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Borkenkäfer im Naturschutzgebiet Fichtelseemoor

Udo Wenzel, Abteilungsleiter beim Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth und Revierleiter Horst Lochner vom Forstbetrieb Fichtelberg untersuchen im Naturschutzgebiet Fichtelseemoor vom Borkenkäfer befallene Fichten, die die Forstwirte Alexander Martin und Holger Kuhbandner (v.r.n.l.) gefällt und entrindet haben.

Der Buchdrucker, ein unter der Rinde lebender Borkenkäfer, der bei massenhaftem Auftreten Fichten zum Absterben bringen kann – zum Größenvergleich ein Streicholzkopf.

Forstbetrieb Fichtelberg verhindert weitere Ausbreitung der Waldschädlinge

Fichtelberg, 12. Juli 2016 – Im Naturschutzgebiet Fichtelseemoor mussten zur Bekämpfung der Borkenkäfer in Abstimmung zwischen Forstbetrieb Fichtelberg, dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth und weiteren zuständigen Behörden einige Bäume gefällt werden.

Kreischende Kettensägen mitten im Naturschutzgebiet Fichtelseemoor, Forstwirte, die in einem der wertvollsten Naturwälder unserer Region Bäume fällen – ist hier ein skandalträchtiger Naturfrevel am Laufen?

Martin Hertel, stellvertretender Leiter des Forstbetriebs Fichtelberg erklärt die Hintergründe für die ungewöhnliche Maßnahme: „Bei Überwachungsflügen und vom Boden aus mussten wir in den letzten Wochen feststellen, dass im Fichtelseemoor ungewöhnlich viele Bäume von Borkenkäfern befallen sind und sich ihre Nadeln rot verfärben. Konkret handelt es sich dabei um den sogenannten Buchdrucker, einer Borkenkäferart, die hauptsächlich Fichten befällt. Um die weitere Ausbreitung der Käfer und damit ein flächiges Absterben der alten Bäume zu verhindern, sind wir gezwungen, frisch befallene Fichten zu fällen und zu entrinden. Dabei geht es um etwa 20 bis 30 Bäume. Die Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen, denn das Fichtelseemoor ist ein wertvolles Naturschutzgebiet und zugleich ein Naturwaldreservat, also ein Waldgebiet, das weitgehend unbeeinflusst vom Menschen bleiben soll - quasi ein kleiner Urwald.“

Nördlich und östlich des Fichtelsees hat sich seit Jahrtausenden eine Hochmoorlandschaft mit vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten entwickelt, die in ihrer Art und Größe in Nordbayern einmalig ist. Torfmoose bilden dicke, mit Wasser vollgesaugte Moospolster. Sonnentau, kleine fleischfressende Pflanzen, und Orchideen wachsen hier, dazu viele Zwergsträucher wie Moosbeere und Heidelbeere. Fichten und die seltenen Spirken, eine Kiefernart, bilden die Baumschicht.   

„Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass sich die Borkenkäfer hier ausbreiten, weitere Bäume befallen und auch Waldflächen außerhalb des Naturschutzgebiets gefährden“ bestätigt Udo Wenzel, Abteilungsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayreuth die Notwendigkeit der Maßnahme. Als Vertreter der Aufsichtsbehörde über die Bayerischen Staatsforsten entwickelte er zusammen mit dem Forstbetrieb Fichtelberg einen Plan, wie vorzugehen sei. Eingebunden waren dabei die Regierung von Oberfranken und die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising. Gemeinsam verständigten sich die Fachleute darauf, die stark befallenen Fichten möglichst schnell zu fällen und die Rinde abzuschälen. Damit wird verhindert, dass sich die Borkenkäfer weiter entwickeln können. „Ganz ohne Insektizide“ wie der Förster betont.

Udo Wenzel ruft auch alle Privatwaldbesitzer im Landkreis auf, ihre Wälder in kurzen Abständen auf Borkenkäferbefall zu kontrollieren und befallene Bäume zu fällen und aus dem Wald zu transportieren.

Holz und Rinde der gefällten Bäume bleiben hier im Naturschutzgebiet an Ort und Stelle liegen. Von ihnen geht keine Gefahr mehr aus. Im Gegenteil, sie bieten als Totholz wichtigen Lebensraum für seltene Insekten. Im Laufe der Jahre zersetzen sich die Überreste der Bäume und werden Teil des natürlichen Nährstoffkreislaufs.

„In den nächsten Wochen werden wir ein waches Auge auf die jetzigen Befallsherde haben, um festzustellen, ob wir die Ausbreitung der Borkenkäfer stoppen konnten“ verspricht Martin Hertel. „Denn das Fichtelseemoor mit seinem einmaligen Wald liegt uns als wertvolles Kleinod in unserer Landschaft sehr am Herzen.“