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Bayerische Staatsforsten investieren in den Klimawandel

Neuer Waldwirtschafts-Plan für den Forstbetrieb Burglengenfeld in Kraft

Burglengenfeld, 05. Februar 2018 – Burglengenfeld. „Nachhaltig Wirtschaften“, so präsentieren sich die Bayerischen Staatsforsten in ihrem Logo. Nach mehr als 10 Jahren erfolgreichen Handelns Grund genug, im Forstbetrieb Burglengenfeld einmal wieder nach dem Rechten zu sehen. Nach zweijährigen Außenarbeiten und deren Auswertung ist ein neuer Wirtschaftsplan in Kraft gesetzt, nach dem Forstbetriebsleiter Thomas Verron und seine Dame und Herren Revierleiter den bayerischen Staatswald weiter zu behandeln haben, und das nachhaltig in Holzeinschlag, Pflege, Bestandsbegründung und Naturschutz.

Die Größenordnung des Holzeinschlags ist mit rund 140.000 Kubikmetern gleich geblieben, somit ein nachhaltiges Wirtschaften in der Vergangenheit bescheinigt. Bei weiter infolge Klimaerwärmung und Bodenverbesserung steigenden Zuwächsen ist auch der Durchschnittsvorrat an Holz unverändert. Dafür hat man in Zeiten des Waldumbaus in Richtung Klimawandel auf die hiesigen nahezu reinen Nadelholzwälder mit jährlich 95 Hektar eine kräftige Schippe an zu pflanzenden Mischbaumarten aufgelegt. Tanne, Buche, Eiche und Douglasie sind die künftig klimatoleranten Eckpfeiler. Das bedeutet, weiterhin auf einen waldverträglichen Wildstand zu achten, um den Steuerzahler nicht mit teuren Schutzmaßnahmen zu belasten. Ebenso ist ein reichhaltiges Pflegeprogramm von Nöten, um die Mischbaumarten in ihrer Konkurrenz zu sichern. „Ein insgesamt reichlich gesteigertes Arbeitsvolumen zur Zukunftssicherung“, wie Verron feststellt.

Wie lief die Planerstellung ab? Im Kalenderjahr 2015 wurde mittels einer systematischen Inventur die gesamte Betriebsfläche einer Begutachtung unterzogen. Aufnahmen an über 4.500 Stichprobenpunkten untersuchten die Waldbestände. Zu Baumarten-verteilung und -struktur, deren Entwicklung hinsichtlich Vorrat und Zuwachs, zu Vorausverjüngung aus Pflanzung und Naturverjüngung, zu Bestandsschäden und zur Naturschutzrelevanz gab es objektiv gemessene klare Antworten. Auf dieser Datenbasis wurde im Kalenderjahr 2016 die gesamte Waldfläche von Forsteinrichtern begangen und für die nächsten 10 Jahre beplant. Wie sollen sich die Waldbestände weiter entwickeln und all ihren Ansprüchen aus Klimaänderung, gesellschaftlichen und naturschutzfachlichen Aspekten gerecht werden? Inzwischen sind alle Waldbestandsplanungen abgeschlossen, das „Operat“, wie sich das abschließende Planungswerk nennt, vom verantwortlichen Forsteinrichter Manfred Schopf gefertigt, von Bereichsleiter Walter Faltl und den Vorständen Martin Neumeyer und Reinhardt Neft in Regensburg abgesegnet und an Verron zum Vollzug ausgehändigt.

