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Biber im Sulzschneider Wald

Durch Biberdämme entstehen teilweise größere Gewässer, wo sich vorher nur ein kleiner Bach entlangschlängelte. Hier im Sulzschneider Wald bei den Bayerischen Staatsforsten.

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Sulzschneider Wald, 13.04.2017 - Noch bis vor wenigen Jahrzehnten war der Biber in Bayern ausgestorben. Denn das Fell des Bibers war sehr geschätzt und das Fleisch als “Fastenspeise“ begehrt. Der Biber war nämlich, auf Grund der Schuppen auf seinem Schwanz, zum Fisch erklärt worden.  

In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurden die ersten Biber in Bayern wieder ausgesetzt und breiteten sich erst langsam, dann immer schneller aus. War eine Biberansiedlung anfangs eine Sensation, wurden die Tiere später auf Grund der von ihnen verursachten Schäden manchmal sogar zum Ärgernis. Die Bayerischen Staatsforsten, die den größten Waldbesitz in Bayern bewirtschaften, verbinden in ihrer Arbeit Schützen und Nützen auf der gleichen Fläche. Oft gehen damit auch aktive Naturschutzmaßnahmen einher. So werden Biberansiedlungen im Staatswald geduldet und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Biberberatern betreut.

„Im Sulzschneider Wald gibt es fünf Biberstandorte, bei denen derzeit ca. sieben Hektar Fläche unter Wasser stehen. Der Ertragsverlust wird hierbei ebenso in Kauf genommen, wie Schäden an Bäumen, Flächen und Waldinfrastruktur wie zum Beispiel an Forst- oder Wanderwegen oder Borkenkäferbefall an absterbenden, überfluteten Bäumen.“ erklärt Revierleiter Jürgen Sander. Und Forstbetriebsleiter Jann Oetting ergänzt: „Aber der Biber verursacht nicht nur Schäden. Er wertet auch den Lebensraum Wald stark auf. Wo sonst wir oder Naturschützer mit hohem Mittelaufwand und aufwendigen Genehmigungsverfahren mühsam Biotope schaffen, geht der kleine Kerl - der übrigens Europas größtes Nagetier ist - einfach her und tut es. Kostenlos!“  

Der Biber staut aus zwei Gründen die Fließgewässer auf. Der Eingang seiner „Biberburg“ muss ganzjährig unter Wasser bleiben, damit er vor Fressfeinden sicher ist. Und er legt „Aquakulturen“ an, also Bereiche, in denen Wasserpflanzen wachsen können. Denn seine Nahrung im Sommer besteht aus bis zu 150 verschiedene Wasserpflanzen. Rinde frisst er dagegen überwiegend während der Vegetationsruhe, also im Winter. Für die Natur liegt die große Bedeutung des Bibers überwiegend darin, dass er die Vielfalt erhöht: Beispielsweise gliedert er Gewässer in Zonen mit unterschiedlichen Fließgeschwindigkeiten. So können sich viele Pflanzenarten ansiedeln, die wiederum vielen Tierarten Lebensraum bieten. Verschiedenste Amphibienarten, Fischarten, Krebstiere, Teichmuscheln und Vogelarten finden hier eine Heimat.