Youtube Instagram Pinterest Flickr Google+
Headerimage

Bayerische Staatsforsten bringen Licht ins Dunkle

von links nach rechts: Peter Aichmüller (AELF Kitzingen), Jasmin Schindelmann (Main Post), Joachim Schumacher (Revierleiter Revier Reupelsdorf), Ralf Bolz (silvaea-biome-institut), Daniel Zippert (kommissarischer FBL FB Arnstein), Nadja Fischer (AELF Neustadt/Aisch); Foto: Sandra Fischer

Download

Im Limpurger Forst hat der Forstbetrieb Arnstein für Lichtwaldarten-Schmetterlinge lichte Strukturen geschaffen. Das Projekt hat zum Ziel, für dieses Schmetterlingsvorkommen von deutschlandweiter Bedeutung Lebensräume zu schaffen und mit denen in den Gemeindewäldern wieder zu vernetzen. Viele Arten sind an die früher in diesem Raum weit verbreitete Mittelwaldbewirtschaftung gebunden. Da diese hier noch traditionell durch Waldrechtler in den Gemeindewäldern durchgeführt wird, haben sie hier einen Rückzugsraum gefunden. Weite Teile der Mittelwälder, so auch im Limpurger Forst, wurden allerdings um 1900 in Hochwälder überführt.  

Arnstein // Iphofen, September 2017 -  Maivogel, Gelbringfalter oder Platterbsen-Widderchen sind nur einige der seltenen Schmetterlinge, die diese Lebensräume brauchen. Aktuell sind sie im Limpurger Forst leider kaum vorhanden. Aber in dem direkt im Osten angrenzenden Güterwald Ezelheim gibt es sie alle. Man erwartet, dass sie sich durch die Auflichtungen im Limpurger Forst nun wieder ausbreiten. Bisher sind fast keine Beispiele und Konzepte für solche Projekte in Deutschland durchgeführt worden. Deshalb wird es auch intensiv wissenschaftlich begleitet.

Konkrete Maßnahmen sind in diesem Konzept räumlich und zeitlich strukturiert. „Im Frühjahr haben wir die ersten lichten Waldstrukturen entlang der Waldwege geschaffen“ so Daniel Zippert, kommissarischer Forstbetriebsleiter am Forstbetrieb Arnstein, der für die Staatswälder im Limpurger Forst zuständig ist. „Dabei wurden je nachdem 10m breite Korridore entlang von Wegen angelegt oder auch mal kleinere Bereiche in den Beständen stark aufgelichtet“ ergänzt Joachim Schumacher, Revierleiter in Reupelsdorf, der die Maßnahme vor Ort umgesetzt hat. „Dabei werden allerdings seltene Baumarten, wie Speierling, Mehlbeere, Wildobst oder auch die Elsbeere oder faunistisch wertvolle Bäume, wie Feldulme oder Zitterpappel belassen“.

„Das Konzept sieht ein drei-stufiges Vorgehen vor“ erläutert Diplom Geograph Ralf Bolz aus Sugenheim-Ullstadt, der das Konzept und die Maßnahmen im Auftrag der Bayerischen Staatsforsten ausgearbeitet hat. „So sollen neben den linearen Lichtstellungen entlang der Forstwege auch flächige und punktuelle Lichtstellungen erfolgen“. Bolz verspricht sich davon, dass dann neben den Lebensräumen auch insbesondere die Nahrungspflanzen der Falter, wie z.B. die Frühlingsplatterbse hier verstärkt wachsen.

„Der eine oder andere Waldbesucher hat sich sicher gefragt, was das soll, was wir da gemacht haben“ begründet Zippert den Grund damit an die Presse zu gehen. „Aber es handelt sich dabei um sinnvolle Artenschutzmaßnahmen über die wir hier aufklären möchten. Für Natur- und Artenschutzmaßnahmen haben wir immer ein offenes Ohr und es zeigt sich, wie wichtig auch eine Bewirtschaftung von Waldflächen für den Naturschutz sein kann. Das ist dann eine „Win-Win-Win“ Situation. Den Schmetterlingen wird geholfen, die Bevölkerung kann hier Brennholz ernten und entlang der Forstwege kann der Waldbesucher dann diese seltenen Arten sehen und sich an dessen Anblick erfreuen“ schließt Zippert sein Statement. „Wir sind noch nicht ganz fertig“, ergänzt Joachim Schumacher „im Herbst sollen die Maßnahmen abgeschlossen werden und dann hoffen wir, dass möglichst viele Falter den angebotenen Lebensraum besiedeln werden“.

Gefördert wird diese Maßnahme über die Mittel der besonderen Gemeinwohlleistungen des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kitzingen.

Initiator des Projekts ist Lothar Kiennen, Forstbetriebsleiter am Forstbetrieb in Arnstein, dem das Projekt sehr am Herzen liegt und der überzeugt ist, dass dieses Projekt einmal mehr zeigt, wie Naturschutz, Bewirtschaftung von Waldflächen und Erholung gut miteinander auf derselben Fläche stattfinden können.