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700 Feuchtbiotope am Forstbetrieb Hammelburg angelegt

Feuchtbiotop im Forstbetrieb Hammelburg

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Naturschutzfachliche Kleinode made by BaySF

Hammelburg/Neuwirtshaus/Mittelsinn, 10. Juli 2018 – Nach dem Sturm Kyrill 2007, der in Bayern rd. 5 Millionen Festmeter Windwurf-Schadhölzer gebracht hat, machte man sich am Forstbetrieb Hammelburg an die Wiederaufforstung der Schadflächen. Eine Idee dabei war, durch die künstliche Anlage von Feuchtbiotopen auf stark wasserbeeinflussten Standorten bzw. waldbauliche Grenzstandorten hier den Naturschutz mit zu integrieren.

Die Idee war im Kleinen schon viel länger vorhanden. Hier haben die BUND Kreisgruppen Bad Kissingen und Main Spessart Vorarbeit geleistet und die ersten kleineren Biotope (schon weit vor dem Jahr 2000) mit finanziellen Mitteln unterstützt. Seit 2010 gab es die Möglichkeit dies mit Fördermittel der besonderen Gemeinwohlleistungen der Forstverwaltung finanziell zu unterstützen. Arnulf Schöberl und Christian Müller-Wirth, Revierleiter am Forstbetrieb Hammelburg erinnern sich noch gut an den Beginn der Maßnahmen. „Wir haben nicht einfach drauf los gemacht, sondern uns anhand der Standorte und der Flächengrößen ein naturschutzfachliches Konzept zu der Anlage dieser Feuchtbiotope gemeinsam erarbeitet“ so Arnulf Schöberl. „Dabei sind wir zum einen von Naturschutzspezialist, der Zentrale der Bayerischen Staatsforsten, Herrn Axel Reichert, als auch der unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter Bad Kissingen und Main-Spessart sowie ehrenamtlichen Helfern aus Reihen der Naturschutzverbände sehr gut unterstützt worden“, ergänzt Christian Müller-Wirth.

Insgesamt sind seitdem rund 700 Feuchtbiotope auf einer Fläche von ca. 70 Hektar, was etwa 100 Fußballfeldern entspricht, angelegt worden. Dabei wurde darauf geachtet, dass sie gut verteilt sind um Vernetzungen unter diesen Feuchtbiotopen zu ermöglichen als auch die Biotope in der Größe und Tiefe zu variieren, so dass man für möglichst viele Arten Nieschen schaffen kann, die diese besetzen können. Leitarten bei diesem Anliegen war zum einen der typische Waldbewohner Schwarzstorch, aber auch zahlreiche Libellen, wie die Mossjungfern, Amphibien wie der Feuersalamander oder Molche, die diese Biotope als Nahrungsquelle oder Lebensraum benötigen.

Dass das auch viel Geld gekostet hat, dürfte klar sein, ergänzt Daniel Zippert, Forstbetriebsleiter des Forstbetriebs Hammelburg die Ausführungen seiner Kollegen. Insgesamt sind in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Summe von ca. 400.000 €, zum größten Teil Fördergelder der besonderen Gemeinwohlleistungen der Forstverwaltung aber auch Mittel der Naturschutzverbände LBV und BN sowie Naturschutzstiftungen und Ausgleichsgelder vom Landratsamt Bad Kissingen, investiert worden.

Aber die Ergebnisse können sich auch sehen lassen. So sind neben dem Schwarzstorch, der mit mindestens zwei Brutpaaren am Forstbetrieb wieder heimisch ist, oder dem Eisvogel und der Bekassine, auch zahlreiche andere, seltene Arten in den Spessart und die Rhön zurückgekehrt bzw. haben sich erfreulich vermehrt. Darunter Amphibien, wie der Grasfrosch, Feuersalamander, Kamm-, Teich- und Bergmolch, als auch etliche Libellenarten, wie die Speerazurjungfer, diverse Moosjungferarten, oder seltene Pflanzen, wie der Sonnentau und das Wollgras. „Die Hauptaufgabe wird es zukünftig sein, diese Flächen zu pflegen und weitgehend offen zu halten“ so Zippert weiter

„Hier sehen wir in der Zukunft den Schwerpunkt unserer Tätigkeiten. Die Neuanlage von Feuchtbiotopen wird nur noch reduziert stattfinden. Die Erfolge zeigen uns, dass die Habitate für die Tiere passen. Jetzt müssen wir schauen, dass die Feuchtbiotope auch in dieser attraktiven Qualität erhalten bleiben.“ Verschiedene Verfahren bei der Offenhaltung der Feuchtbiotope werden jetzt ausprobiert um ein möglichst kostengünstiges und bestens geeignetes Verfahren zu finden.

Als aktuellste Maßnahmen sind in diesem Frühjahr erneut Futterfische in die größeren Feuchtbiotope eingesetzt worden, die insbesondere dem Schwarzstorch und den Eisvogel als Nahrungsquelle dienen sollen. Auch ein Versuch, die Feuchtbiotope noch attraktiver zu gestalten.

Alle Beteiligten sind sich einig: Ein tolles und erfolgreiches Naturschutzprojekt… made by BaySF….