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Bayerische Staatsforsten reduzieren Einschlag deutlich – 200.000 Festmeter Holz werden weniger eingeschlagen

Vorsorge vor Überangebot an Borkenkäfer- und Sturmholz – Klimawandel in Bayerns Wäldern deutlich zu spüren

Regensburg, 11. Mai 2018 - Die Bayerischen Staatsforsten haben entschieden, den Holzeinschlag im laufenden Geschäftsjahr 2018 um 200.000 Festmeter zu reduzieren. Der geplante Holzeinschlag des größten deutschen Forstunternehmens beträgt nach der Reduzierung noch 4,75 Mio. Festmeter, mit der niedrigste Einschlag seit Gründung der Bayerischen Staatsforsten 2005. Dementsprechend wird sich auch der Gewinn der Staatsforsten von 54 Mio. Euro 2017 auf rund 26 Mio. Euro im Geschäftsjahr 2018 halbieren.  

Die Rücknahme des Holzeinschlags vorwiegend für frisches Nadelholz begründet der Vorstandsvorsitzende der Staatsforsten Martin Neumeyer mit dem durch den Klimawandel ausgelösten Überangebot auf dem deutschen und bayerischen Holzmarkt.  

Neumeyer: „Der Klimawandel hat in den vergangenen Jahren deutlich Spuren im Staatswald hinterlassen. Sturmereignisse wie Orkan Niklas im Jahr 2015 oder der Sturm Kolle 2017 sowie danach aufgetretene Borkenkäfervermehrungen haben große Schäden in den Wäldern Bayerns verursacht – vor allem in fichtendominierten Waldbeständen. Im Januar 2018 folgte Orkantief Friederike, das rund 10-12 Mio. Festmeter Holz in der Mitte und im Norden Deutschlands geworfen oder gebrochen hat.“  

Der wärmste Aprilmonat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, den wir in diesem Jahr zu verzeichnen hatten, führe aktuell zu einem hohen Befall durch den Borkenkäfer bereits sehr früh im Jahresverlauf. Die Vorbelastung der Wälder sei mit hohen Borkenkäfermengen aus den vergangenen Jahren wegen überdurchschnittlich warmer Witterung und Sturm bereits hoch. Die Staatsforsten rechnen deshalb auch für 2018 mit einer sehr angespannten Borkenkäfersituation und erhebliche Mengen Schadholz, die aus Staats-, Privat- und Kommunalwäldern auf den Holzmarkt drängen und den Holzabfluss aus den Wäldern verlangsamen werden. Belastend kommt hinzu, dass etliche Sägewerke im Süden Deutschlands und auch in Österreich sich aktuell zu nicht unerheblichen Teilen mit günstig angebotenem Friederike-Sturmholz aus Mittel- und Norddeutschland versorgen.  

Nachdem sich bei der sich zuspitzenden Borkenkäferlage und der großen sich am Markt befindlichen Holzmenge derzeit bereits Stockungen im Holzabfluss bemerkbar machen, haben jetzt die Staatsforsten mit einer spürbaren Reduzierung des Einschlags reagiert. Als öffentliches Unternehmen sehen sich die Staatsforsten auch in der Verantwortung für die vielen privaten und kommunalen Waldbesitzer, die vom Klimawandel in gleicher Weise betroffen sind. Neumeyer: „Die Reduzierung des Einschlags bedeutet aktives und präventives Handeln, folgt dem Vorsorgeprinzip und ist ein solidarischer Beitrag zur Entlastung der Holzmärkte und zur Entspannung der Waldschutzsituation. Die gravierenden Auswirkungen des Klimawandels und seiner Folgen auf den Wald haben auch einen direkten Einfluss auf die Geschäftszahlen der Bayerischen Staatsforsten.“  

Als Reaktion auf den Klimawandel setzen die Bayerischen Staatsforsten ein Maßnahmenpaket um: Wichtigste Maßnahme ist ein forcierter Waldumbau. Bereits seit Jahren bereiten die Förster der Bayerischen Staatsforsten den Wald auf die Klimaveränderung vor, indem sie mehr klimatolerante Laub- und Nadelwälder schaffen. Der Anteil der trockenheits- und sturmempfindlichen Fichte geht dabei zurück, der Anteil von Laubbäumen und Tanne steigt. Der Waldumbau hat zum Ziel, strukturreiche und artenreiche Mischwälder zu schaffen, die dann weniger anfällig für Stürme und Borkenkäfer sind. Weitere Maßnahmen sind ein aktives Borkenkäfermanagement wie etwa das schnelle Auffinden befallener Fichten mit Hilfe einer GPS-gestützten Borkenkäfer-App und die Nasslagerung von Sturm- und Borkenkäferholz zur Qualitätssicherung und temporären Entlastung des Holzmarktes.  

Die Folgen des Klimawandels sind in Bayerns Wäldern bereits deutlich spürbar. Badewetter und Waldbrandgefahr im April: Mit Temperaturen von fast 30 Grad und im Schnitt fast fünf Grad Celsius mehr als normal hat der April 2018 nicht nur einen neuen Rekord seit Beginn der Wetteraufzeichnungen aufgestellt, sondern auch gravierende Folgen für Wald und Forstwirtschaft. Seit 2014 gibt es eine spürbare Zunahme von Sturmereignissen: Im Bayerischen Wald wütete im Spätsommer 2017 Orkan „Kolle“, im Januar 2018 im Spessart sogar ein Tornado bei Sturm „Burglind“ und nur zwei Wochen später sorgte Orkan „Friederike“ für rund 10-12 Mio. Festmeter Schadholz in West- und Mitteldeutschland. In den letzten vier Jahren sind allein im bayerischen Staatswald durch Windwurf 2,56 Mio. Festmeter Sturmholz angefallen. Dazu werden die Sommer wärmer und trockener, was die Ausbreitung des Borkenkäfers begünstigt.