sich im Herbst über eine „Vollmast“ bei den meisten Baumarten freuen. Das heißt, fast alle Waldbäume trugen Früchte, für die künftige Naturverjüngung ist gesorgt. Inzwischen ist auch die Ernte an Bucheckern, Tannen- und Douglasiensamen für die Nachzucht von Forstpflanzen eingefahren. Für die Tiere im Wald ist aber immer noch Nahrung im Überfluss vorhanden, auch für die Strich- und Zugvögel. „Jetzt kommen wieder unsere alten Bekannten“, sagt Peter Hagemann von den Bayerischen Staatsforsten. „Ganze Schwärme von Wacholderdrosseln ernten die Vogelbeeren ab, Trupps von Fichtenkreuzschnäbeln bevölkern die allerhöchsten Wipfel.“ Besonders beeindruckt habe ihn im Herbst die kurze Rast von Zigtausenden von Buchfinken in den alten Buchenbeständen im Staatswaldistrikt „Mäusbeutel“: „Das vielstimmige Gezwitscher überdeckte für einige Stunden jedes andere Geräusch. Am nächsten Tag herrschte wieder das Schweigen im Walde.“

Macht sich bei den Waldvogelarten auch der Klimawandel bemerkbar? „Auf jeden Fall ist der Frankenwald für sie in den letzten Jahren vielfältiger und attraktiver geworden“, sagt Hagemann. Die Stürme und Borkenkäferangriffe hätten viele strukturreiche Freiflächen geschaffen: „Hier fühlen sich auch Offenlandarten wie Neuntöter und Goldammer wohl“. Der naturnahe Waldbau im Staatswald habe für deutlich mehr alte Bäume und viel Totholz in den Beständen gesorgt: „Davon profitieren Höhlenbrüter wie Schwarz- und Grauspecht mit ihren Nachmietern Hohltaube, Rauhfuß- und Sperlingskauz.“ Mit dem Waldumbau hin zu klimastabileren Mischwäldern sei die Baumartenpalette deutlich erweitert worden: „Das nützt wiederum der Vogelvielfalt. Denn jeder Baum hat seinen Vogel.“ So habe beispielsweise der Tettauer Olaf Schmidt, heute Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising, in der Literatur schon vor Jahren auf die enge Bindung des Kernbeißers, der größten einheimischen Finkenart, an die Hainbuche hingewiesen. Der Anteil dieser wärmeliebenden Baumart nimmt im Frankenwald ständig zu. „Mit seinem papageienartigem Schnabel ist der Kernbeißer wie kein anderer in der Lage, die steinharten Früchte zu knacken. In diesem Herbst sieht man es deutlich: Die Hainbuchen biegen sich unter ihrer Samenlast und überall begegnen einem kleine Schwärme der bunten Vögel.“ Und wieder ist der Frankenwald ein klein wenig reicher geworden.