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Holz ohne Holzen

Der Steigerwald profitiert vom Grundsatz "Schützen und Nutzen"

Im Wald beginnen Nachhaltigkeit und Naturschutz mit genauem Zählen. Sehr genau gezählt haben unsere Forstexperten jüngst im Steigerwald. In unserem Forstbetrieb in Ebrach war nämlich die sogenannte Forsteinrichtung zu Gast.

Unsere Experten von der Forsteinrichtung messen, wieviele und welche Bäume vorhanden sind und zuwachsen. Sie erheben Durchschnittsalter, Qualität des Holzvorrats, Vorausverjüngung, Schichtung der Waldbestände und noch vieles mehr. Sie messen, begutachten, bewerten, vergleichen, wägen ab, planen und protokollieren. Sie legen fest, wie viele Bäume in den nächsten Jahren unter Beachtung der Nachhaltigkeit gefällt werden können. So stellen sie auch sicher, dass genügend Totholz im Wald angereichert wird, um den Artenreichtum zu sichern und zu mehren. Unter dem Strich war das Ergebnis: Die ökologische Wertigkeit des Steigerwaldes hat sich verbessert – und diese Entwicklung wird sich mit der neuen Forstbetriebsplanung auch weiter fortsetzen!

Wenn der Volksmund etwas stoisch verkündet, dass früher alles besser war, dann mag das oftmals stimmen. Im Steigerwald haben unsere Experten aber auch einige schöne Gegenbeispiele festgestellt. So ist zum Beispiel im Hohe Buchener Wald der Holzvorrat um rund 20 Prozent angestiegen,  verglichen mit den Zahlen von 1984. Der Anteil der Laubbäume ist sogar um 25 Prozent angestiegen. An dem Anstieg ist vor allem die Buche beteiligt. Wie im Spessart gilt auch für den Steigerwald: Älter, dicker, mehr. Die Buche setzt Speck an, es sind fette Jahre.

Dieser Trend wird so bleiben, und zwar sehr, sehr lange. Die Forsteinrichtungen der Zukunft werden das bestätigen. So sehen die Planungen für den Hohe Buchene Wald Laubholzanteile von 90 Prozent vor. Das ist beeindruckend, genauso wie der Anteil an Totholz. Der hat sich nämlich in den letzten Jahren von rund sieben auf ca. 13 Kubikmeter pro Hektar fast verdoppelt. Werden die gemessenen Totholzwerte auf Derbholzstärke hochgerechnet und auch das Stockholz dazugezählt, kommt man auf rund 23 Kubikmeter pro Hektar!

Der Totholzanteil im Hohe Buchener Wald steigt nicht trotz, sondern wegen der Nutzung. Bei jeder Holzernte fällt Kronen- und Astholz an, das im Wald bleibt. Es ist Lebensraum für unzählige Arten, auch sehr seltene „Urwaldarten“. Da Totholz verrottet und wieder fruchtbaren Humus bildet, ist ein ständiger Nachschub notwendig. Einzelne Windwürfe oder Bäume, die aus anderen Gründen absterben, könnten nicht für einen so kontinuierlichen Nachschub an Totholz und damit Lebensraum sorgen, wie das eine naturnahe, nachhaltige Waldbewirtschaftung tut.

Bei all den schönen Nachrichten für den Natur- und Artenschutz sollte man aber nicht vergessen, dass es ein wesentlicher Auftrag der Forstwirtschaft ist, die Menschen mit Holz zu versorgen. Dazu gehören Motorsäge, Harvester und Holzernte.

Das im Steigerwald  geerntete Holz wird übrigens fast vollständig in Franken oder Bayern weiter verwertet. Lediglich ein kleiner Teil wird ins grenznahe Österreich geliefert, wo daraus hochwertige Bekleidungsfaser produziert wird. 

Die Zahlen aus dem Steigerwald zeigen vor allem eins: Schützen durch Nutzen geht sehr wohl miteinander. Regionale Holzerzeugung und Naturschutz sind keine Gegensätze. Wenn man es klug anpackt und für einen vernünftigen Ausgleich der Interessen sorgt, geht das prima miteinander.