Das Wandern ist der Forelle Lust
Die Bayerischen Staatsforsten haben ein Artenschutzprojekt für die Seeforelle gestartet, einem der schönsten und imposantesten heimischen Fische.

In Zusammenarbeit mit der Fischereigenossenschaft Walchensee wurden 500 einsömmrige Seeforellen in der Obernach ausgesetzt.
Die Seeforelle braucht Hilfe. Laichhilfe, um genau zu sein. Denn in vielen der Flüsse, in die sie zum Laichen schwimmt, sind in den letzten Jahrzehnten mit Wasserkraftwerken unüberwindliche Hindernisse entstanden. Im oberbayerischen Walchensee konnte der Seeforellenbestand nur noch durch künstliche Aufzucht einigermaßen stabil gehalten werden. Nun haben die Bayerischen Staatsforsten in der Obernach, dem größten Zufluss zum Walchensee, ein Artenschutzprojekt gestartet. Die Seeforelle soll wieder Zugang zu ihren natürlichen Laichhabitaten erhalten.
Die Seeforelle ist einer der schönsten und elegantesten Fische unserer Heimat. Sie wird bis zu 25 Kilogramm schwer, kann deutlich über einen Meter lang werden und ist in vielen bayerischen Seen zuhause. Seit den fünfziger Jahren hat allerdings ihr Bestand stark abgenommen. Als Speisefisch ist sie seit jeher Objekt der Begierde für Sport- und Berufsfischer. Das Hauptproblem resultiert aber aus ihrem Laichverhalten: Wenn sich die Seeforellen – ähnlich den Lachsen - im Spätherbst auf den Weg zu ihren Laichplätzen in die einmündenden Flüsse machen, treffen sie schon bald auf unüberwindliche Hindernisse. Wasserkraftwerke und andere Bauwerke verstellen den Weg, die natürliche Fortpflanzung wird unmöglich.
Die Bayerischen Staatsforsten, deren Forstbetrieb Bad Tölz für die Bewirtschaftung der Obernach zuständig ist, haben nun ein Renaturierungsprogramm gestartet. Ziel ist es, die Obernach für die Seeforelle wieder soweit beschwimmbar zu machen, dass sich die Bestände wieder auf natürlichem Weg fortpflanzen und verjüngen können. Experten der Technischen Universität München und vom Institut für Fischerei in Starnberg haben die Obernach zunächst gründlich untersucht: Rudolf Plochmann, Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz, ist vom Ergebnis in seinem Optimismus bestärkt: „Die Untersuchungen zeigen, dass die Obernach ein ökologisches Kleinod ist. Sie eignet sich hervorragend als Laich- und Aufzuchtgewässer für die Seeforelle.“ Einziges Problem sind die erwähnten Querbauwerke. Zusammen mit Fischern, Wissenschaftlern und Energieerzeugern arbeiten die Bayerischen Staatsforsten derzeit an einem Konzept, wie der Fluss für die Seeforelle zumindest teilweise wieder beschwimmbar werden kann. Bis es soweit ist, wollten Rudolf Plochmann und seine Mitarbeiter aber nicht untätig bleiben: Kürzlich setzten sie in Zusammenarbeit mit der Fischereigenossenschaft Walchensee 500 einsömmrige (also etwa fünf Monate alte) Forellen mit einer Größe von etwa 8 cm in der Obernach aus. „Wir haben die Hoffnung, dass diese Fische auf ihr Aufzuchtgewässer geprägt werden und dann als laichfähige Tiere wieder zurückkehren. Bis es soweit ist, wollen wir die Obernach entsprechend renaturiert haben“, beschreibt Plochmann das Vorhaben.
Bis zu 30.000 Eier legt eine Seeforelle pro Laichvorgang in vorher ausgeschlagene Laichgruben ab – in einer passenden Umgebung eigentlich genug, um auf Dauer den Bestand zu sichern. Nach dem Ablaichen kehren die erwachsenen Fische übrigens sofort in den See zurück, die jungen Seeforellen bleiben mindestens noch ein Jahr in den Laichgewässern, bevor sie ebenfalls flussabwärts in den See schwimmen.
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Kommentare
Gerd Ponkratz
28.02.2009 - 17:24 Uhr
Das begrüsse ich ausserordentlich. Habe dort schon selbst Seeforellen aufsteigen sehen. Die 500 Setzlinge sind allerdings nur 1 Tropfen auf den heißen Stein. Ein Manko ist v.a. das geringe Mindestmaß für Forellen im Walchensee. Seeforellen laichen frühestens mit ca. 65 cm !