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Ameisen ziehen um

Hubert Fleischmann gibt Tipps zur Umsiedelung von Waldameisen

Ameisenumsiedelung am Forstbetrieb Flossenbürg der Bayerischen Staatsforsten in Zusammenarbeit mit der Ameisenschutzwarte Bayern  

Flossenbürg, 18. April 2017 - Ende März wurden im Revier Waidhaus drei Ameisenvölker der kahlrückigen Waldameise umgesiedelt. Die Völker hatten ihre Nesthügel auf wärmebegünstigten Fahrgassen gebaut, in diesem Jahr soll aber im Bestand Holz geerntet werden, sodass die Völker weichen müssen. Darunter sollen die Tiere aber nicht leiden, weshalb sie mit überschaubarem Aufwand in einen anderen Bestand umgesiedelt werden. Am neuen Standort findet in den nächsten Jahren kein Eingriff statt und die Voraussetzungen als Lebensraum sind durch die günstigen Licht- und Wärmeverhältnisse ebenso gegeben.

Der Zeitpunkt der Umsiedelung ist ideal gewählt, da bei einer Höhenlage von 550 m ü.N. im Oberpfälzer Wald einerseits noch nicht sehr viel Brut im Nest ist, die Ameisen andererseits bereits aus der Überwinterung im Boden gekrochen sind. Ein Ameisennest reicht bis 2 m tief in den Waldboden hinein. Eine erfolgreiche Umsiedelung des Volkes ist nur in der Zeit von Mitte März bis Mitte Mai möglich.

Ameisenheger Hubert Fleischmann von der Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern e.V. führte die fachmännische und schonende Umsetzung durch und klärte die anwesenden Forstleute über Biologie und Lebensweise der Waldameisen auf. Am schonendsten ist es für die Tiere, wenn mit der Hand ein Loch in den warmen Kern des Hügels (Im Nest selbst herrschen Temperaturen um die 30 °C) gegraben wird und das Material in Tonnen gefüllt wird. Dabei wird nicht das ganze Nest entfernt, sondern nur ein Teil des Volkes. Das künstliche Nest wird auf einen morschen Baumstock schichtweise aufgebaut. Als Startfutter für das neue Zuhause bekommen die Ameisen eine Packung Bienenfutterteig, welches mit Moos überdeckt wird, mit. Anschließend wird mit Reisig eine Kuppel darüber gebaut und mit dem abgetragenen Nestmaterial zusammen mit den Ameisen überdeckt. Um die neuen Mieter von ihrem Zuhause zu überzeugen, wird um den Nesthügel herum ein Kreis aus Zucker gestreut.

In den zwei darauffolgenden Wochen kehren Herr Fleischmann und die Förster zum alten Nesthügel zurück und tragen die zurückgelassenen Ameisen ab. Diese haben in der Zwischenzeit versucht, das Loch im Nest zu reparieren und können dort in großer Zahl abgeschöpft werden. Die Nachzügler werden dann auf den künstlichen Nesthügel zu ihren Artgenossen umgesiedelt.

Die Ameisenrettung ist gelebter Naturschutz, ohne großen Aufwand kann hier viel für die nützlichen Tiere getan werden.