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Arbeitsunfall im Forst

Die Rottenkameraden bei der Ersten Hilfe am Verletzten beobachtet von Übungsleiter Armin Joscht und Forstwirtschaftsmeister Martin Lehmeier

Bayerische Staatsforsten proben den Ernstfall

Eichlhof, 21. Juni 2016 - Mit großem Aufgebot inszenierten die Bayerischen Staatsforsten im Staatswalddistrikt Wolferlohe gleich unterhalb von Eichlhof eine Rettungsübung. Über einen simulierten Arbeitsunfall wurde eine darauf unvorbereitete Waldarbeiterlehrlingsrotte in den Ernstfall geschmissen. Armin Joscht, ehemaliger stellvertretender Leiter der Rettungsleitstelle Amberg und Ausbilder beim Bayerischen Roten Kreuz, überwachte über Funkbegleitung als Beobachter vor Ort den Ablauf der Rettungskette. Zuvor hatte er die Integrierte Leitstelle in Amberg (ILS), bei der der abgesetzte Notruf eingeht, über die Übung informiert und mit Ausbildungsleiter Martin Weigl vom Kreisverband Schwandorf den Einsatz von Sanitätern des Roten Kreuzes mit Rettungsfahrzeugen ebenso koordiniert wie mit Dieter Güll den geländenotwendigen Einsatz der Bergwacht Bayern e. V. Schönsee zur Bergung des Verletzten im unwegsamen Gelände. Thomas Verron beobachtete als für die Arbeitssicherheit verantwortliche Forstbetriebsleiter mit seinem Sicherheitsbeauftragten Martin Lehmeier das Geschehen. Am Ende besprach man akribisch und kritisch den Ablauf der Rettungskette, die schnell, gezielt und reibungslos durchlaufen muss. Nicht nur für den Forst, auch für das BRK und die Bergwacht sind solche Übungen immer ein Gewinn. 

Die mit Handies ausgestatteten Waldarbeiterkollegen alarmieren im Notfall nach der Erstversorgung direkt die Rettungsleitstelle, schildern die Art der Verletzung, geben den festgelegten Rettungspunkt durch und führen Ersthelfer vor Ort, Notarzt, Sanitäter und Bergwacht mit den Bergungsfahrzeugen zum Unfallort. Die inzwischen bayernweit verteilten und in einem Rettungsplan fest dokumentierten Rettungstreffpunkte haben sich dabei bestens bewährt. Sie liegen durchnummeriert allen Beteiligten vor und tragen zu einem klaren Rettungsauftrag bei. Die mit grünen Schildern sichtbar markierten Rettungstreffpunkte können auch bei anderen Unfällen lebensrettend helfen. Im vorliegenden Fall war es mit SAD-1031 die nahe Einfahrt nach Eichlhof. Im durchgespielten Ernstfall kamen alle Retter in mehreren Wellen mittels Forstwirtlehrling Jonas Summer umstandslos zum Unfallort. Bis zum ersten Eintreffen musste Rottenkamerad Maximilian Klingseisen 15 Minuten Erste Hilfe am Verletzten leisten. Da muss jeder Handgriff zur Überbrückung sitzen.

Wimmernd mit Beinbruch und stark blutender Platzwunde am Kopf liegt Waldfacharbeiter Hubert Hollweck unter einem Fichtenwipfel. Dieser war bei der Sturmwurfaufarbeitung nachgebrochen und begrub den Forstwirt unter sich. Helm und Motorsäge flogen davon. Klingseisen hörte als erster die Hilferufe. Der Schock steht ihm bei der perfekt geschminkten Maskerade ins Gesicht geschrieben. Jetzt heißt es trotz allem kühlen Kopf zu bewahren und die Rettungskette gezielt in Gang zu setzen.  

Alle Elemente der Rettung eines verletzten Kameraden werden einmal jährlich unvorbereitet für die Teilnehmer in einer „scharfen“ Rettungsübung durchgespielt und protokollarisch festgehalten. Hier wird von allen Seiten penibel auf die durchlaufende Rettungskette geachtet. Denn der Zeitfaktor kann lebensentscheidend sein. Alle zwei Jahre schließt sich deshalb für sämtliche Forstbedienstete der Bayerischen Staatsforste eine Ersthelferauffrischung an. Da das Rettungssystem von Grund auf in Fleisch und Blut übergehen muss, hat Ausbildungsmeister Jonas Hofmann diesmal seine Lehrlinge ins kalte Wasser der Rettungsübung geschmissen.  

Betriebsleiter Thomas Verron vergleicht mit dem aktuellen Beispiel der deutschen Fußballnationalmannschaft. „Nur ein perfektes Team kann solche Leistungen bringen, jeder muss sich im Notfall auf seine Kameraden verlassen können. Deswegen muss jeder Handgriff auch im Training sitzen und immer wieder eingeübt werden.“ Ausbildungsleiter Martin Weigl sieht das BRK-intern genauso wie Dieter Güll für die Rettung im unwegsamen Gelände durch die Bergwacht. So schärft die Übung alle an der Rettungskette Beteiligten.  

Verron sieht seine Mannschaft bei Rettungsleitstelle, Rotem Kreuz und Bergwacht in besten Händen. Das Vertrauen sollte aber nicht zu Nachlässigkeiten bei der Arbeit verleiten. Das solle auch so bleiben. Um den hohen Sicherheitsstandard zu dokumentieren seien die Bayerischen Staatsforsten nach „OHRIS“ zertifiziert, was stete Sicherheitskontrollen nach sich ziehe. Und diesen hervorragenden Standard wolle man unbedingt halten. Verron ist stolz auf seine Leute, die bisher alles in dieser Richtung umgesetzt haben.