Eine solche Forsteinrichtung gibt es rund alle 10 Jahre. Dem Forstbetrieb konnte Nachhaltigkeit bescheinigt werden. Trotz aller zurückliegenden Nutzungen sowie Sturmwurf-, Schneebruch- und Borkenkäferereignisse ist der durchschnittliche Holzvorrat auf einem hohen Niveau gleichgeblieben. Biotopbaum- und Totholzvorräte haben sich durch konsequentes Handeln aufgebaut. Die Zuwachsverhältnisse haben weiter zugelegt. Dieses konnte aus großteils permanenten Stichproben, das heißt den exakt selben Stichprobenpunkten mit denselben Bäumen, direkt vergleichend errechnet werden. Damals gemessene Bäume sind heute dicker und höher, genutzte sind verschwunden, abgestorbene als Totholz noch vorhanden oder abgegangen. Über diesen Vergleich lassen sich exakte Entwicklungen nachvollziehen. So hat sich an der Baumartenzusammensetzung nur in der nachwachsenden Waldgeneration etwas gewandelt. Die vermehrten Laubholzpflanzungen schlagen sprichwörtlich zu Buche. Der Holzeinschlag kann aus diesen Gründen auf einem nur leicht gesenkten Niveau weiterlaufen. Dicke und alte Bäume können getrost entnommen werden, um den nachwachsenden Licht und damit bessere Wuchsbedingungen zu geben. Ziel ist es, einen dem Klimawandel trotzenden Mischwald aus möglichst vielen Baumarten anzustreben. Dazu kann auch die klimatolerante Baumart Douglasie ihren Beitrag leisten. Dauerwaldartig stabile und gestufte Bestandsstrukturen sollen das Schadrisiko hinsichtlich Sturm und Borkenkäfer minimieren.

Vielfalt auf engem Raum zeichnet die Betriebsflächen um Burglengenfeld aus. Von der dominierenden Buche im Jura des Naabtals um Pielenhofen, über die Nassstandorte in den Lohen östlich Teublitz und die tannenreichen Mischbestände des Bayerischen Waldes im Regental bis hin zur Kiefer auf den ärmeren Sanden des oberpfälzer Beckenlandes um Schwandorf, alle waldbaulichen Varianten galt es vor Ort zu diskutieren und die entsprechenden Planungsvarianten festzulegen. Hierauf basieren die detaillierten Forsteinrichtungsbegänge mit konkreten bestandsweisen Planungen. Diese werden dann von den Revierleitern mit Holzeinschlägen und Neuanpflanzungen so umgesetzt. Schließlich will man nachhaltig wirtschaftend in allen Belangen bleiben.

Die zu bewirtschaftenden Staatswaldflächen des Forstbetriebs Burglengenfeld erstrecken sich mit rund 21.000 Hektar über drei Landkreise von Nabburg bis Regensburg und von Kastl südwestlich Amberg bis nach Nittenau. 10 Revierleiter und  Revierleiterinnen tragen in diesem Raum Verantwortung für den Natur- und Lebensraum Wald, stellen für die Bevölkerung einen erholsamen Wald zur Verfügung und sorgen für eine nachhaltige und standortsgerechte Waldbewirtschaftung. Hierbei gilt es allen an den Wald gestellten Anforderungen gerecht zu werden und vor allem Vorsorge mit einem dem Klimawandel Rechnung tragenden Waldumbau zu betreiben. Dies ist im durch die mittelalterliche Eisenindustrie zum Nadelholzwald gewandelten oberpfälzer Raum eine Mammutaufgabe. Gerade im letzten Jahrzehnt konnte die gute Ertragslage der Bayerischen Staatsforsten für diese notwendigen Investitionen genutzt werden. Mit Tatkraft werde man sich weiter den gesellschaftlichen Erwartungen stellen. Diese liegen vor allem in der Balance von Naturraumverantwortung für die schützenswerten Besonderheiten, in der Gestaltung eines attraktiven Erholungsraumes bis hin zum richtigen Maß der naturnahen Waldbewirtschaftung. Dies gilt insbesondere für den Raum des Naturparks Hirschwald. Transparentes Handeln soll dabei das Vertrauen zu den Bayerischen Staatsforsten weiter stärken. Schließlich stehen diese für Nachhaltigkeit in allen den Staatswald betreffenden Facetten.